Ray Trapani wollte schon immer ein Krimineller sein, schon als Junge, wie er zu Beginn von „Bitconned“ erzählt, und erinnert damit frappant an Henry Hill aus Martin Scorseses Gangster-Epos „GoodFellas“.

Im Jahr 2017, mitten im Bitcoin-Boom, gab es für Entrepreneurs, Start Ups, aber auch Betrüger keinen besseren Ort, ihre „Kunst“ auszuüben, als auf dem Gebiet der Kryptowährungen. Neben seriösen und legalen Anbietern ermöglichte die Tatsache, dass es sich um ein damals weitgehend unreguliertes Betätigungsfeld handelte, unseriösen Anbietern Tür und Tor. Also sprang ergriff auch Trapani seine Chance und sprang sofort auf die Idee eines Freundes an, eine Debitkarte für Kryptowährungen zu erstellen. Es gab nur ein Problem: Sie hatten keine Ahnung, wie das geht. Aber dank gefälschter LinkedIn-Profile, erfundener CEOs, bezahlter Promi-Werbung und der unersättlichen Gier der Krypto-Community, „schnell reich zu werden“, verdiente Centra Tech bald Millionen Dollar am Tag. Bis die Bubble platze.

In der temporeichen, unterhaltsam erzählten Dokumentation von Bryan Storkel (Regisseur von „The Pez Outlaw“) führt Ray in eigenen Erzählungen durch die Höhen und Tiefen seiner Reise durch die Krypto-Welt. Neben ihm kommen ehemalige Wegbegleiter, Freunde und seine Familie (inklusive seines Mafioso-Opas) zu Wort, aber auch der Journalist, der Centra Tech als ersten prominenten Betrugsfall der Krypto-Ära entlarvte. Trapani gibt sich in Momenten scheinbar geläutert, in anderen berichtet er augenzwinkernd und nicht ohne Stolz von seinen Betrügereien, wirkliche Reue lässt sich in seinen Worten kaum ausmachen.

„Bitconned“ ist nicht nur eine weitere, gelungene Netflix-True-Crime-Doku, sondern auch das Porträt einer Welt, die gerade zum Beginn wie ein Mekka für Con-Artists und Kriminelle wirkte. Inzwischen ist die Krypto-Welt um einiges regulierter, Websites weisen auf legale und seriöse Optionen des Krypto-Handels hin und auch Krypto Casinos schießen aus dem Boden.

Wer auf spannende True Crime-Inhalte steht, wird von „Bitconned“ nicht enttäuscht: Der gut 1,5-stündige Film lässt interessierte Zuschauer in eine für viele unbekannte Welt eintauchen, gibt sich als modernes „Gangster-Drama“ über Hybris, Aufstieg und Fall, schildert aber auch die Schattenseiten einer ungezügelten und unregulierten Gier nach Geld. Sehenswert, kurzweilig und unterhaltsam.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(80/100)

Seit Anfang Jänner auf Netflix zu sehen.

Bild: (c) Netflix

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