Einmal im Jahr blickt die Filmwelt auf die südfranzösische Küstenstadt Cannes, wo das international wichtigste Filmfestival stattfindet. Mit der Verleihung der Ehrenpalme an Peter Jackson („Herr der Ringe“) erlebte es am 12. Mai seinen Auftakt, während die gleiche Auszeichnung für Barbra Streisand das Festival am 23. Mai abschließt. Dazwischen: 76 Filme, die ihre Premiere feiern. Viele europäische und asiatische Regisseurinnen und Regisseure sind darunter, aber nicht nur.
Von Jonas Schilberg
Cannes 2026 versammelt die aktuell wichtigsten Filmemacher
So präsentierte etwa der US-amerikanische Regisseur James Gray („Ad Astra“) seinen neuen Film „Paper Tiger“. Erneut treibt ihn hier die Frage des American Dream um, die er letztendlich düster beantwortet. Mit Miles Teller, Adam Driver und Scarlett Johansson ist die Produktion hochkarätig besetzt und wird sich wohl nicht nur in Cannes Auszeichnungen erhoffen – für den dortigen höchsten Preis, die Goldene Palme, hat er gemäß Kritikerspiegeln Chancen.
Ryūsuke Hamaguchi („Drive My Car“) stellt den längsten Film des Festivals vor: „All of a Sudden“, satte 196 Minuten Umfang, konkurriert ebenfalls im Hauptwettbewerb und beschäftigt sich mit dem Altern und emotionaler Verbundenheit. Auch er zählt aktuell zu den Favoriten, neben „Bitter Christmas“ von Pedro Almodóvar und „Fatherland“ von Pawel Pawlikowski – letzterer ist mit der vielgepriesenen Sandra Hüller („The Zone of Interest“) besetzt. „The Black Ball“ erhielt verheißungsvolle 20 Minuten Standing Ovations und stellte damit einen Rekord auf. Wie auch Jane Schoenbruns „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ setzt er sich mit queeren Themen auseinander.
Berlinale: Film plus Kritik-Interview mit Regisseur Ryūsuke Hamaguchi
Deutsche Filme im Schatten, dafür Gründung neuer Bewegung
Beiträge deutscher Regisseurinnen und Regisseure mit Erfolgschancen sind in Cannes 2026 hingegen eher rar gesät. Volker Schlöndorff, der vor fast 50 Jahren die Goldene Palme für „Die Blechtrommel“ gewann, ist mit seinem Film „Heimsuchung“ vertreten, der mit Lars Eidinger hochkarätig besetzt ist. Dieser spielt auch in „Moulin” des Ungaren László Nemes die Hauptrolle. Indes lehnte Werner Herzog die Einladung seines neuen Films „Bucking Fastard“ ab, nachdem er erfuhr, dieser würde nicht in der angesehenen Wettbewerbssparte laufen.
Fünf deutschsprachige Filmeschaffende schafften es dennoch in die Schlagzeilen: İlker Çatak, Tom Tykwer, Nora Fingscheidt, Kurdwin Ayub und Helene Hegemann stellten ihr Projekt „Dogma 25“ vor. In Anlehnung an „Dogma 95“, das unter anderem Thomas Vinterberg und Lars von Trier mitbegründeten, legen sie sich zehn Regeln auf, nach denen sie mindestens ein Werk schaffen wollen. Die Filme sollen so zum Beispiel ohne Internet entstehen und höchstens 50 Prozent Dialog enthalten.
Außer Konkurrenz – aber durchaus erwähnenswert
Nicht nur im Wettbewerb spielen sich in Cannes die Highlights ab – außer Konkurrenz feierten schon Filme wie „Top Gun: Maverick“ oder „Mission: Impossible – The Final Reckoning“ Premiere, sodass ein bisschen US-Blockbuster-Flair auch an der Côte d’Azur ankommt. 2026 ist hier das Krimidrama „Diamond“ von Andy Garcia zu sehen, erstklassig besetzt mit Brendan Fraser, Bill Murray und Vicky Krieps. Erste Kritiken sind gemischt. „Her Private Hell“ spaltet ebenfalls: Der Neo-Noir-Scifi-Film von Nicolas Winding Refn („Drive“) sei audiovisuell ein Spektakel – jedoch eines mit Logiklöchern, so resümieren erste Kritiken.
Wann die Filme auch uns erreichen – und ob überhaupt – steht fast überall noch in den Sternen. Einige Monate Geduld sind auf jeden Fall nötig.
Wer hat die Hauptpreise gewonnen?
Samstag Abend wurden die Festivalpreise vergeben. Den Hauptpreis, die Goldene Palme, konnte Christian Mungius „Fjord“ gewinnen, den Großen Preis der Jury „Minotaur“ von Andrei Swjaginzew. Den Regiepreis teilten sich Javier Calvo und Javier Ambrossi bzw. Paweł Pawlikowski. Als Beste Darsteller wurden Emmanuel Macchia und Valentin Campagne, als Beste Darstellerinnen Virginie Efira und Tao Okamoto prämiert. In der Nebenreihe Un Certain Regard konnte die Österreicherin Sandra Wollner für ihren Film „Everytime“ den Hauptpreis abräumen.
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Titelbild: (c) Cannes Film Festival – Offizielles Festivalplakat
