Irgendjemand weiß, was eine Gruppe junger Erwachsener zu verbergen hat, davor gab es einen tödlichen Unfall, einen „Pakt“, zu schweigen. Und ein Jahr später sich türmende Leichen im Küstenstädtchen Southport, aufgeschlitzt durch einen Fischer-Haken: Was sich anhört, wie eine billige Kopie des Teenie-Slashers „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ aus 1997, ist auch genau das. Mit dem Unterschied, dass der neue Film mit dem kreativen Titel „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ eben 2025 spielt. Seit 16.2.2026 auf Netflix zu sehen.
Kritik von Christian Klosz
„Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ (2025): Handlung
Die malerische Küstenstadt Southport, North Carolina – fünf Freunde feiern eine Verlobung und das Wiedersehen: Danica (Madelyn Cline, „Der verlorene Sohn“), Ava (Chase Sui Wonders, „The Studio“), Milo (Jonah Hauer-King), Teddy (Tyriq Withers) und Stevie (Sarah Pidgeon). Nach einer feuchtfröhlichen Nacht rasen sie im Jeep durch die Gegend, doch der überdrehte Teddy verursacht einen fatalen Autounfall: Bei einer Pause turnt er auf der kurvenreichen Küstenstraße herum, ein vorbeifahrendes Auto kommt deshalb vom Weg ab und stürzt über die Klippen in die Tiefe. Aus Furcht vor Konsequenzen vertuschen die 5 die Tat und schließen einen Pakt, das Geheimnis zu wahren.
Ein Jahr später werden sie von einem mysteriösen Stalker in Fischerkleidung, bewaffnet mit einem Haken, verfolgt, der zu wissen scheint, was letzten Sommer passiert ist. Nach der Reihe metzelt er Menschen nieder: Erst den neuen Verlobten von Danica, dann die Flugzeug-Affäre von Ava, zugleich eine True Crime-Podcasterin, die sich mit dem Fall befasst hat. Hinzu kommen mysteriöse Nachrichten und Briefe, auf denen steht: Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast.

Der Gruppe wird endlich klar, dass sie ich ihrer Schuld stellen muss und beginnt zu recherchieren: Die Ereignisse gleichen dem berüchtigten Massaker in Southport aus dem Jahr 1997, was die Freunde dazu bringt, Julie James (Jennifer Love Hewitt) und Ray Bronson (Freddie Prinze Jr.), Überlebende von damals, um Hilfe zu bitten. Während die Fischhakenmorde immer weiter eskalieren, entdecken Danica, Ava und ihre Freunde Hinweise, die den Täter mit ihrer eigenen Geschichte verknüpfen.
„Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ (2025): Kritik
Bei einem Film, dessen Original bereits bestenfalls mittelmäßig und dessen Nachfolger schlicht schlecht waren, stellt sich die Frage: Was bewegt ein Filmstudio dazu, ein Reboot zu produzieren? Ideenlosigkeit? Berechnung? Der Versuch einer Genre-Frischzellenkultur? Letzteres kann man angesichts des Resultats ausschließen, es geht also auch bei „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ – wie zuletzt so oft in Hollywood – um mit finanzieller Kalkulation gepaarte Einfallslosigkeit.
Im Fahrwasser unzähliger später Sequels und Reboots von Erfolgsfilmen aus den 1980ern und 1990ern, die aktuell das Kino beherrschen, manche von ihnen durchaus akzeptabel bis sehenswert (z.B. „Top Gun: Maverick“ oder „Twisters“), wollte Sony dem Teenie-Slasher einen neuen Anstrich verleihen.
Dabei war bereits „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ aus 1997 lediglich eine Variation des damals populären Genres gewesen, das mit mit „Scream“ seinen Höhepunkt erreicht hatte. Die Kontinuität und der Nostalgie-Faktor sollen im Reboot hoch gehalten werden, nicht zuletzt durch die Auftritte von Jennifer Lover Hewitt und Freddie Prinze Jr., die im Original ihren Durchbruch erlebten.
Ein mehr als entbehrlicher Film
Doch jeder Trend überlebt sich irgendwann, und es wäre ja nicht so, dass die US-amerikanische Gegenwart nicht genug Stoff für interessante, anspruchsvolle und auch relevante Stoffe bieten würde. Indes regiert die Oberflächlichkeit, und so spult „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ pflichtbewusst sein Programm ab. Doch das Ergebnis ist so entbehrlich, dass es gut und gerne bei den Fischen landen kann.
Die Figuren sind größtenteils Klischees, abgesehen vielleicht von der von Chase Sui Wonders gespielten Ava, das Drehbuch fühlt sich an, als wurde es von der KI verfasst. Und auch die Auftritte des Fischhaken-Schlitzers bleiben weitgehend spannungsarm und öde.

Die Frage, warum sich jemand diesen Film antun sollte, kann nicht beantwortet werden. Denn er schafft es nie, sich von seinem Vorbild zu lösen und ein eigenständiger Film zu werden, der über eine bloße Kopie hinausgeht und dem „Film-Universum“ irgendetwas Substanzielles hinzufügen würde. So mancher Zuschauer wird sich wünschen, dass sie oder ihn der Fischer von seinem Leid erlösen möge. „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ gilt dann im Juli 2026 auch für die Produzenten dieses entbehrlichen Machwerks…
Fazit
„Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ aus 2025 ist ein entbehrlicher, ganz und gar unnötiger Film, der die Sequel- und Reboot-Wut großer Hollywood-Studios zur (negativen) Spitze treibt. Auch wenn es in den letzten Jahren durchaus sehenswerte Fortsetzungen gab: Hollywood wird sich eine neue Formel überlegen müssen, wenn es relevant bleiben will. Am besten bald.
Bewertung
(27/100)
„Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ lief im Juni 2025 im Kino. Seit 16.2.2026 ist er auf Netflix zu sehen.
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„Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ (2025) – Trailer
Bilder: (c) 2024 CTMG / Sony Pictures
