Nach dem Erfolg von „Talk To Me“ (Kritik), kehren die Brüder Danny und Michael Philippou mit ihrem zweiten Film zurück: „Bring Her Back“ wirbt mit altbekannten Stars wie Sally Hawkins („The Shape of Water“, „Wonka“) und Nachwuchstalenten. Und das neue Projekt der australischen Jungregisseure kann nicht nur mit den Erwartungen der Fans mithalten – es übertrifft sie sogar. Ab 16. Februar 2026 ist der Horror-Schocker nun auf Netflix zu sehen.

Kritik von Natascha Jurácsik

Die Geschwister Andy und Piper verlieren auf tragische Weise ihren Vater und fallen somit in die Verantwortung des Staates, bis Andy in einigen Monaten volljährig ist. Als Laura (Sally Hawkins) sich bereiterklärt, als vorübergehende Pflegemutter beide bei sich zu Hause aufzunehmen, scheint zunächst alles gut zu laufen. Doch das merkwürdige Verhalten des andere Pflegekindes Oliver und Lauras offensichtliche Trauer um ihre verstorbene Tochter Cathy eskalieren mit der Zeit, bis Andy und Piper einsehen müssen, dass sie in Gefahr sind.

„Bring her back“: Ein bemerkenswert selbstbewusster Zweitfilm

Obwohl „Bring her back“ erst ihr zweiter Spielfilm ist, beweisen die Philippous ein bemerkenswertes Selbstbewusstsein, was ihre künstlerische Vision betrifft, eine sowohl ästhetische als auch narrative Sicherheit, die man gewöhnlich eher von erfahreneren Regisseuren erwartet. Das Set – beinah kammerspielartig – zeugt von großer Aufmerksamkeit für Details und macht die Figuren und ihre Umgebung greifbar.

Die Kamera dient in „Bring her back“ als erzählerisches und stilistisches Werkzeug: Detailaufnahmen, langsame Kamerafahrten und vorsichtig inszenierte Einstellungen vermitteln ein Gefühl von Intimität, das mal berührend und mal bewusst unangenehm ist. Auch die Musik und das clevere Sounddesign werden nach diesem gleichen Prinzip eingesetzt und tragen zur subjektiven Perspektive der einzelnen Szenen bei. Das Innenleben der Charaktere wird hiermit auf mehreren Sinnesebenen vermittelt und übergreifende Themen und Symbole unterstrichen.

Dies wird auch durch die hervorragende schauspielerische Leistung der Darsteller unterstützt – der Cast scheint nicht ein schwaches Glied zu haben und besonders Sora Wong (Piper) beeindruckt angesichts der Tatsache, dass dies ihre erste Rolle überhaupt ist. Natürlich sollte man an dieser Stelle erwähnen, dass das Drehbuch der Philippou-Brüder mit gelungenen Dialogen die Arbeit des Casts erheblich erleichtert.

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Kein Drehbuch ohne Schwächen…

Eine Schwachstelle hat das Skript von „Bring her back“ allerdings doch: Trotz eines sehr starken ersten und gelungenen dritten Aktes kriecht der zweite etwas schleppend dahin und verliert einen Teil der Spannung, die bis dahin aufgebaut wurde. An manchen Stellen wirkt die Handlung ein wenig verloren und eintönig. Hier hätte man eventuell eine klarere Struktur oder erkennbarere narrative Intention einführen können. Allerdings macht das Drehbuch vieles wieder damit gut, dass es den Zuschauer nicht unterschätzt und auch keine Angst hat, einige Fragen unbeantwortet zu lassen, wodurch das Werk tollpatschigen Expositionsmonologen Großteils aus dem Weg geht.

Bring her back 2025 film
„Bring her back“ mit Sally Hawkins

Eine eindeutige Stärke hingegen sind – wie schon bei „Talk To Me“ – die praktischen Effekte. CGI kommt kaum zum Einsatz und jede Wunde sieht auch in „Bring her back“ absolut überzeugend realistisch aus, ganz unabhängig von der Größe oder wie genau die Kamera draufgehalten wird. Dabei scheut der Film definitiv nicht vor Brutalität zurück, doch statt einer exhibitionistischen Blutlust, wie sie in Exploitation-Horror üblich ist, setzen diese Schockmomente hier eher auf die physische Repräsentation des Leids, welches mit Trauer, Verlust und schwierigen Familienverhältnissen einhergeht.

Fazit

Für die Zukunft des Horrorgenres gibt es Hoffnung: Die Philippou-Brüder beweisen mit „Bring her back“, dass sie keineswegs ein One-Hit-Wonder sind und sich sogar noch in ihrer Kunst steigern können. Der Film ist für Genre-Fans ein absolutes Muss und wird auch kritische Zuschauer nicht enttäuschen. Zuschauer mit empfindlichem Magen sollten sich jedoch zweimal überlegen, ob sie sich vor die Leinwand oder den Bildschirm trauen.

Bewertung

Bewertung: 8 von 10.

(80/100)

„Bring her back“ (2025) – ab 14.8.2025 im Kino. Ab 16.2.2026 auf Netflix.

Mehr zum Film (Cast, Bewertungen) auf der IMDb-Seite oder Rotten Tomatoes

„Bring her back“ (2025) – Trailer

Bilder: (c) A24 / Sony