Der norwegische Indie-Film „Good Boy“ stellt „des Menschen besten Freund“ in ein völlig neues Licht – Regisseur und Drehbuchautor Viljar Boe wagt sich in verstörende Bereiche des Horrors mit einer simplen, aber wirkungsvollen Prämisse. Allerdings fällt die Spannung im Laufe der Geschichte etwas in sich zusammen, wodurch der Streifen nicht ganz halten kann, was er verspricht. Ab heute im Kino (D).

Von Natascha Jurácsik

Christian (Gard Lokke) lebt als Millionenerbe allein in einem großen Haus mit seinem Hund Frank (Nicolai Narvesen Lied) als einzige Gesellschaft – doch Frank ist nicht wirklich ein Hund, sondern ein Mensch in einem Kostüm. Als Christian Sigrid (Katrine Lovise Opstad Fredriksen) über eine Dating-App kennenlernt und sie zu sich einlädt, versucht er ihr zu erklären, dass sein unkonventioneller Begleiter eine schwere Kindheit hatte und das Leben als Vierbeiner bevorzugt. Obwohl Sigrid sich zunächst Mühe gibt, verständnisvoll zu sein, wird ihr schnell klar, dass Christian nicht ganz ehrlich zu ihr ist und die Beziehung der beiden Männer anders aussieht, als zunächst gedacht.

„Good Boy“ beginnt mit einem starken ersten Drittel: Franks Auftreten macht es von Anfang an unmöglich, die Augen von der Leinwand zu nehmen und sorgt für einige höchst unangenehme Momente. Durch die Verwendung eines subtilen, schwarzen Humors zwingen die Szenen mit dem Menschenhund den Zuschauer zu unfreiwilligem Lachen, was die Spannung nur hebt, statt sie zu lösen. Das Zusammenspiel zwischen dem isolierten, kontrollsüchtigen Christian und seinem Mitbewohner ist definitiv das Highlight des gesamten Films.

Die Beziehung zwischen Sigrid und dem Millionenerben ist hingegen etwas trocken und eher nicht überzeugend dargestellt. Das liegt weniger an den Schauspielern und viel eher am Drehbuch, das sich kaum Zeit für ihr Kennenlernen nimmt. Dadurch wirken sämtliche Entscheidungen, die Sigrid trifft, extrem unrealistisch und brechen die Vertiefung des Zuschauers in die Geschichte. Hier hätte man eine bessere Lösung finden können, beispielsweise indem sich die beiden Figuren zu Beginn bereits länger schreiben und schon ein gewissen Grundvertrauen besteht.

Doch hier hören die auktorialen Fehler leider nicht auf, denn so interessant die Prämisse von „Good Boy“ auch ist, kann sie ihr Potenzial nicht ganz ausschöpfen. Nachdem der Twist verrät, was eigentlich hinter Franks und Christians Freundschaft steckt, verliert die Geschichte an Spannung und Originalität. Der Film wird im letzten Akt zu einem vorhersehbaren Thriller, der verzweifelt versucht, durch tollpatschige Einwürfe zu schockieren. Hierdurch verliert Boes Projekt den Status als „verstörend“ und endet recht nichtssagend.

Visuell schafft „Good Boy” das, was jeder durchschnittliche Thriller schaffen sollte, doch mehr auch nicht. Die Kamera nimmt keinen besonderen Status im Erzählen der Narrative ein und dient lediglich der einfachen Vermittlung einzelner Szenen, ohne sich auf eine besondere Perspektive zu fokussieren. Das Set ist ebenfalls gut, aber nichts Außergewöhnliches – die Stärken des Films liegen definitiv bei der Story, trotz des verfehlten Potenzials.

Fazit

Vielversprechend, aber wenig überzeugend – “Good Boy“ kann seiner hochinteressanten Prämisse nicht ganz gerecht werden und verbaut sich einen wirklichen Erfolg mit einem langweiligen Twist. Eine Sichtung ist der Film allerdings allein schon wegen des Anfangs wert, der den Zuschauer trotz eines schwachen Finales noch länger begleiten wird.

Wertung

Bewertung: 5 von 10.

52/100

Bild: (c)  Blue Finch Films Releasing / 24 Bilder