Der True-Crime-Hype nimmt kein Ende und so beteiligt sich auch Netflix weiterhin am Erfolg grausiger Dokumentation. Im Fokus dieser neuen, 3-teiligen Doku-Serie von Regisseur Daniel Dewsbury steht ein britisches Ehepaar, das jede toxische Beziehung alt aussehen lässt. Dem Publikum gefällt’s: „Fred und Rose West: Eine britische Horror-Story“ liegt seit Tagen unter den Top 3 der Netflix-Serien-Charts.
von Natascha Jurácsik
Gloucester in England ist Anfang der 1990er Jahre für nicht viel bekannt, doch diese kleinstädtische Anonymität nimmt auf schauderhafte Art ein abruptes Ende, nachdem eine Gruppe von Kindern Schauderhaftes behauptet: Dass ihre Eltern bei schlechtem Benehmen ihnen damit drohen, dort zu landen, wo auch ihre ältere Schwester Heather endete – unter der Veranda. Kurz darauf deckt die Polizei eine Mordserie auf, die das Ehepaar Fred und Rose West zu den Protagonisten einer der berüchtigtsten Fälle der britischen Kriminalgeschichte machen.
Wie die meisten Netflix-Produktionen dieser Art besteht auch diese aus mehreren, fast einstündigen Teilen, was selten gerechtfertigt ist – so auch leider in diesem Beispiel, denn trotz der interessanten Story geht „Fred und Rose West“ bei Folge zwei von dreien langsam die Puste aus. Langatmige Darstellungen bestimmter Szenen und unnötige Wiederholungen ziehen die Doku im Schneckentempo in die Länge, worunter die Spannung zwischendurch leidet. Ein neunzigminütiger Film hätte durchaus gereicht, um den Fall überzeugend auszubreiten.
Das einzige Argument für die Aufteilung der Doku-Serie ist der Fokus, der mit jeder Folge auf jeweils unterschiedlichen Elementen liegt und das Geschehene aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Allerdings führt auch dies zu häufigen Wiederholungen und resultiert in einer verwirrenden Chronologie, die zwischen mehreren Schlüsselmomenten hin und her springt und den Handlungsfaden ab und zu verliert.
Eine Stärke von „Fred und Rose West: Eine britische Horror-Story“ ist dafür der Zugang zum Fall: Es werden vor allem außenstehende Perspektiven wie von Journalisten und der Polizei hervorgehoben, die an einzelnen Stellen mit Originalaufnahmen kontrastiert werden, in denen die Täter selbst zu Wort kommen. Hierdurch fällt dem Zuschauer das Versinken in die blutigen Einzelheiten etwas leichter und man kann sich gut auf die Geschichte einlassen. Allerdings kommen die Opfer dabei etwas zu kurz – gerade den Kindern, die den gesamten Prozess erst in die Wege leiteten, hätte man eine präsentere Stimme verleihen können, aber stattdessen kommen sie fast nur als Fußnote im Verbrechen ihrer Eltern vor.
Im Grunde ist das Projekt ein weiteres Beispiel einer durchschnittlichen Netflix-Doku: Eine uninspirierte, teils inkonsistente Ästhetik, eine viel zu lange Spielzeit und melodramatische Musik, die von ominösen Streicher-Passagen bis zu melancholischen Klaviernummern reicht, nehmen dem Ganzen die Qualität, die der Story eigentlich gebührt. Doch faszinierende Einzelinterviews mit umfangreichen Einblicken retten die Serie teils.
Fazit
Nicht wirklich gut, nicht wirklich schlecht – Netflix eben. „Fred und Rose West“ reiht sich ein unter die True-Crime-Dokus des Streaming-Anbieters, die man sich als Fan morbider Inhalte durchaus ansehen kann, dabei jedoch keine herausragende Qualität erwarten sollte. Mit einem deutlichen Spannungsproblem trotz interessanter Interviews ist die Mini-Serie, wie viele andere ihrer Art ganz okay. Aber eben nicht mehr.
Bewertung
(55/100)
Jetzt auf Netflix zu streamen.
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Bild: (c) Netflix
