Ende 2025 kam das Sequel zur Trashperle „Anaconda“ aus den 90er-Jahren in die Kinos, an Ostern – genauer gesagt ab 4.4.2026 – ist „Anaconda“ auf Netflix im Stream zu sehen. In dem Meta-Reboot erfüllen sich zwei Männer in der Midlife-Crisis einen Traum, der im Desaster endet.

Kritik von Christian Oehmigen

„Anaconda“, der Abenteuer-Horrorfilm von 1997 mit Jennifer Lopez in der Hauptrolle gilt als einer der schlechtesten Filme des Jahrzehnts – vor allem wegen der miserabel gealterten CGI der damaligen Riesenschlange. Auch das Schauspiel, insbesondere Jon Voights überzeichneter Bösewicht, ist ein Graus. Kein Wunder also, dass der Film bei der Verleihung zur Goldenen Himbeere gleich sechs Nominierungen erhielt, unter anderem als schlechtester Film. (Am Ende “gewann” allerdings „The Postman“ von und mit Kevin Costner.)

Trotzdem war „Anaconda“ ein Kassenschlager und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem Trash-Kultfilm. Grund genug also für Sony, dem Ganzen 2025 ein Reboot zu spendieren, das ebenso heißt: „Anaconda“. Das Besondere: Es soll einen Meta-Ansatz haben. Der Originalfilm existiert auch innerhalb dieses Filmes und die Charaktere beziehen sich darauf. Eine durchaus reizvolle Prämisse. Die Frage ist nur, was daraus gemacht wurde und ob sich eine Sichtung lohnt.

„Anaconda“ (2025): Ein Meta-Reboot ohne Biss

Ronald Griffin (Paul Rudd) ist ein Fernsehschauspieler, dessen beste Zeiten längst hinter ihm liegen. Er schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben, hat aber einen Traum: Seinen Lieblingsfilm „Anaconda“ neu zu verfilmen. Unterstützung sucht er bei seinem langjährigen Freund Doug McCallister (Jack Black), einem Hochzeitsvideografen, der seine große Leidenschaft für den Film teilt.

Lange dauert es nicht, bis sich beide auf den Weg zum Originalschauplatz in Brasilien machen, um ihr Herzensprojekt umzusetzen. Mit dabei sind Ronalds Ex-Freundin Claire (Thandiwe Newton) sowie Kameramann Kenny (Steve Zahn), Dougs liebenswerter, aber oft planloser Kollege. Im Amazonas treffen sie auf Santiago (Selton Mello), der mit seiner trainierten Anaconda für den nötigen Realismus sorgen soll. Doch je tiefer die Gruppe in den Dschungel vordringt, desto klarer wird: Die riesige Anaconda ist keine bloße Filmerfindung.

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Nicht viel Neues im Amazonas

Relativ spät im neuen „Anaconda“ fällt ein Satz, der vieles auf den Punkt bringt. Als von einem Anaconda-Remake die Rede ist, lautet die Antwort: „Sony fällt halt auch nichts Neues mehr ein.“ Tatsächlich wissen die Studios längst, dass Remakes, Sequels und Nostalgie zuverlässig Geld einnehmen. Anders lässt sich kaum erklären, warum ausgerechnet „Anaconda“ (1997) ein weiteres Kapitel bekommt.

Zwar wollte man mit dem neuen Film einen Metaansatz verfolgen, doch genau dieser bleibt erstaunlich unausgereift. Es wirkt, als sei der dem Film nachträglich hinzugefügt worden, ohne echte Konsequenzen für die Handlung. Statt den Remake-Wahn Hollywoods pointiert zu kommentieren oder konsequent mit dem Original zu spielen, wirkt der ganze Film wie ein generischer Abenteuerfilm. Quasi „Jumanji“ (2017) mit Schlangen. Abgesehen von zwei Cameos, die eher beiläufig wirken, gibt es kaum echte Bezugspunkte zum Ursprungsfilm.

Tonfall und Genre unterscheiden sich ebenfalls deutlich: Während sich „Anaconda“ aus 1997 stellenweise zu ernst nahm, ist dieses Reboot klar als Komödie angelegt. Das dürfte manchen Fan des Originals vor den Kopf stoßen. Von Horror ist hier kaum etwas zu spüren, echte Spannung kommt selten auf. Stattdessen richtet sich der Film deutlich an ein familiäres Publikum.

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Und dann wäre da noch das titelgebende Tier. Für einen Anaconda-Film gibt es erstaunlich wenige Szenen mit der Riesenschlange. Das CGI ist natürlich besser als 1997, bleibt jedoch hinter heutigen Erwartungen zurück. Eine Nebengeschichte rund um den illegalen Goldabbau wird angerissen, jedoch nie wirklich vertieft – ein weiteres Beispiel für verschenktes erzählerisches Potenzial.

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Schauspiel zwischen Routine und Selbstkopie

Schauspielerisch bekommt man vor allem Jack Black. Er spielt ähnlich wie in „King Kong“ (2005) die Rolle eines Regisseurs. Damals durfte er noch eine dunklere und ambivalentere Seite zeigen. Davon ist hier nichts mehr übrig. Es scheint, dass sich Black damit abgefunden hat, sich selbst zu spielen. Paul Rudd bleibt ähnlich routiniert, ohne nennenswerte Höhepunkte.

Am meisten profitiert der Film von Steve Zahn, der als überdrehter Kameramann Kenny für die wenigen witzigen Highlights sorgt. Eine Szene gegen Ende dürfte das Publikum allerdings in Humor spalten.

Unterm Strich lohnt sich die Sichtung eher für Fans von Jack Black als für Liebhaber des „Anaconda“-Originals. Was man bekommt, ist vor allem eines: eine weitere Jack-Black-Show.

Fazit

Was zunächst als interessante Metaidee beginnt – den legendären Trashfilm Anaconda neu zu verfilmen –, entpuppt sich schnell als Komödie, die vor allem Jack Black und Paul Rudd in den Vordergrund rückt. Das titelgebende Tier schaut nur sporadisch vorbei, und echte Spannung kommt in „Anaconda“ 2025 kaum auf. Was man als mögliche Kritik oder Satire auf Hollywoods Remake-Wahn lesen könnte, verkommt rasch zu einem zahmen, blutleeren und weitgehend humorfreien Abenteuerfilm, der klar auf Familien mit älteren Kindern abzielt. Fans des Originals werden dabei kaum bis gar nicht berücksichtigt.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

(46/100)

„Anaconda“ (2025) – 25.12.2025 im Kino, seit 23.2.2026 im Heimkino, ab 4.4.2026 auf Netflix.

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Bilder: (c) Sony Pictures