Als der strenggläubige William mit seiner Gattin und seinen fünf Kindern aus der kürzlich beigetretenen Gemeinde ausgestoßen wird, beginnt für die Familie ein neuer Lebensabschnitt. Fortan auf sich alleine gestellt, besteht der alltägliche Ablauf vermehrt aus harter Arbeit und hoffnungsvollen Gebeten. Als eines Tages der jüngste Sohn verschwindet, halten alle einen Wolf für den Übeltäter. Unterdessen häufen sich die ungewöhnlichen Ereignisse und die Familie beschleicht ein grausamer Verdacht: eine Hexe treibt im nahe gelegenen Wald ihr Unwesen.


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„The VVitch – A New-England Folktale“ ist das Langspielfilmdebut des US-Amerikaners Robert Eggers. Das 92-minütige Werk lässt sich am ehesten dem Horrorgenre zuordnen, beinhaltet aber auch deutliche Mystery- und Dramenelemente. Seine Uraufführung fand im Januar 2015 im Rahmen des Sundance Film Festivals statt; regulär in Europa angelaufen ist der Film im Mai 2016.

Aufgrund seiner im 17.Jahrhundert angesiedelten Handlung bedurfte es einer intensiven Recherche Eggers, um eine größtmögliche Authentizität und Glaubwürdigkeit zu erzielen. Zeitgenössische Überlieferungen und eine enge Zusammenarbeit mit Historikern bildeten den Grundstein seiner Umsetzung, die in Verbindung mit den eigenen Erfahrungen und Vorstellungen Eggers Gestalt annahm. Sprache, Kostüme, Drehorte; Eggers überließ nichts dem Zufall und passte selbst die Schreibweise seines Filmtitels an die im Film dargestellte geschichtliche Periode an.

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In Anbetracht dessen verwundert es auch nicht, dass „The VVitch“ auf die Elemente neuerer Horrorfilme gänzlich verzichtet. Plötzlich auftauchende Schockmomente sind ebenso wie schrille Soundeffekte nicht zu finden. Eggers setzt vielmehr auf eine mysteriöse Visualisierung mittels tristen Farben, natürlichen Lichtspielen und teils undefinierbaren Darstellungen, die die Vorstellungskraft des Zuschauers fordern und dort gleichzeitig Dinge entstehen lassen, die womöglich deutlich schlimmer sind als das tatsächlich Gezeigte. Eggers ergötzt sich sozusagen an den Ängsten des Einzelnen und vermag mit seiner Herangehensweise „subjektiven Horror“ heraufzubeschwören.

Ebenso traditionell wie das Spiel mit den Ängsten der Menschen ist auch seine Verfahrensweise bei der Nachbearbeitung des Films gewesen. Diese konnte Eggers auf ein Minimum reduzieren; der Großteil der Effekte ist handgemacht. Bei dem im Film gezeigten Getier handelt es sich um dressierte Tiere, bei denen lediglich der „Schwarze Philipp“ im Nachhinein aufgrund seiner Sturheit digital nachbearbeitet werden musste. (Wer nun auf den Cast einer echten Hexe spekuliert, muss aber trotzdem enttäuscht werden.)

Der Cast per se besteht aus sorgsam ausgewählten Darstellern, die erst eine Woche vor Drehbeginn in ihre Rollen eingeführt wurden. Eggers entschied sich dabei bewusst für britische Schauspieler, um auch bei der englischen Sprache der damaligen Zeit eine größtmögliche Authentizität erreichen zu können. Die Hauptakteurin „Thomasin“ wird dabei von Anya Taylor-Joy verkörpert, ihr Vater „William“ ist mit Ralph Ineson besetzt. Bei Williams Ehefrau Katherine fiel Eggers‘ Wahl auf Kate Dickie, die vielen aus der Serie „Game of Thrones“ ein Begriff sein wird. Das Zusammenspiel der Genannten funktioniert ohne Probleme; besonders Taylor-Joy und Ineson bestechen durch Ihre Darstellung und vermitteln eine emotional ergreifende Leidensfähigkeit. Die durch die tragischen Ereignisse ausgelöste Zwietracht innerhalb der Familie ist mit Fortdauer des Films immer mehr greifbar, und sorgt letzten Endes dafür, dass „The VVitch“ nicht in eine Schwarz-/Weißdarstellung von Gut und Böse verfällt, sondern dem Zuschauer vielmehr die Wahl lässt, welchem der Charaktere nun seine Sympathie gilt.

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Untermalt wird das Gezeigte von einem überragenden Soundtrack aus der Feder des Kanadiers Mark Korven. Atonale Musikstücke ohne elektronisches Sounddesign säumen den Weg und sorgen vom ersten Moment an für die richtige Stimmung. Durch die Verwendung sowohl exotischer, als auch altertümlicher Instrumente entstand ein schauerlich guter Score, der sich nahtlos in das Gesamtkonstrukt einfügt.

Fazit:

Vorangegangene Zeilen lassen es vielleicht schon erahnen: „The VVitch“ ist ein famoser und einzigartiger Film geworden, der Verfechter älterer Horrorfilme glückselig zurücklassen wird. Durch seine akribische Arbeit gelang es Eggers ein dermaßen dichtes und glaubwürdiges Stück Film zu erschaffen, an dem sich Nachzügler messen lassen werden müssen. Sollte Eggers dieses Niveau halten oder gar steigern können und dem Genre treu bleiben, dürfen Genreanhänger auf neue Meilensteine hoffen. Nichts anderes ist „The VVitch“ nämlich geworden.

Bewertung:

9 von 10 Punkten

von Cliff Brockerhoff

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