Einer der beiden italienischen Wettbewerbsfilme, die dieses Jahr auf den 70. Berliner Filmfestspielen laufen, stellt Giorgio Dirittis „Hidden Away“ („Volevo Nascondermi“) dar. „Volevo Nascondermi“ – zu Deutsch „Ich wollte mich verstecken“ – ist ein ruhiges, farbenfrohes Portrait des italienischen Ausnahmekünstlers Antonio Ligabue. Der Einzelgänger gilt heute als einer der wichtigsten Vertreter der „Art Brut“. Zu sehen ist der Film noch diesen Sonntag, den 01. März.

von Elli Leeb

Toni alias Antonio Ligabue (Elio Germano) versteckt sich gerne vor der Welt. So beispielsweise mithilfe eines ihn umhüllenden Sack, bei dem nur sein Auge hinausschaut und dessen Spalt er bei der kleinsten Irritation gleich wieder zuzieht: Mit dieser Einstellung wird der italienische Ausnahmekünstler zu Beginn des Films eingeführt. Davon ausgehend inszeniert Diritti Lagabues frühes Leben durch schnelle Vor- und Rückblenden. Im weiteren Verlauf verlangsamt sich der Rhythmus des Films, behält dabei aber seinen virtuosen Rhythmus, der den Film letztendlich auszeichnet.

Toni ist der Sohn einer italienischen Auswanderin, wächst nach deren Tod allerdings in der Schweiz auf. Als er aufgrund seiner körperlichen sowie geistigen Einschränkungen – die SchweizerInnen sind sowieso der Meinung, dass die ItalienerInnen nicht erziehbar seien – gegen seinen Willen nach Italien ausgewiesen wird, spricht er kein Wort Italienisch und findet sich deshalb nicht zurecht in der Gesellschaft. Als eines Tages der Bildhauer Renato Marino Mazzacurati (Pietro Traldi) auf ihn trifft, beginnt Tonis kreative Laufbahn und mithilfe der Kunst auch ein Weg in Tonis persönliche Befreiung. Toni spricht nicht viel mit Menschen, dafür umso mehr mit seinen Bildern. Dominiert werden seine Werke von farbenfrohen Tierwesen, so brüllt er beispielsweise seinen gemalten Löwen an und spricht auf diese Weise mit ihm.

Elio Germanos Einsatz von Bewegungen und Mimik, um den italienischen Künstler darzustellen, sind beeindruckend glaubwürdig. Einen großen Teil zur optischen Illusion trägt auch die Maske bei. Regisseur Girgio Diritti erzählt mit Leidenschaft von Tonis Kunst, fängt aber auch die tragische Seite ein: Toni hat stets das Gefühl, dass seine Kunst nicht verstanden werden würde. Aufgrund seiner geistigen und körperlichen Leiden gelingt es ihm auch nie, eine Frau für sich zu gewinnen. Trotz alledem will Toni bis zum Schluss weiterleben und verstand es, mithilfe der Kunst seine Identität auszuleben.

Fazit

Das Biopic „Hidden Away“ über den italienischen „Art brut“-Künstler Antonio Lagabue ist durch einen stets virtuosen Rhythmus gekennzeichnet und wird zwei Stunden hindurch von wunderschönen, teils märchenhaft anmutenden Bildern dominiert. Der Film porträtiert einen außergewöhnlichen Künstler und Menschen und zeigt, worin die Besonderheit seines Wesens sowie die Besonderheit des Wesens der Kunst im Allgemeinen liegt. Sehenswert.

Rating

88/100

Bilder: © Chico De Luigi