Die wohl bekannteste Slasher-Reihe geht in die nächste Runde: Bei „Scream 7“ nimmt der Autor früherer Teile, Kevin Williamson, erstmals am Regiestuhl Platz, Neve Campbell kehrt nach ihrer Absenz bei Teil 6 zurück. Funktioniert „Scream“ auch ohne Meta-Ebene als straighter Horrorfilm? Die Antwort gibt’s seit 26.2.2026 im Kino. Bereits am 13.4.2026 wurde der Film zudem als Video-on-Demand veröffentlich.

Kritik von Pascal Ehrlich

Die ersten Scream-Filme haben verstanden, dass das Horrorgenre ein inhärent reflexives Element besitzt. Der Horrorfilm, der mehr über den Affekt als über den Plot funktioniert, verweist deshalb auch immer auf seine eigene Machart. Der Fokus auf die Form markiert deshalb den Horrorfilm als Film und stellt damit seine „Gemachtheit“ aus. Der Horrorfilm ist immersiv und distanzierend zugleich. Parallel dazu ermöglicht die Form auch die Etablierung von Genrekonventionen. Form und Inhalt konstituieren sich gegenseitig.

„Scream“-Filme dekonstruier(t)en das Horror-Genre

Es sind genau jene Tropes, die die Scream-Filme aufzeigen, dekonstruieren und gleichzeitig auch bestätigen. Die Filme oszillieren immer zwischen Kritik und Hommage. Das Problem, mit dem das Franchise über die Zeit unweigerlich konfrontiert wird, ist: Lässt sich das Genre des Slasherhorror unendlich oft dekonstruieren? Kann man unendlich viele Metaebenen aufbauen, um diese dann als solche auszustellen und sich darüber lustig zu machen? Die letzten Teile der Scream-Reihe scheinen zumindest eine Tendenz zu offenbaren: etwas zu platt, ein wenig zu offensichtlich sind die besprochenen Konventionen; zu etabliert ist die Dekonstruktion, so dass sie selbst wieder zur Konstruktion wird.

Der neueste Teil der Reihe – „Scream 7“ – verzichtet nun beinahe völlig auf die Metaebenen und erzählt einen sehr klassischen Horrorfilm, der im Scream-Universum spielt. Im Vergleich zum letzten Teil ist Sidney (Neve Campbell) wieder dabei und dieses Mal ist ihre Tochter (Isabel May) in Gefahr.

Auch wenn „Scream 7“ fast gänzlich auf Metaebenen verzichtet, gibt er sich auffällig zeitgenössisch. Es geht um intergenerationale Traumata, KI und Deepfakes sowie True-Crime-Fankultur. Dass Sidney ihre Tochter vor der Vergangenheit schützen möchte und dass das aufgrund der notwendigen Wiederholung nicht möglich ist, macht die Filmreihe im Kern aus. Es sind Echos von Echos, Figuren die gedoppelt oder getrippelt werden und Orte, zu denen man immer wieder zurückkehrt. Das Filmuniversum besitzt mit der Stab-Reihe eine eigene diegetische Verarbeitung des Plots.

scream 7

„Scream 7“ verzichtet auf „Meta“

Doch von all dem bleibt in „Scream 7“ nicht viel übrig. Die obligatorische Szene, in der die Figuren versammelt und die Konventionen des Horrorfilms erklärt werden, als Bauanleitung des Films für die Figuren und das Publikum, wird schnell abgehandelt. Die Metareferenz, die sich darin ausdrückt, eben keine Metareferenzen zu vermitteln, ist nicht viel mehr als ein schwacher Gag. Selbst das Unheimliche der KI bzw. der Deepfakes, die Charaktere in Untote verwandeln, wird nicht interessant eingesetzt, sondern dient lediglich dem Plotmysterium und der Frage nach dem Mörder hinter der Maske.

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Die spannendste Szene ist sicherlich diejenige, in der Mutter und Tochter via Smartphone kommunizieren. Sidney ist es möglich, per Überwachungskamera Ghostface und ihre Tochter zu sehen und so in das Geschehen einzugreifen – Technologie als Möglichkeit, mit ihrer Tochter die wortwörtliche und metaphorische Entfernung zu überbrücken. Positiv hervorzuheben ist auch, dass „Scream 7“ der blutigste Teil seit langem ist. An Kunstblut, Eingeweiden und ikonischen Morden (Zapfhahn) wird nicht gespart!

Fazit

Ist der Verzicht auf die Metaebenen Zurückhaltung oder ein konservativer Rückschritt? „Scream 7“ scheint die Frage „Wie geht es weiter nach der Postmoderne?“ mit einem Schritt zurück zu beantworten. Es ist ohne Frage ein solider Horrorfilm, aber ist die einzige Antwort auf das Ende der Metaebenen der Rückgriff auf schon Altbekanntes? Gerade von einer Reihe wie Scream, die gleichermaßen verspielt und innovativ begonnen hat, darf und sollte man sich auch etwas mehr erwarten.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(60/100)

„Scream 7“ ist seit 26.6.2026 im Kino und seit 13.4.3026 im Heimkino (als VOD) zu sehen.

Kritik zum Vorgänger „Scream VI“

Bilder: (c) Paramount Pictures

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