Sieben Jahre ist es bereits her, dass die Men in Black das letzte Mal die Erde retten durften und schon über 20 Jahre, dass wir zum ersten Mal von der gut gekleideten, geheimen Organisation erfahren haben. Damals durften noch Will Smith in die Rolle des Neulings und Tommy Lee Jones in jene des wissenden Mentors schlüpfen – im Jahr 2019 werden diese Aufgaben von Tessa Thompson und Chris Hemsworth übernommen). Doch können die frischen Gesichter mit dem Charme der Haudegen von damals mithalten und so das Franchise in eine neue Ära führen?

von Mara Hollenstein- Tirk

Ihr ganzes Leben hat sie auf diesen Moment hingearbeitet, seit Molly als Kind mitangesehen hat, wie ihre Eltern von zwei Agenten der Men in Black neutralisiert wurden, wünscht sie sich nichts sehnlicher, als auch den schwarzen Anzug überstreifen zu können und die Geheimnisse des Universums zu ergründen. Da kommt ihr eine unautorisierte Alienlandung samt geheimer Verfolgung durch einige MIB-Agents gerade recht und ehe sie es sich versieht, sitzt sie auch schon an einen Verhörstuhl gefesselt im Men in Black-Hauptquartier. Schließlich schafft es Molly tatsächlich, die Leiterin Agent O (Emma Thompson) zu überzeugen und ihr erster Einsatz als Agentin auf Probe führt sie nach London, wo ein Maulwurf in den eigenen Reihen vermutet wird…

Jeder, der schon ein paar mehr Jährchen auf dem Buckel hat, kann sich sicher noch lebhaft daran erinnern, was für ein Erlebnis der erste Teil dieses Franchise damals im Kino war. Nicht nur, dass mit Smith und Jones zwei hervorragende Darsteller für ihre jeweiligen Rollen gecastet wurden, deren grandiose Chemie sicherlich mit ausschlaggebend für die Fortführung der Reihe war, sondern war es vor allem dieses Eintauchen in eine neue, fremde, und doch so vertraute Welt, in eine Welt, in der Aliens unter uns weilen, getarnt, vor den Blicken der Menschen verborgen, in eine Welt, in der jederzeit die endgültige Vernichtung drohen kann, ohne dass es die Menschheit mitbekommen würde. Die Zuschauer verfielen auch deswegen damals so ins Staunen, weil die Drehbuchautoren intelligent genug waren, die Geschichte aus der Perspektive des Frischlings zu präsentieren.

Was vor 20 Jahren allerdings zum Erfolg geführt hat, stellt sich aus heutiger Sicht wie ein Schuss in den Ofen dar. Das „fish out of water“ – Prinzip will hier einfach nicht so recht zünden, denn, anders als die Protagonistin von heute, hat der Zuschauer das meiste davon bereits gesehen (teilweise sogar mehrfach in den drei Vorgängern). Bereits dadurch wird eine der größten Schwächen des Films allzu deutlich: das Drehbuch. Hier wurde einfach zu viel Bekanntes, Altbackenes und Generisches in einen Topf geworfen, um tatsächlich als innovativ oder spannend durchzugehen. So hangelt sich der Zuschauer gemeinsam mit den Schauspielern von Szene zu Szene, ohne jemals wirklich überrascht zu werden; was man dem Film vielleicht dank der hervorragende Leistung eben jener Schauspieler verzeihen könnte, denn jeder einzelne von ihnen versucht hier wirklich, das Beste aus den ziemlich dünnen Rollen herauszuholen.

Doch leider wird einem gerade aufgrund der prinzipiell guten Chemie zwischen Hemsworth und Tessa Thompson umso schmerzlicher bewusst, dass die Gags die meiste Zeit flacher sind als ein Blatt Papier. Kaum ein Schmunzeln macht sich auf dem Gesicht breit, während man dem vorhersehbaren Treiben mit einem leichten Desinteresse folgt. Da helfen dann die durchaus gelungenen Effekte und die überall verstreuten Referenzen, welche den Nostalgiefaktor gewaltig ankurbeln sollen, auch nicht mehr allzu viel.

Fazit:

Alles in allem ist „Men in Black International“ ein Sci-Fi/Fantasy-Abenteuer von der Stange geworden, das nie übers Mittelmaß hinauskommt, den Charme seiner Vorgänger nie erreicht und wahrscheinlich schon in einem Monat von den meisten Zuschauen wieder vergessen worden sein wird. Ab 13.6. im Kino.

Bewertung:

6 von 10 Punkten

Auch Daniel Krunz und Christian Klosz konnten „Men in Black: International“ bereits vorab sehen, und waren um einiges mehr angetan als Mara. Ihre Ratings findet ihr in unserer RATING-BOX, inkl. eines errechneten Durchschnittswerts für den Film & allen weiteren Bewertungen der Kinostarts im Juni!

Bilder: © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Werbeanzeigen