Die Kurzgeschichte “The Monkey”, die von Stephen King bereits 1980 veröffentlicht wurde, ist eine düstere und atmosphärisch dichte Erzählung über die Unmöglichkeit, der Vergangenheit zu entfliehen. Osgood Perkins’ neuer Film gleichen Titels ist eine Adaption dieser Kurzgeschichte, in der nach wie vor ein gewisser Hal (Theo James, Christian Convery) im Zentrum steht. Anfangs noch ein Kind, wird der Junge abwechselnd von seinem Zwillingsbruder Bill und seinen Mitschüler*innen drangsaliert und regelrecht gequält.

von Richard Potrykus

Eines Tages finden er und sein Bruder einen aufziehbaren Spielzeugaffen mit einer Trommel. Schnell wird klar, dass jedes Mal, wenn das Getriebe des Affen aufgezogen wird, ein seltsamer Todesfall geschieht, und so versucht Hal, das mörderische Spielzeug zu zerstören. Als dies jedoch misslingt, raufen sich die beiden Jungen zusammen und versenken den Affen in einem tiefen Brunnen, in der Hoffnung, nie wieder mit dem Objekt konfrontiert zu werden.

Jahrzehnte später führt Hal ein weitgehend isoliertes Leben. Obwohl er einen Sohn namens Petey (Colin O’Brien) hat, den er liebt, sucht er nur einmal jährlich dessen Nähe, um ihn vor einer etwaigen Rückkehr des Affen zu schützen. Schließlich erscheint der Affe in der Tat wieder. Erneut geschehen schreckliche Dinge und werden die Verhältnisse zwischen Hal, Petey und Hals Zwillingsbruder auf eine ultimative Probe gestellt.

Soweit, so ähnlich, doch anstelle die ursprünglichen Events vom Medium Buch in das Medium zu verlagern und damit die gleiche Geschichte zu erzählen, versetzt der Regisseur und Drehbuchautor der ganzen Angelegenheit einen Twist und macht so aus der reinen Literaturverfilmung eine echte Adaption. Aus dem Jungen Hal werden die Zwillinge Hal und Bill, der Zimbeln schlagende Affe erhält eine Trommel und eine damit einhergehende Zirkusmusik und die dichte Atmosphäre weicht schwarzem Humor und ordentlich viel Blut.

Unmittelbar nach dem ersten Todesfall lehrt Lois (Tatiana Maslany), die Mutter von Hal und Bill, die beiden Jungs, der Tod wäre schlicht unausweichlich. “Everybody dies“, sagt sie, frei von jeder Empathie. “Some of us peacefully and in our sleep, and some of us… horribly. And that’s life.” Von da an ist der Film eine reine Farce, die so manchen Menschen im Publikum an die “Final Destination”-Reihe erinnern dürfte.

Perkins verschiebt so gekonnt den Fokus von der Vergangenheitsbewältigung hin zur zukünftigen allgemeinen Sterblichkeit. Dem Tod ins Gesicht zu lachen, heißt die Devise. Es ist eine existentialistische Unausweichlichkeit, die Perkins zur Grundlage seines Films macht und dazu führt, dass man das Dahinscheiden nicht länger ernst nehmen kann. “And that’s life” sagt die Mutter und “like life” ist auf der Schachtel zu lesen, in der die Kinder den mörderischen Affen finden.

Und so kann “The Monkey” eine erheiternde Stellvertreterrolle übernehmen, jene Funktion, die schon immer von Theaterstücken und Filmen übernommen werden konnte, um dem Publikum die Möglichkeit zu geben, sich von Sorgen loszulösen. Indem man etwas auf der Bühne oder Leinwand sieht, so die Theorie, kann man sich davon freimachen. Darauf aufbauend kann all das sinnlose Leid auf der Leinwand zur Folge haben, dass man entspannter durch das eigene Leben geht, und je skurriler die Todesfälle inszeniert werden, desto größer die Entspannung, wenn das echte Leben mit Situationen aufwartet, deren Sinn und Notwendigkeit sich einfach nicht erschließen.

Die Zeit zwischen den Todesfällen füllt Perkins mit so etwas Ähnlichem wie Dramaturgie und das ist sehr schade, denn nach der Eröffnung des Films in 1A-Exploitation-Manier, schneiden die zwischenmenschlichen Handlungen unterdurchschnittlich ab und erlangen im Verlauf des Films immer mehr Gewicht, was zu Lasten der Todesfälle geht. Zwar zahlt die Handlung auf die bereits erwähnte Unausweichlichkeit ein und zeigt auch die Verzweiflung Hals im Angesicht dessen, was ihn und seinen Sohn erwarten könnte, doch bricht Perkins dabei jedes Mal mit der Dynamik des Films und lässt sich hier einfach zu viel Zeit. Auch die eine oder andere Rückblende hätte es nicht gebraucht, wenn man bedenkt, dass es eine Reihe tragischer Vorfälle gibt, die in einer Montage kurzerhand abgefrühstückt werden und stattdessen ausführlich hätten behandelt werden können.

Fazit

Alles in allem ist “The Monkey” ein einfallsreicher Spaß für zwischendurch, der nicht mit Splattereffekten geizt und mit 98 Minuten auch angenehm kurz ist. Leider kommen die Todessequenzen etwas kurz und wird den Figuren zu viel Raum gegeben, in denen viel erklärt, aber wenig entwickelt wird. Somit ist “The Monkey” kein Film für die Ewigkeit, aber durchaus geeignet als Einstieg oder Intermezzo für einen Horrorfilm-Abend.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(62/100)

„The Monkey“ startet heute im Kino.

Bild: (c) Ascot Elite Entertainment Group / The Monkey (Neon)