Mit „Masters of the Universe startet ein neuer Film über den aus den 1980er-Jahren bekannten Zeichentrickhelden He-Man. Die Serie war damals ein riesiger Erfolg und kam Ende der 80-er auch ins deutsche Fernsehen. Der Ursprung der Marke war allerdings ziemlich pragmatisch: Spielzeughersteller Mattel wollte Actionfiguren verkaufen und beauftragte das Trickfilmstudio Filmation, das zwischen 1984 und 1985 insgesamt 130 Episoden produzierte. Ab 4. Juni 2026 kann man die Neuadaption im Kino sehen.

Kritik von Christian Oehmigen

„Masters of the Universe“: Die bereits 2. He-Man Verfilmung

„Masters of the Universe“ ist dabei nicht die erste Live-Action-Verfilmung: 1987 wurde mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle der erste Kino-Versuch veröffentlicht, der jedoch weder finanziell noch künstlerisch überzeugen konnte. In den Jahrzehnten danach war He-Man mal mehr, mal weniger präsent. Zuletzt erschienen mit „Masters of the Universe: Revelation“ (2021) und „Masters of the Universe: Revolution“ (2024) zwei neue Animationsserien auf Netflix. Verantwortlich dafür war Kevin Smith. Während die Kritiken überwiegend positiv ausfielen, reagierte ein Teil der Fans enttäuscht, weil He-Man selbst in der Geschichte nur eine untergeordnete Rolle spielte.

Nun folgt also bereits der nächste Versuch, He-Man für ein modernes Publikum neu zu erzählen. Ganz frisch ist die Idee eines weiteren Kinofilms allerdings nicht. Bereits seit 2007 gab es Pläne für einen neuen He-Man-Film. Das Projekt wanderte jahrelang zwischen verschiedenen Studios hin und her, bis Amazon und Sony schließlich beschlossen, es zu verwirklichen. Nach dem missglückten Kinoauftritt von 1987 stellt sich nun die Frage: Gelingt He-Man diesmal der Sprung auf die große Leinwand besser?

He-Man gegen Skeletor

Adam (Nicholas Galatzine) ist der Sohn von König Randor und Königin Marlena, den Herrschern des Planeten Eternia. Als Kind muss er miterleben, wie der böse Skeletor das friedliche Königreich angreift, um an ein legendäres Zauberschwert zu gelangen, das seinem Besitzer göttliche Kraft verleihen soll. Adam kann das Schwert in letzter Sekunde an sich nehmen und durch ein Portal fliehen. Dies bringt ihn allerdings nicht in Sicherheit auf Eternia, sondern auf die Erde, genauer gesagt nach Oklahoma City.

Zwanzig Jahre später lebt Adam als gewöhnlicher Büroangestellter. Doch die Vergangenheit lässt ihn nicht los. Seit Jahren sucht er nach dem verschwundenen Schwert, das ihm bei seiner Ankunft auf der Erde abhandengekommen ist. Eines Tages erhält er tatsächlich eine Nachricht: Das Schwert wurde gefunden.

Kaum ist es wieder in seinem Besitz, taucht jedoch eine Kreatur auf, die ebenfalls hinter der magischen Waffe her ist. Im letzten Moment erscheint Teela (Camila Mendes), Adams Kindheitsfreundin aus Eternia. Gemeinsam kehren sie nach Eternia zurück, um das Königreich von Skeletors (Jared Leto) Herrschaft zu befreien.

Männlichkeit und modernes Heldenbild

Gleich zu Beginn stellt „Masters of the Universe“ eine interessante Frage: Was bedeutet Männlichkeit in einer modernen Version von He-Man? Eine endgültige Antwort darauf gibt der Film nicht. Aber man merkt, dass er wieder etwas entspannter mit klassischen Heldenfiguren umgeht als viele Produktionen der letzten Jahre. Männer dürfen hier scheitern, zweifeln und fallen, aber sie dürfen sich auch wieder bewähren.

Das zeigt sich besonders an Duncan, gespielt von Idris Elba. Als oberster Befehlshaber der königlichen Garde versagte er beim Angriff Skeletors und konnte sich nie wirklich von dieser Schmach erholen. Statt sich seiner Vergangenheit zu stellen, sucht er anderweitig Trost. Seine Tochter Teela hat dadurch nicht nur Vertrauen, sondern auch ein Stück weit den Respekt vor ihm verloren. Erwartungen an sich selbst, der Umgang mit Enttäuschungen, das Zulassen von Gefühlen unter Kriegern: All das reißt der Film an, ohne es je wirklich auszuerzählen.

Das ist einerseits schade, andererseits auch konsequent. Denn „Masters of the Universe“ will in erster Linie kein tiefgründiges Charakterdrama sein, sondern ein bunter, humorvoller und kinderfreundlicher Fantasy-Actionfilm. Dieses Versprechen hält der Film weitgehend ein. Der Ton ist locker, die Gags funktionieren mal für Kinder, mal für Erwachsene, und insgesamt versteht sich der Film eher als Hommage an die alte Zeichentrickserie denn als streng werkgetreue Adaption.

He-Man: Ein postmoderner Mann auf der Suche nach sich selbst

Das wird besonders daran deutlich, dass Adam einen großen Teil seines Lebens nicht auf Eternia, sondern auf der Erde verbracht hat. Der erwachsene Adam, gespielt von einem bestens aufgelegten Nicholas Galitzine, wirkt zunächst wie ein ziemlich typischer Mann des 21. Jahrhunderts: Etwas tollpatschig, unsicher, unbeholfen beim Dating und nicht gerade mit übermäßigem Selbstbewusstsein ausgestattet.

Die Sequenzen auf der Erde wirken deshalb fast wie eine kleine Parodie auf unsere heutige Gesellschaft. Männer weinen bei Filmen, würden es aber nicht offen zugeben. Die Empathie der Chefin in einem ernsten Mitarbeitergespräch wirkt eher einstudiert als echt. Und Adam scheint in dieser Welt zwar irgendwie zu funktionieren, aber nie wirklich angekommen zu sein.

Einen He-Man in solchen Situationen zu sehen, ist durchaus reizvoll. Die Originalfigur strotzte schließlich nur so vor Testosteron und kannte kaum Selbstzweifel. Diese neue Version in „Masters of the Universe“ ist anders: Adam ist kein Softie, sondern ein Mann, der seinen Platz noch nicht gefunden hat. Die Erdsequenz wirft interessante Fragen auf und hat ihre Momente. Doch der Film greift das im weiteren Verlauf kaum wieder auf. Was hätte sein können, bleibt leider ungenutzt.

Humor mit Augenzwinkern

Ohnehin nimmt sich „Masters of the Universe“ nie allzu ernst. Der Humor erinnert stark an die Marvel-Filme der letzten Jahre. Es gibt viele schnelle Sprüche, viel Selbstironie, und immer dann, wenn es etwas ernster werden könnte, kommt meistens schon der nächste Gag. Besonders „Guardians of the Galaxy“ (2014) und „Thor: Love and Thunder“ (2022) scheinen spürbare Vorbilder gewesen zu sein, sowohl bei der Figurenzeichnung als auch beim Timing der Gags.

Auch klassische Klischees alter Zeichentrickserien, etwa das übertriebene böse Lachen des Schurken, werden hier bewusst parodiert. Das passt grundsätzlich zum selbstironischen Ton des Films, kann aber auch dazu führen, dass manche Szenen weniger wirken, als sie eigentlich könnten. Einige Nebencharaktere dienen außerdem vor allem als Gag-Lieferanten.

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Skeletor ist das Highlight des neuen „Masters of the Universe“

Was „Masters of the Universe“ allerdings besser macht als viele Marvel-Produktionen der letzten Jahre, ist der Bösewicht. Skeletor ist eine ikonische Figur, und Jared Leto spielt ihn mit sichtlicher Freude. Sein Look ist erfreulich nah an der Vorlage, und seine Präsenz wirkt in den besten Momenten tatsächlich bedrohlich. Gleichzeitig wird diese Bedrohlichkeit aber immer wieder durch humorvolle Szenen relativiert, wie oben erwähnt. Man merkt eben immer wieder, dass die neue „Masters of the Universe“-Adaption dem Publikum mit einem Augenzwinkern begegnet und für Kinder nicht zu düster werden möchte.

skeletor 2026
Bösewicht Skeletor

Wenn man sich auf diesen Ton einlassen kann, funktioniert der Film über weite Strecken hinweg durchaus. Besonders in der zweiten Hälfte, wenn die Handlung komplett nach Eternia verlagert wird, findet „Masters of the Universe“ stärker zu sich selbst. Die Welt ist knallig und künstlich, präsentiert sich so aber auch als Abbild der Comic-Vorlage, ikonische Orte wie Castle Grayskull sind liebevoll und wiedererkennbar umgesetzt. Einzig Cringer, Adams grüner Haustiger, fällt etwas negativ auf. Hier wirkt das CGI nicht ganz auf der Höhe und hätte natürlicher ausfallen können.

Weitgehend gelungene Optik, guter Soundtrack

Auch musikalisch bedient sich der Film hörbar der 80er- und 90er-Jahre. Der Score verbindet klassische Orchesterklänge mit schweren Synthesizern. Besonders auffällig sind die Beiträge prominenter Gastmusiker: Brian May, Gitarrist von Queen, steuert Gitarrensolos zum Soundtrack bei, während The Darkness den rockigen Titelsong liefern.

Mit einer Laufzeit von 2 Stunden und 15 Minuten ist der neue „Masters of the Universe“ allerdings zu lang geraten. Mindestens 20 Minuten weniger hätten dem Film gut getan. Vor allem der Beginn auf der Erde hätte gestrafft werden können, da er zwar interessante Ideen enthält, für die eigentliche Geschichte jedoch nur begrenzt notwendig ist.

Fazit

„Masters of the Universe“ anno 2026 ist ein spaßiges, knalliges Fantasyabenteuer, das am besten als Hommage an die 1980er-Zeichentrickserie funktioniert. Interessante Ansätze rund um Heldentum und Männlichkeit sind zwar vorhanden, werden jedoch zugunsten bewährten Humors und familientauglicher Action (leider) nur oberflächlich behandelt. Trotzdem: Nostalgiker wie auch jüngere Zuschauer sollten hier auf ihre Kosten kommen. Ein sympathischer Neustart für den stärksten Mann des Universums.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

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„Masters of the Universe“: Ab 4.6.2026 im Kino.

Bilder: (c) Amazon MGM Studios