Tom Cruise rettet die Welt. Wieder einmal. Wobei: Diesmal nur halb, denn „Mission: Impossible – Dead Reckoning“ wurde in 2 Parts gesplittet, auch wenn man den Nachfolger später „The Final Reckoning“ nannte. Seit 10.2.2026 ist der Film nun auch auf Netflix zu sehen.

Kritik von Christian Klosz

Teils begeisterte Kritiken begleiteten den Kino-Release des neuen M:I – Films: Vom „letzten Kinostar Tom Cruise“ war da die Rede, und davon, dass er nach 2022 mit „Top Gun: Maverick“ erneut das immer weiter in der (kreativen) Krise versinkende Hollywood – und das Kino gleich mit – retten würde. Während „Dead Reckoning“ bestimmt die Pflicht erfüllt, ist der Film aber von der durchschlagenden immersiven Kraft des Top Gun-Sequels meilenweit entfernt.

„Dead Reckoning“ fehlt Herz und Seele

Die Probleme sind ähnliche wie bei den beiden, ebenfalls von Christopher McQuarrie inszenierten Vorgängern „Rogue Nation“ und „Fallout“: Kaltes, technisch einwandfreies, Großteils handgemachtes Actionkino ohne Herz und Seele. Wenn man nun den Unterschied zwischen Cruises letztjähriger Kinorettungsmission und der diesjährigen ausmachen müsste, wäre es dieser: Die fehlende Emotion.

Denn technisch hoher Aufwand und einwandfreies Handwerk wirken und übertragen sich nur dann auf das Publikum, wenn sie mitreißen, wenn es möglich wird, sich mit den Figuren, ihren Motiven und ihren Problemen zumindest auf irgendeine Art und Weise zu identifizieren. Und genau das bleibt in „Mission: Impossible – Dead Reckoning“ schlicht unmöglich. Nicht, weil die Situationen, in denen sich die Protagonisten wiederfinden, derart impossible wären. Sondern vielmehr, weil diese allesamt keine Gefühle zu haben scheinen. Und wenn doch, diese nicht zeigen.

Das ist umso bemerkenswerter, da Simon Pegg im Interview ausführlich genau darüber sprach – dass Actionkino ohne Charaktere und deren Geschichten nicht funktionieren würde. Diese These bestätigt nun sein eigener Film, der Actionsequenzen aneinanderreiht, die zwar auf höchstem Niveau umgesetzt wurden (atemberaubend: Tom Cruises Sprung mit dem Motorrad von der Bergklippe in den österreichischen Alpen), aber seltsam blutleer und spannungsarm daherkommen (ein weiterer Unterschied zu „Maverick“, aber auch zu Netflix‘ „Tyler Rake: Extraction 2“). Unterbrochen werden die oft von zu langen, ausschweifenden und schließlich langweiligen Dialogen. Charakterentwicklung oder Emotion sucht man vergeblich.

Dramaturgische Kälte

Diese dramaturgische Kälte schlägt sich auch in der eigentlichen Geschichte nieder, die der 7. „Mission: Impossible“-Film erzählt – und die überraschend unterkomplex daherkommt: Eine künstliche Intelligenz hat ein Eigenleben entwickelt und begonnen, weltweit politische und andere Institutionen zu infiltrieren. Ein geheimer Schlüssel soll dem Besitzer die Möglichkeit geben, Kontrolle über die KI zu bekommen – und damit die Welt zu kontrollieren. Ethan Hunt (Cruise) und seine Crew werden nun beauftragt, die beiden Teile dieses Schlüssels zu finden – um die KI zu zerstören.

Abgesehen von Bösewicht „Gabriel“, der auf irgendeine Weise mit der KI verbunden ist, in ihrem Auftrag handelt und den ein traumatisches Ereignis aus der Vergangenheit mit Ethan verbindet, hat der Antagonist in „Dead Reckoning“ kein menschliches Antlitz. Der Gegner ist eine gesichtslose Entität, deren Macht die Weltordnung bedroht. Erinnerungen an Kubricks HAL in „2001“ werden wach, aber den Vergleich verliert die „Entität“ um Lichtjahre.

Ist nun also alles schlecht an „Mission: Impossible – Dead Reckoning“? Natürlich nicht. Wer „Rogue Nation“ und „Fallout“ mochte, wird vermutlich auch mit diesem Film seine Freude haben. Rein technisch und handwerklich betrachtet ist das großartig gemachte Actionfilm-Kunst, die nicht zuletzt dadurch wirkt, dass vieles handgemacht ist, Tom Cruise seine Stunts immer noch selbst macht – und man das dann auch merkt. Das Engagement, den Blockbuster-Film in die Post-Kino-Ära hinüber zu retten, kann man Cruise und McQuarrie keinesfalls absprechen. Wer Wert auf Unterhaltung als Bewegung auf dem Bildschirm legt wird auch diese hier finden. Von der verspielten Brillanz von Brian de Palmas „Mission: Impossible“ oder Brad Birds „Phantom Protokoll“ ist aber auch „Dead Reckoning“ – wie seine beiden Vorgänger – weit entfernt.

Fazit

Für sich genommen ist „Mission: Impossible – Dead Reckoning“ ein solider Actionfilm, der mit einigen atemberaubenden Szenen aufwarten kann, aber zu lang geraten ist. Gemessen an der Erwartungshaltung und den teils überschwänglichen Reaktionen ist der Film eine Enttäuschung, da es ihm nicht gelingt, die Konflikte und (über)menschlichen Herausforderungen, mit denen seine Protagonisten konfrontiert sind, emotional zu vermitteln. Technisch einwandfreies Actionkino – ohne Herz und ohne Seele.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

(64/100)

Warum der 2. Teil des M:I-Finales um Längen besser ist als „Dead Reckoning“ könnt ihr in unserer Kritik zu „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ nachlesen!

Bilder: © 2023 Paramount Pictures

Info: Aktualisierter Artikel aus dem Jahr 2023