Als 2024 Osgood Perkins‘ „Longlegs“ in unseren Kinos startete, begleitete ihn ein Hype, den er aus den USA mitbrachte: Vom „besten Horrorfilm des Jahres“ war da die Rede. Oder gleich vom besten des Jahrzehnts. Auch bei uns löste der Film einiges an Begeisterung aus. Seit 8.2.2026 ist er nun auch bei Netflix zu sehen, begleitet von marktschreierischen Berichten der Filmmedien-Konkurrenz: „Grausigster Film des Jahrzehnts“ und so weiter. Doch der Hype um „Longlegs“ ist in keiner Weise gerechtfertigt.

Kritik von Christian Klosz

Perkins (Sohn von „Psycho“-Darsteller Anthony Perkins), der auch das Drehbuch schrieb, kupfert in seinem Werk recht schamlos von Genre-Größen ab: In den 1990ern, wo „Longlegs“ spielt, treibt ein mysteriöser Serientäter sein Unwesen in Oregon, ganze Familien werden von ihm ausgelöscht. Die junge, etwas eigenwillige FBI-Agentin Lee Harker (Maika Monroe) heftet sich an seine Fersen und soll den Täter fassen – auf den ersten Blick erkennbares Vorbild: Clarice Starling (Jodie Foster) in „Das Schweigen der Lämmer“.

„Longlegs“: Ein überschätzter Film ohne Substanz

Beim Täter handelt es sich um einen irren älteren Mann mit langen, weißen Haaren (Nicolas Cage), mit bizarrem Auftreten und eigenwilligem Sprachduktus, der andere scheinbar dazu bringt, seine Morde auszuführen. Das FBI und Harker versuchen nun zu ergründen, wie ihm das gelingt – Vorbild: „Sieben“. Dazu kommt noch etwas Okkultismus und Satanismus, und fertig ist der Instant-Horrormix.

Auch wenn „Longlegs“ kein Totalreinfall ist, liegt das Problem im Detail: Die Geschichte wirkt nie originell und originär, sondern immer wie die Kopie anderer Filme – und damit entsprechend substanzlos und eklektizistisch. Das selbe Manko hatte sich schon in Perkins‘ Vorgänger, der feministischen Grimm-Märchen-Adaption „Gretel und Hänsel“, gezeigt: Der Regisseur folgt bedingungslos dem Ideal „Style over Substance“.

Für den durchschnittlichen Horrorfan hat „Longlegs“ schon einiges zu bieten. Und gerade in den ersten zwei Dritteln gelingt dem Regisseur auch ein gekonnter Spannungsaufbau. Die finale Konfrontation zwischen dem Bösewicht und seiner Jägerin ist dann aber doch irgendwie enttäuschend. Nicolas Cage legt zwar einen seiner bekannten Over-the-top-Overacting-Auftritte hin, seine Fans werden ihn dafür feiern. Doch insgesamt ist die vorhersehbare „Auflösung“ des Falles auch eher mau.

Kritik zu „The Monkey“ von Osgood Perkins

Fazit

So ist „Longlegs“ zwar ein halbwegs solider Horror-Thriller geworden, der die Checkliste des Genres gewissenhaft abarbeitet. Aber eben auch eine recht schamlose Kopie ist, die am Ende seltsam oberflächlich, wenig greifbar und leer wirkt. Gemessen an der immensen Erwartungshaltung und den Lobeshymnen ist das eine Enttäuschung.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

(47/100)

„Longlegs“: Seit 8. Februar 2026 auf Netflix.

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Bild: (c) ConstantinFilm/NEON