Tom Cruise darf wieder einmal die Welt retten: Am 21.5.2025 startete der actionlastige Agenten-Thriller „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ als (vorerst) letzter Teil der Filmreihe in unseren Kinos, nun ist er auch als Video-on-Demand, auf Disc und auf Paramount+ zu sehen. Warum der Film überzeugt und ein würdiger Abschluss ist, könnt ihr in unserer Kritik lesen.
von Richard Potrykus
Der vorherige Teil der Reihe, “Mission: Impossible – Dead Reckoning”, war trotz des zu Marketingzwecken ausgeschlachteten Motorradstunts kein sonderlicher Erfolg. Er war im Sommer 2023 nur zwei Wochen vor Barbenheimer in die Kinos gekommen (in Deutschland und Österreich sogar nur eine Woche vorher) und hatte sich zudem mit “Indiana Jones und das Rad des Schicksals” herumschlagen müssen. Der Film war zudem unnötig zäh und irgendwie langweilig.
Um das Ruder wieder herumzureißen und die ansonsten atemberaubende Reihe zu einem (vorerst) würdevollen Abschluss zu bringen, muss der neue Film “Mission: Impossible – The Final Reckoning” also Amtliches leisten. Die Filmemacher investierten mehr Geld in die Produktion (laut imdb.com lagen die Kosten für Teil 7 bei geschätzten 291 Millionen Dollar und für Teil 8 bei geschätzten 400 Millionen Dollar) und verlängerten die Laufzeit auf stolze 170 Minuten. Die Werbetrommel wurde auch bei der Weltpremiere in Cannes ordentlich gedreht für das Finale einer Agentenfilmreihe, die Tom Cruise zu seiner eigenen gemacht hat.
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„The Final Reckoning“: Die Handlung
“Mission: Impossible – The Final Reckoning” setzt ein paar Monate nach den Ereignissen aus Teil 7 an. Die als Entität bekannte künstliche Intelligenz schwirrt noch immer durch das globale Glasfasernetz und der halb hörige, halb intrigante KI-Sympathisant Gabriel (Esai Morales) ist noch immer auf der Jagd nach dem Schlüssel, der, um es kurz zu fassen, den ultimativen Zugriff auf die Entität ermöglicht. Jener Schlüssel befindet sich im Besitz von Ethan Hunt (Tom Cruise), der sich vor Gabriel und den amerikanischen Behörden versteckt.
Als die Entität aggressiver wird und nach und nach die Nuklearwaffenarsenale der mächtigsten Nationen des Planeten infiltriert, wird Hunt gezwungen, zu handeln. Zusammen mit seinem Team, zu dem einmal mehr auch Benji (Simon Pegg) und Grace (Hayley Atwell) gehören, begibt er sich auf die Suche nach dem in Teil 7 gesunkenen russischen U-Boot. Es gilt, Zugriff auf den originalen Quellcode der Entität zu erlangen. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bei dem nichts Geringeres als das Schicksal der gesamten Menschheit auf dem Spiel steht.
Der neue „Mission: Impossible“-Film führt Fäden zusammen
“Mission: Impossible – The Final Reckoning” inszeniert sich nicht nur als Fortsetzung der Ereignisse aus Teil 7, sondern auch als Laudatio auf die, wie es heißt, lange Reise, die 1996 begann. Gerade im ersten Drittel werden zahlreich Verweise und Ausschnitte aus allen vorherigen Teilen der Filmreihe gezeigt und der Ausspruch aus dem Trailer, nach dem alles, was Hunt ist und was er getan hat, auf diesen einen Moment hingeführt hat, mantraartig wiederholt. Und das stimmt sogar, da nicht zuletzt die Filme ab “Mission: Impossible – Rogue Nation” mehr oder weniger lose zusammenhängen und direkte Fortsetzungen voneinander sind. Dieser neue Film beschwört so eine ordentliche Welle an Nostalgie und kreiert gleich von Beginn an eine Atmosphäre ultimativen Abschieds. Ein besonderes und intelligent eingebautes Easteregg ist dabei der Auftritt einer ganz bestimmten Figur, über die an dieser Stelle nichts weiter verraten wird.
Rein auf das Drehbuch geschaut, könnte man „The Final Reckoning“ nicht empfehlen. Ein derart lausiges Geschreibsel findet sich sonst nur in deutschen Komödien oder Superheldenfilmen, bei denen sich sogar Marvel-Fans ausklinken. Natürlich erzählt der Film von einer (eigentlich) unmöglichen Mission, ergo muss es schwierig werden. Doch das Puzzle, welches hier gelegt werden muss, um am Ende ein Ganzes zu ergeben, ist lächerlich und einzig der glücklichste aller Zufälle kann hier zum Erfolg führen.
Explosionsartige Exposition
Dazu kommen endlose Erklärmonologe, noch und nöcher. Alles wird im Vorfeld auseinanderdividiert. In Sachen Exposition müsste man Christopher Nolan als (geistigen) Vater von “Mission: Impossible – The Final Reckoning” bezeichnen. Und so sind die Verweise auf das, was schon passierte, nicht die einzigen Kniffe, die der Film narrativ bereithält: Denn dabei zuzusehen, wie hier jedes noch so kleine Detail erklärt wird und sich die Zufälle einander die Hand reichen, ist entgegen der Erwartung eine helle Wonne.
„Mission: Impossible – The Final Reckoning“, bei dem die ganze Zeit über mindestens zwei Handlungsstränge gleichzeitig erzählt werden, hat die Parallelmontage dermaßen für sich entdeckt, dass Langeweile unmöglich aufkommen kann. Da werden Szenen so zusammengeschnitten, dass aus zwei Dialogen einer wird, und Kämpfe, die an zwei Orten gleichzeitig stattfinden, durch Schnitt zu einem großen Kampf zusammengefügt, stets untermalt mit einem tollen Score und einer klimaktischen Struktur, die immer wieder für kleinere und größere Höhepunkte sorgt.
Und wenn der Zufall einmal doch zu groß wird, nimmt sich der Film zurück, lässt von den großen Bildern ab und zaubert einen intimen, beinahe magischen Moment auf die Leinwand. Dann lässt Kameramann Fraser Taggert Packeis zu Wolken werden. Natürlich hält Tom Cruise auch mit seinen Qualitäten als Stuntman nicht hinterm Berg. Seine Aktionen auf, unter, neben, in und um ein Flugzeug, wie schon im Trailer (siehe unten) zu sehen ist, sind schlicht beachtlich.

Analoge und digitale Welten
Insgesamt verarbeitet “Mission: Impossible – The Final Reckoning” das Thema rund um die künstliche Intelligenz intelligenter als es der Vorgänger getan hat. Dort mündete der Konflikt mit der digitalen Gefahr unmittelbar ins Analoge. Selbst der Schlüssel, den es zu finden galt, war (bzw. ist) analog, kann angefasst werden. Es war, als wären das Digitale und das Analoge zwei Welten, die parallel koexistieren und die keinen Einfluss aufeinander ausübten, wenn man nicht proaktiv den Kontakt herstellte.
Der aktuelle Teil geht hier ausdifferenzierte Wege. Durch die aggressive Expansion der KI wird sie zu einer echten Bedrohung. Durch die Übergriffe auf die Nuklearwaffen wird zwischen dem Analogen und dem Digitalen eine Brücke geschlagen und die Figuren stellen sich offen die Frage, wie der richtige Umgang mit der Entität auszusehen habe. Politische Dimensionen werden aufgemacht, zudem Parallelen zu realen Welt diesseits der Leinwand. Bürgerkriegsähnliche Zustände und Sekten spielen eine Rolle.
“Mission: Impossible – The Final Reckoning” diskutiert die Frage nach der Balance. Welchen Anteil soll Technologie am Leben haben, wie steht es um die Balance zwischen dem Analogen und dem Digitalen?
Und das Ende? Ein Ritterschlag. Man muss Tom Cruise nicht mögen, kann gegen seine Aktivitäten bei Scientology sein und auch sonst noch irgendwelche Gründe finden, die gegen ihn sprechen, aber mit der M:I-Reihe hat er dem Medium Film seinen ganz eigenen Stempel aufgedrückt.
Fazit
“Mission: Impossible – The Final Reckoning” ist ein würdiger Abschluss einer Film-Reihe, die unter der Regie von Brian de Palma düster begann, dann einen Ausflug ins Übertriebene des Camp machte und schließlich seine Identität fand, indem es übermenschliche Herausforderungen konstruierte und diese mit enormen Schauwerten kombinierte. Der Film ist ernst, sowohl in der Thematik als auch in der Selbstwahrnehmung, aber nicht übertrieben dramatisch. Die beinahe 170 Minuten vergehen wie im Flug und machen Lust auf mehr. Schade, dass es (erst einmal) vorbei ist.
Bewertung
(89/100)
“Mission: Impossible – The Final Reckoning” erschien 2025 im Kino.
-> Bei unseren Jahrescharts 2025 landete der Film unter unseren Top 3. Auf welchem Platz, könnt ihr hier nachlesen.
-> Unsere Kritik zum Vorgänger „Mission: Impossible – Dead Reckoning“
-> Unsere Kritik zu „Mission: Impossible – Fallout“
„M:I – The Final Reckoning“ – Filmdaten
| Filmtitel | Mission Impossible: The Final Reckoning |
| Regisseur | Christopher McQuarrie |
| Drehbuchautor | Christopher McQuarrie, Erik Jendresen |
| Darsteller | Tom Cruise, Hayley Atwell, Simon Pegg, Ving Rhames |
| Kinostart | 21.5.2025; 16.10.2025 (BluRay, DVD) |
| Bewertung | 9/10 (filmpluskritik) |
| Rotten Tomatoes | 79 % |
| IMDb | 7,6 |
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Bilder: (c) 2025 Paramount Pictures
