Vor 40 Jahren sorgten sie für einen wahren Hype: Die „Blues Brothers“ rockten unter der Regie von John Landis über die Kinoleinwände und wurden zum Kult. Angesichts der ohnehin mauen Versorgungslage feiern John Belushi und Dan Aykroyd derzeit ein würdiges Comeback in den Lichtspielhäusern (und Autokinos), auch bei uns ist die unterhaltsame Musik-Komödie derzeit unter anderem im Gartenbaukino zu sehen.

von Christian Klosz

Inhalt

Jake Blues (Belushi) wird von seinem Bruder Elwood (Aykroyd) vom Gefängnis abgeholt, aus welchem er nach mehrjährigem Aufenthalt endlich entlassen wird. Gemeinsam besuchen die beiden das Waisenhaus, in dem sie aufgewachsen sind, und dort ihre ehemalige Erzieherin. Die ist höchst enttäuscht von ihren Schützlingen, die ihren Lebensunterhalt durch das Drehen „krummer Dinger“ bestreiten. Außerdem steht ihr Haus vor der Schließung: 5000 Dollar Steuerschulden müssen nachgezahlt werden, und das schnell.

Bei einem Gottesdienst in einer lokalen Kirche kommt Jake Blues plötzlich die Erleuchtung: Es ist Zeit, „to bring the band back together“, also die alten Bandmitglieder der Gruppe „Blues Brothers“ einzusammeln und durch Auftritte die 5000 $ zu verdienen und so ihr altes Waisenhaus zu retten. Doch das Unterfangen stellt sich schwieriger heraus, als gedacht, denn inzwischen ist nicht nur die Polizei auf den Fersen der beiden Halunken, sondern auch eine konkurrierende Musikkapelle und eine Gruppe wütender US-Nazis.

Darum sind die „Blues Brothers“ Kult

Der Kultfaktor manifestiert sich schon am ikonischen Outfit von Elwood und Jake Blues: Schwarzer Anzug, schwarze Krawatte, schwarze Sonnenbrille, mürrischer Blick. Auch der mit unzähligen Blues-Klassikern bestückte Soundtrack trug maßgeblich zum Erfolg der „Blues Brothers“ bei. Hinzu kommt die John Landis-typische Botschaft, die dem Film Herz und Seele verleiht.

Der Film lebt von seiner archaischen Ausgelassenheit und einer Zerstörungs-Lust, die nur knapp nicht in komplette Anarchie kippt. Nicht jede der unzähligen musikalischen Einlagen und Auftritte ist gleich gut gelungen, die Auswahl ist allerdings riesig: Das who is who der US-amerikanischen Blues- und Soul-Szene gibt sich ein Stelldichein, von James Brown, dem „godfather of soul“, als manischer Prediger über Ray Charles als blinder Klavierverkäufer bis hin zu Aretha Franklin als Ladenbesitzerin. Im Grunde ist „Blues Brothers“ eine wilde Mischung aus Action-Komödie und Musikfilm: Insbesondere die diversen Konzertaufnahmen erhöhen den musikalischen Gehalt und Inhalt auf deutlich über das genreübliche Ausmaß.

Schließlich ist es das kongeniale Duo Aykroyd-Belushi, das den Film auf seinen ordentlich gepolsterten Schultern trägt. Ihr lakonisches Auftreten verlieh dem Begriff „cool“ schon in den 80-ern eine ganz neue Dimension – und schafft das immer noch. Am Set der „Blues Brothers“ soll es ordentlich zugegangen sein, Legenden berichten davon, dass es eine eigene Bar für die Crew gab, dass ein Teil des ohnehin exorbitanten Produktionsbudgets für die Beschaffung von Kokain und anderer Drogen drauf ging, die am Set ungezügelt konsumiert wurden – und dass John Belushi seine schwarze Sonnenbrille nur deswegen immer tragen wollte, damit die Spuren seiner nächtlichen Eskapaden nicht allzu sichtbar wären. Und trotzdem legt gerade er einen über alle Maßen überzeugenden Auftritt hin, der einmal mehr schmerzlich bewusst macht, welch komödiantisches Talent hier 2 Jahre nach dem Dreh im Alter von nur 33 Jahren viel zu früh von uns gegangen ist.

Fazit: Ein höchst charmanter und kultiger Streifen, der sich vor allem durch seine pulsierende Energie und die großteils überzeugenden musikalischen Einlagen auszeichnet. Auch nach 40 Jahren eine Wiederentdeckung Wert!