Zuletzt kamen mehrere Animations-Filme ins Kino, hinter denen nicht Konzernriese Disney stand: „Willkommen im Wunderpark“, „Die sagenhaften Vier“ oder auch der neue Asterix-Film „Das Geheimnis des Zaubertranks“ konnten aber allesamt nicht wirklich überzeugen. „Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer“ (im Original: „Missing Link“) eilt ein besserer Ruf voraus, bevor der Film bei uns Ende Mai im Kino anlaufen soll. Ein Meisterwerk ist Regisseur Chris Butler auch nicht geglückt, aber dafür eine solide Animations-Komödie für Kinder und Jugendliche, deren Finale einige kleinere Schwächen wettmacht.

von Christian Klosz

Sir Lionel Frost versucht es seit Jahren, doch ohne Erfolg: Er möchte anerkanntes Mitglied der elitären Forscher-Gesellschaft rund um Sir Piggot-Dunceby werden. Was es dazu braucht? Die Entdeckung und/oder den Beweis der Existenz einer seltenen Kreatur oder eines monsterartigen Wesens. Seit Jahren müht sich Frost, doch irgendwas läuft immer schief. Schließlich bekommt er einen Brief, der die Existenz eines Mischwesens aus Mensch und Affe, des sogenannten Sasquatch (oder Bigfoot), behauptet, das sich im Regenwald aufhalten soll. Frost sieht seine Chance gekommen, und macht sich auf die Reise. Und tatsächlich: plötzlich steht ihm ein 2.50 Meter großes, komisch anzusehendes felliges Ding gegenüber, das sprechen kann, und von sich behauptet, dieses ominöse Wesen zu sein; mehr noch: Er, Mister Link, habe selbst den Brief an Frost verfasst, und bittet ihn um Hilfe, mit ihm gemeinsam sein Anverwandten im Himalaya, die Yetis, zu suchen und zu finden, da er sich doch etwas einsam fühle. In Begleitung von Frosts ehemaliger Geliebter Adelina Fortnight, die die Karte für den Trip beisteuert, machen sich die 3 auf in ein unbekanntes Abenteuer…


Sir Lionel Frost ist mehr als erstaunt über Mister Links ungewöhnliche Physiognomie.

Die Grundprämisse der Story, eine klassische Abenteuergeschichte, ist durchaus ansprechend, auch Themen wie „wahre Freundschaft“ oder (übersteigerter und letztlich hinderlicher) „Egoismus“ finden ihren Platz in den eineinhalb Filmstunden. Die Animationen, eine Mischung aus Stop-Motion und computergenerierter Tricktechnik, sind zwar solide, können aber das qualitative oder stilistische Niveau vergleichbarer Disney/Pixar-Arbeiten nicht erreichen. Schade ist, dass die ursprünglichen Aufnahmen von den aus Plastellin modellierten Figuren offenbar so lange computerbearbeitet wurden, bis der Stop-Motion-Trickeffekt kaum mehr erkennbar ist: Da hätte man auf den ersten Schritt gleich verzichten können.

Über all das könnte man noch hinwegsehen. Schwerer wiegt, dass die Witze, zumindest in der deutschen Synchro-Version, selten zünden, der Film zwar nett und ansehnlich dahinplätschert, aber lange Zeit keine wahren Höhepunkte für die Zuschauer bietet. Erst gegen Ende nimmt dann „Mister Link“ etwas an Fahrt auf, das wirklich spannende und fesselnd inszenierte Finale am Himalaya gleicht einige der vorher erwähnten Schwächen aus, und bildet einen gelungenen und versöhnlichen Abschluss des Films.


Sir Lionel Frost (Mitte, links) und Mister Link (Mitte, rechts) freunden sich auf der langen Reise an.

Fazit:

Alles in allem bietet „Mister Link“ ganz ordentliche Animations-Unterhaltung, die wohl am besten bei Kindern zwischen 6 und 14 ankommen sollte. Ein gelungenes Finale gleicht einige stilistische und dramaturgische Schwächen aus, wenngleich der Film nicht lange im Gedächtnis bleibt, und mit den großen Animations-Meisterwerken der letzten Jahre und Jahrzehnte nicht mithalten kann. Ab 31.5. im Kino.

Bewertung:

6 von 10 Punkten

Bilder: © 2019 eOne Germany