Es ist Tag 592 nach Beginn der Corona Pandemie. Die Welt liegt in Schutt und Asche, die meisten Menschen sind tot und den anderen geht man lieber aus dem Weg. Ein jeder ist bis auf die Zähne bewaffnet. Könnte einem ja beinahe bekannt vorkommen. Jo eh.

von Christoph Brodnjak

In John Keeyes postapokalyptischem Action Thriller „The Survivalist“ hat die Coronapandemie einen eher noch drastischeren Verlauf genommen. Sarah (Ruby Modine) ist die einzige Überlebende eines Camps für noch nicht Infizierte. Gemeinsam mit ihrem Bruder ist sie auf dem Weg zu dessen Freund, dem FBI-Agenten Ben (Jonathan Rhys Meyers), der gerne an Gespräche mit seinem toten Vater (Julian Sands) zurückdenkt. Dicht auf ihren Fersen ist Aaron (John Malkovich), einer der wenigen oder gar der erste Genesene des Virus und selbsterkorener Kultführer.

Man könnte sich nun denken, dass das alles jetzt nicht sonderlich originell klingt. Und man würde recht haben. Mit genauso viel Mühe dahinter wie hier eben bringt der Film das Publikum up-to-date und wirft uns direkt ins Geschehen. Was folgt ist eine eineinhalbstündige Anreihung an Klischees aus dem Fundus des postapokalyptischen Genres. Eine abgelegene Ranch, das Ende der Zivilisation, herumziehende Banditen, das ferne Versprechen einer Wunderheilung und ein Hoffnungsträger, a Chosen- One sozusagen. Einzig der Ansatz eines Twists dieses Chosen Ones Motivs gegen Ende des Films sticht aus dem Morast an Einfallslosigkeit heraus, kann das Endprodukt aber auch nicht mehr retten.

Dazu ist das Drehbuch zu schwach, zu abgedroschen und auch die Dialoge zu funktional. Anstatt den handelnden Personen irgendwie Leben einzuhauchen oder ihnen eine gewisse Dynamik zu verleihen, sind sie rein dazu da, die Charaktere von Punkt A nach Punkt B zu befördern. Man merkt dem Film in jeder Faser an, dass er mit dem geringsten Budget und minimaler Crew inmitten der Pandemie gedreht wurde. Was man aber nur sehr bedingt als Ausrede gelten lassen kann. Nicht einmal die Schauspieler geben sich große Mühe, aus dem Material doch noch das Beste herauszuholen. Der größte Unterhaltungsfaktor ist vermutlich, dem armen Julian Sands dabei zu zusehen, wie er versucht, seinen amerikanischen Akzent zu behalten. Wobei es sich nicht ganz schlüssig ergibt, inwiefern sein Charakter für den Rest des Films überhaupt relevant ist.

Gegen die häufig auftretenden Action Szenen ist an sich nichts einzuwenden, auch wenn diese nicht gerade weltbewegend sind. Einzige eine klassische Standoff Sequenz ist nicht unspannend, da beide Seiten mit der Tatsache konfrontiert sind, dass ihre Munition nicht unlimitiert ist. Kugeln fliegen aber im Verlauf des Films dennoch genug.

Fazit

Auf irgendeine Weise ist es ja durchaus interessant, wie diese Art von Filmen immer wieder sehr stark einem gewissen Amerikanismus verfallen. Die Betonung von Werten wie Individualismus, Waffennarrentum, Verteidigung von Besitz und Land und generelles Machogehabe scheint ein gängiges Motiv zu sein. Soll ja alles sein, nur wäre es doch auch wünschenswert, wenn der Film auf diesen Motiven auch aufbauen könnte, um zumindest den Eindruck von Kreativität und Originalität zu erwecken. Der alleinige Bezug zu Corona kaschiert die Einfallslosigkeit entgegen aller Hoffnung der Filmemacher aber keineswegs. Ab 25.2. auf DVD / BluRay.

Bewertung

Bewertung: 2 von 10.

(15/100)

Bild: (c) Splendid Film