Der erfolgreiche Youtuber Markiplier – auch bekannt als Mark Fischbach – beweist, dass Indie-Kino noch nicht ganz untergegangen ist: Nachdem der zunächst bescheidene Plan zur Veröffentlichung des von Fischbach selbst-finanzierten Films „Iron Lung“ von 60 US-amerikanischen Kinos auf über 4000 weltweit ausbreitete, darf sich das Projekt über einen massiven finanziellen Erfolg freuen (bisher 37 Mio $). Einen neuen Weltrekord für die größte verwendete Menge an Kunstblut gab es noch gleich obendrauf, womit er den bisherigen Rekordhalter „Evil Dead“ (2013) von Fede Alvarez entthront. Nun ist „Iron Lung“ auch bei uns in ausgewählten Kinos zu sehen.
Kritik von Natascha Jurácsik
In einer weit entfernten Zukunft sorgt ein kosmisches Ereignis bekannt als „The Quiet Rapture“ für den Untergang der Zivilisation so wie wir sie kennen. Simon (Mark Fischbach) wird als verurteilter Straftäter für eine Erkundungsmission auf einem Mond rekrutiert, der von einem Meer aus Blut bedeckt ist. In ein klappriges U-Boot mit dem Spitznamen „Iron Lung“ eingeschweißt, muss er Bildaufnahmen von allem anfertigen, was ihm in der Tiefe so begegnet.
„Iron Lung“: Ein Film von Fans für Fans
Wer das Indie-Videospiel, auf dem das Projekt basiert, kennt, dürfte einem Verfilmungsversuch etwas skeptisch gegenüberstehen, denn als minimalistisch gestaltetes Kammerspiel eignet sich die Geschichte normalerweise nicht für einen Horrorfilm. Hoffnung macht natürlich, dass der Mann hinter dem Spiel, David Szymanski, an der Produktion beteiligt war, aber dennoch ist es eine Herausforderung, ein Medium, das von der Interaktivität und aktiven Beteiligung des Spielers lebt, für ein passiveres Filmpublikum zu adaptieren. Dabei hilft auch nicht, dass Videospiel-Verfilmungen weder bei Kritikern noch bei Fans wirklich beliebt sind – Ausnahmen wie die „Fallout“-Serie sind selten.
Ist der bisherige kommerzielle Erfolg von „Iron Lung“ also hauptsächlich der Popularität von Markipliers Youtube-Channel zu verdanken? Immerhin hat dieser fast 40 Millionen Abonnenten. Aber das zu behaupten wäre dann doch unfair, auch wenn seine online-Reichweite definitiv nicht geschadet hat.
Der eigentliche Schlüssel ist wohl eher die spürbare Begeisterung, die Fischbach für das Original aufbringt. „Iron Lung“ ist eindeutig ein Herzensprojekt, dessen Leidenschaft in jedem Detail erkennbar ist – ein Film von Fans für Fans eben.

Brillante Wirkung praktischer Effekte
Zunächst einmal ist die Qualität des Sets und der praktischen Effekte auffallend stark, vor allem für eine Indie-Produktion – oder vielleicht gerade deswegen? Statt sich, wie viele der großen Studios, auf CGI zu verlassen, macht sich Fischbach hier ordentlich die Hände schmutzig. Das Innere des U-Boots wurde auf einer Plattform nachgebaut, auf der sich der Youtuber hat hin und her schleudern lassen, wie bei einem Rodeo. Die wenigen Computer-Effekte sind gut gemacht, bleiben aber im Hintergrund und überschatten die brillante Wirkung der praktischen SFX nicht.
Die Ästhetik des Spiels „Iron Lung“ wird hierbei fast exakt aufgegriffen und mit viel Auge für Details umgesetzt. Doch statt dem zwar ikonischen, aber für die Leinwand und Bildschirme zu statischen First-Person-POV treu zu bleiben, entscheidet sich Fischbach dafür, die Kamera wesentlich dynamischer einzusetzen als im Original üblich. Eine hervorragende Methode, um die Passivität eines Filmzuschauers nicht zu einem Vehikel für Langeweile mutieren zu lassen.
Klaustrophobischer Horror und tragische Schönheit
Die Kamera gestaltet die Atmosphäre aktiv mit und wird sogar zu einem narrativen Mittel, statt nur als stiller Beobachter zu fungieren. Hierdurch hat das Publikum trotzdem noch das Gefühl, ganz in die Handlung einbezogen zu werden, auch ohne Tastatur oder Controller. Zusätzlich werden durch Licht, Komposition und Bewegung Einstellungen geschaffen, die den klaustrophobischen Horror mit einer Art tragischen Schönheit kombinieren – ein echter Augenschmaus.
Auch die Musik trägt so einiges zum Filmerlebnis bei – Videospiel-Komponist Andrew Hulshult bringt sein ganzes Wissen mit ans Set und unterstreicht den Ton jeder Szene gelungen. Lob verdient auch Fischbach für seine schauspielerische Leistung: Solch intime Kammerspiele wie „Iron Lung“ eins ist sind auch für erfahrene Darsteller eine Herausforderung und Fischbach schlägt sich als Amateur sehr gut. Ebenso tragen seine Co-Stars, die auf ihre Stimme reduziert sind, dazu bei, die emotionale Ebene Handlung zu vermitteln. Academy Awards wird’s wohl keine geben – aber das heißt im Grunde ja nicht viel.

Wiederholungen und Füllszenen: Das Problem mit der Länge
Eine Schwäche von „Iron Lung“ ist allerdings die Länge: Die zwei Stunden Laufzeit sind definitiv zu viel, vor allem wenn man bedenkt, dass man das Original in ca. 1-1.5 Stunden durch hat. So gelungen die Optik und das Drehbuch auch sind, sollte der Film nicht mehr als 90 Minuten brauchen, um seine Geschichte zu erzählen, denn darüber hinaus läuft er Gefahr, die Aufmerksamkeit des Publikums zu verlieren. Das Skript und der Handlungsaufbau sind definitiv stimmig, mit guten Dialogen, einer interessanten Story und nur so viel mitgeteilte Informationen, dass der Zuschauer sich ein Bild von allem machen kann, ohne dabei den Lovecraft’sche, mystischen Horror zu kompromittieren, aber letztendlich ist „Iron Lung“ von einigen Wiederholungen und Füllszenen geplagt.
Auch das Editing wirkt an manchen Stellen etwas tollpatschig, mit ein paar Kontinuitätsfehlern, unnötigen Momenten und zu vielen Schnitten. Zwar zieht das die Gesamtqualität nur bedingt runter, aber trotzdem hätten man hier mit etwas mehr Bedacht arbeiten können.
Fazit
Indie-Kino á la Youtube – Markiplier nutzt seine Ressourcen, um den großen Filmstudios zu zeigen, was Horrorfans wirklich sehen wollen: Praktische Effekte, originelle Geschichten und Mut zur Abwegigkeit. Trotz einiger Schwächen ist „Iron Lung“ eine der besten Videospiel-Verfilmungen der letzten Jahre und schon jetzt ein Cult Classic. Der Beweis, dass riesige Budgets echte Leidenschaft eben nicht ersetzen können.
Bewertung
(72/100)
„Iron Lung“ startete am 30.1.2026 in den Kinos. Der Film ist auch in Deutschland und Österreich in ausgewählten Kinos zu sehen, in Wien aktuell unter anderem im Filmcasino (Termin 13.2. / 20.2.) und im Haydn Kino (13.2.), in Berlin z.B. in den Cineplex-Kinos.
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Bilder: (c) Markiplier Studios

Das Spiel kenne ich nicht aber den Namen werde ich mir mal merken. Vielleicht taucht der irgendwann mal wirgendwo auf.