„Tom Cruise: Der meistgehasste Hollywood-Star“. So oder ähnlich lauten seit einigen Jahren die Überschriften von Artikeln über den einstigen Frauenschwarm, der nicht nur durch seine Scientology-Umtriebe und seine aufsehenerregende Scheidung von Katie Holmes einiges an credit eingebüßt hat. Cruise selbst scheint das wenig zu kümmern, er stürzt sich immer wieder in kostspielige Projekte, als Produzent, Schauspieler oder, wie im Fall der „Mission: Impossible“-Reihe als beides und zudem zentrale Triebfeder.

Bereits der sechste Teil kommt diese Woche (am 2.8.) in die Kinos, und bemerkenswert ist auf jeden Fall das: Gegenüber den Vorgängen ist kein ins Gewicht fallender Qualitätsverlust auszumachen – wenngleich „Fallout“ nicht den kreativen Einfallsreichtum von Teil 4 oder die inszenatorische Finesse von Teil 1 erreicht.

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Tom Cruise hängt so rum – gemütlich sieht das nicht aus

Ethan Hunt (Cruise) soll mit seinen Kollegen Benji (Simon Pegg) und Luther (Ving Rhames) waffenfähiges Plutonium sicherstellen. Das Team gerät in einen Hinterhalt, und Hunt entscheidet sich für das Leben seiner Kollegen – und gegen die Konfiszierung der Nuklearwaffen, die dadurch weiter im Umlauf bleiben. In Folge muss er sich in verdeckter Mission um sie Wiederbeschaffung desselben kümmern, bevor sie in die Hände des gefährlichen Terroristen Solomon Lane (Sean Harris) und dessen Organisation gerät, die das Plutonium einsetzen wollen, um mit Anschlägen die Welt in Angst und Schrecken zu versetzen. Kann Ethan Hunt den finalen „Fallout“ verhindern?

Mit Christopher McQuarrie übernimmt bei „Fallout“ zum ersten Mal in der Geschichte von „Mission: Impossible“ ein Regisseur das Ruder, der bereits einen Film inszeniert hatte – nämlich den direkten Vorgänger „Rogue Nation“. Eine schlechte Entscheidung war das sicher nicht: Star Cruise vertraut seinem „Lieblingsregisseur“ und der stellte sich offenbar ganz auf Sunnyboy Toms megalomanische Action-Visionen ein. Wobei: So „sunny“ ist Ethan Hunt alias Tom Cruise in Teil 6 gar nicht. Der Film ist ziemlich düster geraten, nur einzelne, geschickt platzierte Gags hellen die ansonsten durchwegs deprimierende Grundstimmung kurzfristig auf. Von der „Verspieltheit“ aus Teil 4 oder Teil 1 ist wenig übrig, „Mission: Impossible – Fallout“ ist mehr harter Actionkracher denn gefinkelter Agententhriller. Zutiefst „physisches Kino“, in dem die großteils grandios choreografierten Gewaltszenen nacheinander auf der Leinwand aufpoppen.

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Ohne Simon Pegg und Ving Rhames geht gar nix

Ob man das mag, oder nicht, liegt wohl am persönlichen Geschmack und der individuellen Erwartungshaltung: Wer gut gemachte, trockene Action will, wird von „Fallout“ vollends bedient. Wer nach feineren Nuancen in Inszenierung und Charakterzeichnung sucht, wird wohl eher enttäuscht sein. Das heißt aber keineswegs, dass der Film ein Reinfall ist. Neben den im Minutentakt auf den Zuschauer einprasselnden Action-Szenen bleibt vor Allem der beeindruckend gefilmte Fallschirmsprung (gleich am Anfang) hängen, der wahrlich Gänsehaut erzeugt. Etwas mehr an solch kreativen Einfällen hätte dem Film wohl dennoch nicht geschadet.

Die Schauspieler machen ihre Sache durchwegs gut. Cruise spult solide sein Programm als unnahbarer Special-Agent Hunt herunter, während der Auftritt von Ving Rhames vor allem ältere Fans der Serie verzücken wird. Ein Gewinn für das Franchise ist jedenfalls Simon Pegg, der sich inzwischen vom ängstlichen IT-Nerd zum muskelbepackten Außendienst-Agenten gewandelt hat. Und auch Henry Cavill als Bösewicht kann sich durchaus sehen lassen.

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Ob sich das ausgeht?

Fazit:

Erste Stimmen aus den USA sprechen in ihren Kritiken von „Mission: Impossible – Fallout“ bereits von einem „Meilenstein“, dem „besten Action-Filme aller Zeiten“, oder zumindest dem besten Film der Reihe; bei „Rotten Tomatoes“ hält er inzwischen bei geradezu unglaublichen 98%. Derartige Superlativen sind dann doch etwas arg übertrieben, beeindruckend ist aber auf jeden Fall, wie gekonnt Tom Cruise und sein Team das Franchise am Leben erhalten. Was dem Film fehlt, ist, wie schon mehrfach angedeutet, eine gewisse Verspieltheit und Lockerheit, die viele der vorangegangenen Teile ausmachten. Insofern ist „Fallout“ ein guter Film, ein gelungener Sommer-Blockbuster, der der Serie durchaus ein noch längeres Leben (auch ohne Tom Cruise als Hauptdarsteller?) bescheren könnte, der aber dennoch nicht an den bisher besten Teil, „Phantom Protokoll“ (Teil 4) herankommt. Für einen sechsten Teil aber dennoch ziemlich beeindruckend.

Bewertung:

8 von 10 Punkten

von Christian Klosz

 

Bildrechte: Constantinfilm / Paramount

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