Gestern und heute hatten die Filmfestspiele in Berlin hohen politischen Besuch: Die ehemalige US-Präsidentschaftskandidatin und Ehefrau von Ex-Präsident Bill Clinton beehrte die Berlinale, um die neue Doku-Serie „Hillary“ von Nanette Burstein vorzustellen.

von Christian Klosz

Während sich Hillary Clinton gestern der breiten Öffentlichkeit präsentierte, trat sie heute vor die versammelte Presse, um Einblicke in die Arbeit an der Serie zu geben, aber auch allgemeine Fragen zu ihrer Person oder zu politischen Themen zu beantworten. Clinton gab sich sehr reflektiert und klar in ihren Aussagen – bei der aktuellen politischen Lage in ihrer Heimat keine Selbstverständlichkeit. Ein mitgereister US-Reporter wollte wissen, was sie davon halte, einen „Sozialisten“ (Bernie Sanders, aktuell Frontrunner beim Nominierungsprozess der Demokraten und schon vor 4 Jahren Clintons Konkurrent) zum Kandidaten zu wählen. Clinton meinte darauf sehr pragmatisch, sie werde jeden Kandidaten ihrer Partei unterstützen – denn jeder sei besser als der aktuelle „incumbent“ Donald Trump, den sie übrigens die ganze Pressekonferenz nie beim Namen nannte.

Mit der Arbeit mit Regisseurin Burstein und dem Resultat zeigte sich Clinton zufrieden, das Ziel sei gewesen, so sagten beide, ein realistisches, multi-perspektivisches Bild zu zeigen, und auch „den Menschen“ hinter der öffentlichen Figur und Politikerin sichtbar zu machen. Eine Hagiografie sei es dennoch nicht geworden, darauf bestanden die Macher der Serie.

Auf die Frage, was denn die wichtigste Lektion sei, die sie in ihrem bisherigen (politischen) Leben gelernt habe, antwortete Hillary Clinton, Kritik immer ernst, aber nie persönlich zu nehmen. Besonders bei ihrer Kampagne 2016 hatte sie bekanntlich mit vielen Anwürfen unterhalb der Gürtellinie durch den politischen Gegner zu tun, wie sie erneut erwähnte. Aus politischer Sicht besonders interessant war in diesem Kontext ihre Feststellung, dass insbesondere Putin ihre Agenda ganz genau und glasklar verstanden habe, und sie deswegen aus geopolitischen Interessen ganz gezielt bekämpft hätte – etwa durch Einflussnahme auf die US-Wahlen und durch bewusste Verbreitung von Fake-News auf Social Media-Kanälen, um so die Trump-Kampagne zu stützen.

Insgesamt präsentierte sich Hillary Clinton als kluge, überlegte und nicht unsympathische Frau, deren Besuch jedenfalls einen Gewinn für die heurige Berlinale darstellt.

alle Bilder: (c) Film plus Kritik