Um die Tode einiger berühmter Persönlichkeiten ranken sich seit jeher Mysterien. In manchen Fällen werden sogar Verschwörungstheorien aufgestellt. So ist so mancher beispielsweise überzeugt davon, dass Elvis Presley noch am Leben ist. So sei nicht der echte Körper des „King of Rock ’n‘ Roll“ im Sarg aufgebahrt worden, sondern eine Wachsfigur. Auch der frühe Tod von Marilyn Monroe wirft noch heute Fragen auf. Ist sie wirklich an einer Überdosis gestorben? War es Selbstmord? Und was hatten die Kennedys mit der ganzen Sache zu tun?

von Lena Wasserburger

Diesen Fragen sollte der Journalist und Autor Anthony Summers in den 80er Jahren, über zwanzig Jahre nach dem Tod Monroes 1962, erneut auf den Grund gehen. In der Netflix-Dokumentation sind zum ersten Mal, laut Summers, Ausschnitte aus hunderten von Interviews zu hören, die er zu Recherchezwecken geführt hat. Zu Wort kommen enge Vertraute der Hollywood-Ikone, Psychologen und jene Menschen, die gerade in Monroes letzten Monaten, Tagen und Stunden eine bedeutende Rolle gespielt haben. Im Film werden die Interviewten von Schauspielern verkörpert. In einer Mischung aus nachgestellten Interviewszenen, Aufnahmen von Monroe, Filmausschnitten und Aufnahmen der Straßen und Lichter Hollywoods, wird die Geschichte einer Frau erzählt, die weltweit zur Ikone wurde und deren tragischer Tod, fast noch mehr als ihre Schauspielkarriere, ihre Unsterblichkeit in der Popkultur besiegelte.

Mit „Mysterium Marilyn Monroe: Die ungehörten Bänder“ versucht Regisseurin Emma Cooper eine Geschichte, die vielen Menschen bereits in groben Zügen bekannt ist, aus einer neuen Perspektive zu erzählen. Eine essentielle Rolle spielt hierbei Anthony Summers, der als leitende Erzählstimme durch seine Recherche zum Thema führt – und natürlich seine Interviewaufnahmen. Dadurch, dass es sich hier um reine Audioaufnahmen handelt, wurde mithilfe von Schauspielern und Synchronisation zusätzliches Bildmaterial geschaffen. Ein großer Teil von „Mysterium Marilyn Monroe“ besteht somit aus nachgestellten Szenen.

Es ist eine interessante Variante, um die Personen, deren Stimmen zu hören sind und deren Emotionen, visuell darzustellen. Die Tonbandaufnahmen entfalten somit noch einmal eine ganz andere Wirkung. Die Untermalung mit teils düsterer und manchmal fast schon unheilvoller und unheimlicher Musik trägt passend zur Stimmung bei. Dennoch sollte erwähnt werden, dass der Film, trotz seiner Bemühungen, seine Laufzeit von etwa 100 Minuten mit Bildmaterial zu füllen, nach einer Weile Probleme damit hat, visuell spannend zu bleiben. Die alten Interviewclips mit Monroe und Filmausschnitte sind in einer Dokumentation über eine Berühmtheit Standard und im Kontext des Filmes interessant, die Aufnahmen Hollywoods, mal sind es die Straßen, mal die Skyline bei Nacht oder tagsüber, werden allerdings schnell etwas repetitiv und langweilig.

Ebenso bietet der Film, trotz neuer Herangehensweise an das Thema, letztendlich nur wenige neue Erkenntnisse im Fall Marilyn Monroe. Zwar ist Anthony Summers investigative Recherche sehr beeindruckend und beinhält zweifelsfrei Informationen über Monroes Leben, die der Öffentlichkeit so zuvor noch nicht bekannt waren. Jedoch wird im Laufe des Films klar, dass Summers mit seinen Nachforschungen, wie es im investigativen Journalismus eben oft der Fall ist, schließlich in einer Sackgasse landete. Eine bahnbrechende Erkenntnis bezüglich Monroes Todesursache oder eine tatsächliche Aufklärung des Mysteriums bleibt somit aus.

Fazit

Wer sich zuvor schon mit Marilyn Monroe beschäftigt hat, wird in dieser Dokumentation auf wenig Neues stoßen. Der Film eignet sich in dieser Hinsicht gerade für ein Publikum, das sich entweder noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt hat – oder für echte Marilyn Monroe-Fans. „Mysterium Marilyn Monroe: Die ungehörten Bänder“ verfügt über ein interessantes Konzept, ist letztendlich aber nicht unbedingt das Beste, was Netflix im Dokumentarfilm-Genre zu bieten hat. Seit 27.4. auf Netflix.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(69/100)

Bild: (c) Netflix