Im vorherigen Artikel unserer Superman-Retrospektive ging es um die Entstehungsgeschichte des Superhelden, die Popularität der Comics und seine ersten Auftritte im Radio und im Kino. Diesmal geht es um den inzwischen als Klassiker gefeierten, ersten Auftritt von Christopher Reeve als Superman im gleichnamigen Film von Richard Donner: Für viele immer noch die beste Superman-Verfilmung aller Zeiten. Wie entstand der Kult, wie lief der Dreh, was macht „Superman“ (1978) bis heute so einzigartig? Alles, was es dazu zu wissen gibt, in unserem extra-ausführlichen Artikel, der tief in die Geschichte eintaucht.
von Christian Oehmigen
Supermans erste Auftritte im Kino waren der Animation und den sehr erfolgreichen Serials vorbehalten, Woche für Woche konnte man eine neue Episode sehen. Als in den 1950ern das Fernsehen Einzug in die Haushalte hielt, kam die erste TV-Show „The Adventures of Superman“ mit George Reeves als Clark Kent/Superman. Die Show war sehr erfolgreich, bis der tragische Tod Reeves die Produktion überschattete (mehr dazu auch in unserem vorigen Artikel).
„It’s a Bird, It’s a Plane, It’s Superman“: Kal-El als Musical
Zwar versuchte man, neue Shows zu lancieren, aber nichts fruchtete. Es wurde ruhiger um Superman im Fernsehen und auf der Leinwand. Die Comics waren in den 1960ern immer noch gefragt und populär. Superman fand dennoch in anderen Kulturkreisen statt – wie zum Beispiel das Broadway-Musical „It’s a Bird, It’s a Plane, It’s Superman“. Das Musical hatte 1966 seine Uraufführung und wurde trotz weitestgehend positiver Kritik einer der größten Flops der Zeit – es schloss nach nur 3½ Monaten. 1975 wurde dieses Musical, leicht gekürzt, als TV-Special ausgestrahlt. Auf YouTube kann man es zurzeit kostenlos anschauen (siehe unten).
Es wurde schnell klar, dass die Marke Superman bei der breiten Masse nicht mehr sonderlich funktionierte. Im Gegenteil: Anfang der 1970er wurde sie zur Zielscheibe für Parodien. Ähnlich wie bei Batman (dessen Comics in den 1960ern düsterer wurden): Die Batman-Fernsehserie war übertrieben humorvoll und eine Parodie auf Superhelden. Das kam an; die Serie war sehr beliebt. Hinzu kam, dass Superman als veraltet angesehen wurde mit seinen konservativen Sichtweisen.
Superman im Wandel der Zeit
Amerika machte Mitte der 1960er einen Wandel durch: Antikriegsbewegung, Bürgerrechte und Jugendrevolte. Der Vietnamkrieg hinterließ tiefe Narben im amerikanischen Bewusstsein. Der Watergate-Skandal untergrub das Vertrauen in die Regierung weiter. Das wurde auch auf den Leinwänden sichtbar – speziell durch den Paranoia-Thriller „The Conversation“ (1974) und Horrorfilme wie „Der Exorzist“ (1973).
Das änderte sich mit dem weltweiten Erfolg von „Der Weiße Hai“ (1975; ausführlicher Text zum 50. Jubiläum). Ein Blockbuster-Event, das seinesgleichen suchte. Zwei Jahre später kam George Lucas‘ „Star Wars“ (1977) – ein weiterer Mega-Erfolgsfilm. Die Bevölkerung war bereit, wieder Helden auf der Leinwand zu sehen, sich auf Fantasy mit einfachen Geschichten und einem Wohlfühlfaktor einzulassen. „Superman – The Movie“, bei uns „Superman – Der Film“ oder kurz „Superman“, kam 1978 heraus, also genau im richtigen Augenblick – und sollte ein Erfolg sein. Die Entstehung des Films begann allerdings einige Jahre früher.
„Superman“ (1978): Die Entstehung eines Kultfilms
Bereits 1973 entstand die Idee für einen neuen Superman-Film. Ilya Salkind, Sohn des bekannten Großproduzenten Alexander Salkind, hatte schon immer den Wunsch, Superman als einen groß angelegten Kinofilm auf die Leinwand zu bringen. Nach zähen Verhandlungen mit DC Comics wurden die Rechte 1974 erworben. Man machte sich sofort an die Arbeit für ein Drehbuch, das von Mario Puzo (Autor von „Der Pate“ !) entworfen wurde.
Die Suche nach einem Regisseur war langwierig. Steven Spielberg wurde nach seinem eindrücklichen Debüt „Duell“ in Betracht gezogen, für Alexander Salkind war er jedoch zu unbekannt. Es wurden andere Regisseure in Erwägung gezogen, und man dachte, mit Guy Hamilton („Goldfinger“, 1964) einen fähigen Mann gefunden zu haben – er musste aber kurzfristig aussteigen. Richard Donner, der mit „Das Omen“ (1976) einen Achtungserfolg erzielt hatte, wurde recht kurzfristig eingestellt.
Um dem Film das nötige Gewicht zu geben und zu zeigen, dass es sich um ein ernstzunehmendes Projekt handelte, wurden Oscarpreisträger Marlon Brando als Supermans Vater Jor-El sowie Gene Hackman als Bösewicht Lex Luthor verpflichtet. Gerade Marlon Brando stellte mit dieser Rolle einen Rekord auf: Für zwei Wochen Arbeit bekam er 3,7 Millionen Dollar Gage (18 Millionen Dollar im Jahr 2025) – die bis dahin höchste Summe, die ein Schauspieler je erhalten hatte.
Die Suche nach dem richtigen Superman

Die Suche nach einem geeigneten Superman war um ein Vielfaches schwieriger. Ilya Salkind und Richard Donner wollten einen unbekannten Schauspieler und keinen großen Star, wie es das Studio vorhatte. Mit Christopher Reeve wurde man fündig. Was ihm anfangs an Muskelmasse fehlte, machte er mit seinem Charisma wett.
Auch für die Rolle der Lois Lane bat man unzählige Schauspielerinnen zum Vorsprechen. Die Entscheidung fiel auf Margot Kidder, die mit Christopher Reeve die beste Chemie während der Probeaufnahmen hatte. Von Anfang an war klar, dass zwei Filme gleichzeitig gedreht werden sollten – ein Mammutprojekt, das fast zu scheitern drohte. Das sollte aber nicht das einzige Problem dieser Produktion sein.
Viele Probleme und eine Diva
Als Donner als Regisseur relativ spät dazustieß, gefiel ihm das Drehbuch überhaupt nicht. Es war zu sehr an die Fernsehserie „Batman“ aus den 1960ern angelehnt. Donner holte Drehbuchautor Tom Mankiewicz dazu, der es umschreiben und ihm einen ernsteren Grundton geben sollte.
Weitaus größere Probleme hatte man mit Superstar Marlon Brando. Nicht nur hatte er mit Abstand das größte Gehalt – alle seine Szenen mussten in 12 Tagen abgedreht sein. Auch kam er schlecht vorbereitet: Seinen Text hatte er nicht gelernt und er wollte, dass er auf Karten gedruckt wird, sodass er ihn ablesen konnte. Sein Argument war, dass, wenn er den Text nicht kennt, es spontan und glaubwürdig rüberkomme, wenn er ihn zum ersten Mal spricht. Ob das Schauspiel auf höchstem Niveau war oder eine Ausrede, den Text nicht zu lernen: Es bleibt jedem selbst überlassen, das zu beurteilen. Trotz allem war es gerade Marlon Brando, der dem ganzen Projekt die Glaubwürdigkeit verlieh – als Comicverfilmung, wie es sie so noch nicht gegeben hatte.
Während der Dreharbeiten kam es zu immer mehr Spannungen zwischen Donner und Salkind sowie Produzent Pierre Spengler. Es ging so weit, dass man die Dreharbeiten zu „Superman II“ abbrach, um sich ganz auf den ersten Teil zu konzentrieren. Letztlich trennte man sich von Donner, nachdem „Superman“ abgedreht war und bereits 75 % des zweiten Teils im Kasten waren. Daraufhin wurde Richard Lester engagiert, der „Superman II“ weiterdrehen sollte.
Drei Welten – Drei Erzählstile
Was „Superman“ (1978) außergewöhnlich macht – und gern übersehen wird – sind die verschiedenen Erzählstrukturen. Der Film gliedert sich in drei eigenständige Kapitel:
Teil 1: Krypton – Untergang einer Welt
„Superman“ beginnt auf dem weißen Planeten Krypton. Alles scheint hier kühl und steril zu sein. Die Bewohner reden anmutig, pathetisch, schon fast shakespearesk. Die Stimmung ist düster und prophetisch. Der weiße Mann Jor-El (Brando) warnt vor dem Niedergang Kryptons, wird aber nicht gehört. Eine Katastrophe biblischen Ausmaßes droht sich an. Die erste halbe Stunde ist ungewöhnlich düster für eine Comicverfilmung der damaligen Zeit, die aber ein gewollter Kontrast sein sollte.
Teil 2: Smallville – das gelebte Americana
Kal-El, der einzige Überlebende von Krypton, kommt auf die Erde und wird von dem Ehepaar Jonathan und Martha Kent aufgezogen. Der Ton wechselt von der Kälte und Unnahbarkeit Kryptons zur Wärme und Weite. Smallville steht symbolisch für das Herz Amerikas: endlose Weizenfelder, College-Football, Pickup-Trucks, goldenes Licht. Hier sehen wir Clark Kent aufwachsen und seine Mühen, dazuzugehören. Er weiß einfach nicht, was sein Platz auf dieser Welt ist – ein Gefühl, das viele Teenager nur zu gut kennen und was ihn auch nahbar macht. Ein ruhiger Abschnitt des Films, der sich auf das einfache Leben in einer Kleinstadt konzentriert.
Teil 3: Metropolis – chaotisch, laut, überdreht

Der Kontrast zu Smallville (oder der Fortress of Solitude, wo Kal-El einige Jahre verbracht hat) könnte nicht größer sein. Hier dreht der Film auf und bringt uns Screwball-Elemente, Slapstick und schnelle Dialoge. Superman hat hier sein Clark-Kent-Alter-Ego perfektioniert – als trottelig-liebenswürdigen Reporter, der immer in das nächste Fettnäpfchen tritt. Auch Lex Luthor ist mehr eine Karikatur als furchteinflößend. Sein Sidekick Otis (Ned Beatty) ist eindeutig für Kinder geschrieben worden. Hier wird der Humor teilweise übertrieben. Zu viele Gags, die überdreht wirken und so gar nichts mit den ersten 45 Minuten des Films gemein haben.
Trotzdem sehen wir eine weitere Entwicklung der Superman-Figur. Zum ersten Mal zeigt er sich der Welt, um einen abstürzenden Hubschrauber aufzuhalten. Auch geht er gegen den Willen seines Vaters, um die Frau zu retten, die er liebt. Genau diese Prozesse sind es, die Superman von anderen Superhelden abheben: Er ist ein Außerirdischer, der aber menschliche Werte annimmt. Er versteht, dass er auf der Erde aus einem bestimmten Grund ist – einer, den selbst sein Vater nicht vorhersehen konnte.
Musik als emotionales Fundament
Für „Der Weiße Hai“ und „Star Wars“ hatte John Williams bereits unvergessliche Filmmusik geschrieben. Nun wurde er für die Superhelden-Verfilmung engagiert. Und auch mit der „Superman“-Titelmelodie sollte er eine Ikonisches schaffen. Williams verstand es, die drei verschiedenen Welten des Films geschickt miteinander zu verbinden. Bei der Academy-Awards Verleihung 1979 wurde er für dem Oscar für die beste Filmmusik nominiert, musste sich aber gegen Giorgio Moroder für „Midnight Express“ geschlagen geben.
Technische Pionierarbeit
„Superman“ war auch ein technischer Meilenstein. Der berühmte Slogan „You’ll believe a man can fly“ war mehr als Marketing. Die ganze Crew war bemüht, es so realistisch wie möglich aussehen zu lassen. Durch den Einsatz von Bluescreen, Drahtseiltechnik, gezielter Kameraführung und Spezialeffekten wurde ein durchaus realistisches Ergebnis erzielt, allerdings erforderte dies beträchtliches Budget und viel Zeit, um es zu perfektionieren, ein Umstand, den die Produzenten nervös machte. Die Arbeit hat sich gelohnt, gerade die Flugszenen waren revolutionär und überzeugend für die damalige Zeit.
„Superman“ (1978): Kultureller Einfluss und Vermächtnis
Man kann gar nicht genug betonen, wie groß das Vermächtnis von „Superman“ ist. Es gab davor und danach kaum einen Superheldenfilm, der das Genre so ernst und aufwändig nahm. Es spricht Erwachsene genauso an wie Kinder. Auch wurde die Marke Superman auf der ganzen Welt noch bekannter, und bis heute ist er der bekannteste Superheld weltweit.
Nicht zu vergessen ist da auch Christopher Reeve, der wie kein Zweiter diese Rolle prägte. Durch einen schweren Reitunfall 1995 querschnittsgelähmt, hat er wie Superman nicht aufgegeben, das Positive am Leben zu sehen und sich für Rechte von Behinderten und neue Heilungsverfahren eingesetzt. Er starb am 10. Oktober 2004 im Alter von 52 Jahren.
„Superman“ bildet den Grundstein für alle weiteren Superheldenfilme. Er ebnete den Weg für weitere DC-Filme wie „Batman“ in den 1990ern oder die großen Marvel-Filme, die ab den 2010ern nicht nur das Genre, sondern auch das Kino dominiert haben (Unser Text MCU Phasen 1 bis 5: Ein kritisches Fazit). Der „Superman“ aus 1978 war mit über 300 Millionen Dollar Einnahmen auch ein kommerzieller Erfolg. Der Film bewies, dass das Genre durchaus lukrativ sein kann.

Fazit
„Superman“ ist und bleibt ein sehr sehenswerter Film. Natürlich kommt er angesichts unserer heutigen Sehgewohnheiten etwas altmodisch daher, schließlich wurde er vor der CGI-Zeit gedreht, aber das macht er mit seiner faszinierenden Geschichte mehr als wett. Die 3-Welten-Struktur gibt der Geschichte noch mehr Tiefe, ob auf Krypton, Smallville oder Metropolis, jede dieser Welten hat ihre eigene Dynamik.
Die knisternde Chemie zwischen Margot Kidder und Christopher Reeve überträgt sich auch auf die Leinwand bzw. die Bildschirme, und auch wenn einige Charaktere überzeichnet sind, verhalten sie sich für die sie umgebene Welt realistisch. Das Ende würde besser in ein Comicheft als eine Realfilm passen, trotzdem hat es einen emotionalen Punch, den man so nicht erwartet hätte. Absolute Empfehlung!
FPK Rating: 84/100
Teil 1 unserer Superman-Retrospektive: Superman und die lange Geschichte eines Mythos
Bildercredits: Fair Use
Bild Christopher Reeve: (c) Jbfrankel, CC BY-SA 3.0
Bild von Filmpremiere: (c) Larry Armstrong, Los Angeles Times – https://digital.library.ucla.edu/catalog/ark:/21198/zz0002rn1q, CC BY 4.0, Link
