von Marius Ochs

Deutsche Komödien sind keine spaßige Angelegenheit. Das Til Schweiger-Trauma, das durch Matthias Schweighöfers Regie-Ausflüge nur verlängert wurde, lastet noch schwer auf der humorbedürftigen cinephilen Seele. Nach einzelnen glorreich glänzenden Genrespitzen wie Fatih Akins „Soul Kitchen“ oder „Toni Erdmann“ von Maren Ade gestaltet sich die Suche nach brauchbarem Material wie die nach der Nadel im Heuhaufen. Mit dem aus der Heute-Show bekannten Alexander Schubert, Autor und Regisseur von „Faking Bullshit“, ertönt nun aber eine neue Stimme in der Einöde deutscher Komödien. Schafft Schubert es den Schweigers, Schweighöfers und M’bareks dieser Industrie auszuweichen und ein neues Glanzstück deutscher Humorkunst abzuliefern, oder ergibt sich sein Erstlingswerk doch den ermüdenden Automatismen der Lachmuskeln vom Boden- bis an die Nordsee?

Der Film ist eine Adaption der schwedischen Komödie „Kops“ aus dem Jahr 2003 und übernimmt von dem skandinavischen Klassiker die groben Grundzüge der Geschichte: Ein Polizeirevier in der Provinz – besser gesagt in Ahlen in NRW – soll geschlossen werden, weil es zu wenig Straftaten gibt. Zur Überprüfung des Umstandes reist die Polizistin Tina (Sina Tkotsch) aus der Großstadt an, was die Polizisten und die einzige Polizistin Annette (Susanne Schnapp) dazu verleitet selbst Straftaten zu begehen, um ihre Jobs nicht zu verlieren.

Diese relativ simple, aber unterhaltsame Prämisse nimmt Schubert als Schablone um die diversen gesellschaftlichen Debatten des Jahres 2020 abzubilden. So wird direkt in der ersten Szene Deniz (sehr sympathisch gespielt von Erkan Acar) bei einem Date die Frage gestellt, die aktuell jeden aufhorchen lassen sollte: „Nein, ich meine wo kommst du denn wirklich her?“. Aus seiner Erwiderung: „Das ist rassistisch“ ergibt sich nicht nur das Ende des Dates, sondern auch eine kleine Spitze in Richtung Alltagsrassismus.

So ist von Anfang an klar: Der Name des Films ist Programm. Es soll nicht nur um Polizisten gehen, die Straftaten fälschen, nein: Schubert versucht sich an einem klugen und entlarvenden Film, der seine Zuschauer mit rassistischen und sexistischen Verhaltensweisen nicht einfach durch Lacher entschuldigt. Das funktioniert manchmal besser, manchmal schlechter. „Faking Bullshit“ lässt zwar zwischendurch einige gesellschaftskritische Untertöne aufblitzen, zieht die behandelten Themen aber nicht konsequent durch. Doch allein der Versuch – und einige wirklich witzige und unkonventionelle Dialoge – heben den Film aus der Schweiger’schen Hölle empor.

Durch das Setting in der Provinz wird das Thema von den endlosen Zeitungs- und Wissenschaftsdebatten in den Alltag verfrachtet. Die Schauspieler, denen der Spaß beim Dreh anzumerken ist, transportieren diese gewisse Verlorenheit im Diskurs auf eine zutiefst sympathische Art und Weise. Wenn zum Beispiel die von allen aufgrund ihres liebevollen Charakters (und ihres Namens) nur „Netti“ genannte Annette einsieht: „Ich bin wohl keine Feministin“, nur weil sie nicht oberkörperfrei für die Kunstfreiheit demonstrieren geht, dann hört man es gerne, wenn ihr Mann Hagen (Alexander Hörbe) erwidert: „Du bist perfekt“. Solche Momente schaffen es, dass der Zuschauer am Ende des Films jeden Charakter ein wenig in sein Herz geschlossen hat.

Doch auch wenn die Figuren wirklich gut geschrieben sind und jeder von ihnen eine Entwicklung durchmacht, tröstet das leider nicht ganz über die ziemlich nachlässige Story hinweg. Angesichts der arg konstruierten Geschichte fühlt sich der Betrachter vor den Kopf gestoßen, was sich zwangsläufig auch auf den Spaßfaktor auswirkt und sogar Einzug in die Charakterentwicklung erhält, die trotz aufkeimender Sympathie letztlich unausgewogen wirkt.

Fazit

„Faking Bullshit“ ist ein gelungenes Debüt und schafft es definitiv sich nicht in die Riege generischer, deutscher Komödien einzureihen. Die stellenweise gut pointierte Gesellschaftskritik könnte zwar deutlich ausgefeilter sein, zeigt aber, dass Alexander Schubert mit Herz bei der Sache war. Das Ensemble besticht durch liebenswürdige Charaktere, die mehr als einmal für Lacher sorgen können. Punkte verliert der Film durch den weit hergeholten Handlungsverlauf und die Tatsache, dass die Mischung aus Humor und Humanismus schon besser funktioniert hat. Insgesamt dennoch eine wirklich erfrischende Erweiterung in der häufig so enttäuschenden Landschaft deutscher Komödien.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(68/100)

Bilder: ©Filmpool