von Cliff Brockerhoff

Wer sich vor Augen hält welche schweißtreibenden Arbeiten die Menschen noch im letzten Jahrhundert ausführen mussten um die Teller auf ihrem Tisch füllen zu können, wird zugeben müssen, dass es nicht einer gewissen Kuriosität entbehrt, dass es heutzutage Leute gibt, die einzig mit einer Kamera und ihrer Meinung hauptberuflich aktiv sind. Zugegeben, hinter den rosig schimmernden Fassaden der Influencer steckt oft auch eine Menge Arbeit, doch das Verhalten der Generation Y ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln. Cole, seines Zeichens Hauptakteur im nun zu besprechenden „Follow me“ ist einer derjenigen, die ihr Geld auf neumodische Art und Weise verdienen. Zum zehnjährigen Jubiläum seiner Karriere führt sein Weg ihn auf der Suche nach immer krasserem content ins kalte Moskau.

Dort angekommen trifft er auf Alexei, einen neureichen Jungspund, der Cole und seinen Freunden ein unvergessliches Erlebnis versprochen hat. Der Rest der Prämisse lässt sich im Grunde schnell umreißen: der Ausflug führt das Quartett letztlich zu einem Escape Room, der fortan als Schauplatz der Geschichte dient. Wer sich jetzt denkt: „Hey, das habe ich doch alles schon mal gesehen!“ hat im Grunde nicht ganz Unrecht. Der Film bedient sich offensichtlich und ungeniert bei Vorbildern der Marke „Saw“ oder „Hostel“ und nimmt sich zu allem Überfluss auch noch eine halbe Stunde (von insgesamt 90 Minuten) Zeit um in Fahrt zu kommen.

Ab diesem Zeitpunkt zieht das Werk die Daumenschrauben aber recht zügig an und konfrontiert seine Betrachter mit der mehr als unglücklichen Ausgangslage seiner Akteure. Was anfangs noch gezwungen modern aufgezogen und via Livestreams des Protagonisten auch dem unaufmerksamsten Zuschauer mundgerecht serviert wird, besinnt sich fortan auf das Wesentliche und punktet mit einer atmosphärisch dichten Szenerie. Cole, der quasi als Spielführer agiert, muss mittels Lösen diverser Rätsel seine Freunde befreien um gemeinsam zu entkommen. Diese handeln, und das ist eine angenehme Überraschung, bis auf vereinzelte Ausnahmen nachvollziehbar und umgehen so das Klischee des dümmlichen Horrorfilm Charakters, der nur allzu gerne im Vollsprint und laut lachend in das Messer läuft.

So schafft es „Follow me“ die Spannung relativ lange aufrecht zu erhalten, auch wenn der Puls des geneigten Beobachters nie in ungesunde Regionen vorzudringen vermag. Dazu fehlt es dem Werk an Durchschlagskraft und am Mut auch mal ordentlich mit dem Farbtopf zu kleckern. Hier und da wird es zwar etwas deftiger, gerade im Vergleich zu bereits erwähnten Klassikern der jüngeren Geschichte ist das aber alles halb so wild. Anstelle von Blut regnet es tendenziell eher seelischen Ballast, macht das Werk doch zwischendurch immer mal wieder einen Schwenk weg vom Horror und hin zum Psychothriller, der sich seinen Weg hinab die Abgründe der menschlichen Psyche bahnt. Wer beispielsweise mit Begriffen wie „Snuff“ oder „Red Room“ etwas anfangen kann, wird nun in etwa erahnen, worauf das Werk Bezug nimmt und warum auch ohne viel Blut ein ungutes Gefühl beim Zusehen mitschwingt. Handwerklich ist das alles im grünen Bereich, und selbst der etwas erahnbare Twist am Ende kann zumindest ein anerkennendes Kopfnicken provozieren.

Fazit

Für sich genommen ist „Follow me“ also gar kein schlechter Film und besticht durch seine Kurzweiligkeit und die exponentiell steigende Spannung. Trotzdem wirkt das Werk letztlich wie eine sichere Aufbereitung bereits existierender Genrewerke, erreicht dabei nie deren Kreativität und beschreitet leider zu selten die jungfräulichen Abzweigungen des hundertfach begangenen Pfades. Gerade erfahrenere Genrefans haben das #allesschonmalgesehen, der Verfasser dieser Zeilen hatte aber trotzdem #einegutezeit bei der Sichtung. Von der Reise nach Moskau rät er aber ab.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

(56/100)

Bilder: ©Capelight Pictures