Regisseur Will Gluck versucht sich in „Wo die Lüge hinfällt“ (Originaltitel: „Anyone but You“) an einer filmischen Neuadaption von Shakespeares „Viel Lärm um nichts“ und besetzt die Hauptfiguren Bea beziehungsweise Ben mit Sydney Sweeney und Glen Powell. Das erweist sich für Gluck als Glück, denn die beiden geben nicht nur ein mehr als ansehnliches Lead-Duo ab, sondern entwickeln auch eine Chemie, die dem Film gut tut. Gut geschriebene und gespielte Dialoge und eine rasante Inszenierung tun ihr übriges, um aus „Wo die Lüge hinfällt“ eine recht gelungene Rom-Com zu machen. Ab 18.1.2024 im Kino.

von Christian Klosz

Der Film schöpft seine Energie vor allem aus dem spannungsreichen Zusammenspiel der beiden Protagonisten: Alles beginnt mit einem zufälligen Treffen in einem Coffee Shop. Bea muss dringend auf die Toilette, die Angestellten verweisen darauf, dass nur Kunden das zusteht. Beas Versuch, durch Erwerb eines Brotlaibs das Obstakel aus dem Weg zu schaffen, scheitert an der meterlangen Schlange, die sich vor der Kasse gebildet hat. Da kommt Ben ins Bild: Ganz Gentleman gibt er – in einer Topposition in der Schlange befindlich – sich als Ehegatte von Bea aus, wodurch sie endlich zu ihrem heißbegehrten Toilettenbesuch kommt.

Ein paar Missgeschicke später landen die beiden in Bens Apartment und verbringen einen magischen Abend, auch ganz ohne Sex. Doch Bea schleicht sich morgens davon, der erzürnte und enttäuschte Sitzengelassene lässt seiner Wut verbal freien Lauf, was die inzwischen zurückgekehrte Bea mit anhören muss – und so endet die Affäre, bevor sie begonnen hat. Bis sie einander 2 Jahre später bei der Hochzeit von Verwandten und Freunden wieder treffen. Um Konflikte zu vermeiden und das Fest nicht durch die tiefe, gegenseitig empfundene Aversion zu stören, spielen Bea und Ben der versammelten Hochzeitsgesellschaft ihre Liebe vor. Doch mit der Zeit und nach vielen Aufs und Abs, Hin und Hers fällt echte Zuneigung und Anziehung an den Platz, wo sich vorher die ausgeklügelte Lüge befunden hatte.

Dass all das unterhaltsam, kurzweilig und überraschend erfrischend daherkommt, liegt nicht unerheblich an der Chemie, die sich zwischen Sydney Sweeney und Glen Powell entwickelt. Insbesondere die wunderbare Sweeney etabliert sich als neue, hinreißende und schön anzusehende Leading-Lady.

Der zweite Hauptfaktor, warum diese Rom-Com funktioniert, sind die gut geschriebenen und espritvollen Dialoge. Insbesondere das verbale Ping-Pong-Spiel zwischen Ben und Bea entpuppt sich als äußerst effektiv und sorgt dafür, dass „Wo die Lüge hinfällt“ stets temporeich bleibt und in keiner Phase langweilt.

Große Innovation oder Originalität darf man von dieser clever umgesetzten Feelgood-Komödie freilich nicht erwarten: Drehbuch und Regie orientieren sich an Genre-Regeln, nehmen das, was bekanntermaßen in solchen Filmen funktioniert und fügen in nur kleinen Dosen Neues hinzu. Das Endergebnis gibt den Machern recht: „Wo die Lüge hinfällt“ ist ein klassisches Filmerlebnis mit der richtigen Prise Frechheit und Erotik.

Fazit

So geht Romantikkomödie. Will Gluck gelingt gemeinsam mit seinem attraktiven Protagonisten-Duo eine solide und unterhaltsame Romantik-Komödie, die sich auf altbewährte Tugenden verlässt: Schauspiel, Dialoge, Witz und die richtige Chemie. Nicht immer muss das Rad neu erfunden werden, um zu laufen.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

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Bild: © 2023 CTMG, Inc / Sony Pictures