Gestern Abend ging die Berlinale 2026 offiziell zu Ende. Erneut machte das Festival weniger durch seine Filme oder Star-Auftritte von sich Reden, sondern durch politische Kontroversen, die sich die gesamte Dauer durchzogen und auch vor der Preisverleihung Samstag Abend nicht Halt machten. Außerdem gelang es der Berlinale erneut nicht, sein Programm inklusiv zu gestalten und auch jenen Zugang zu Kunst & Kultur zu ermöglichen, die nicht in Berlin vor Ort sein können oder wollen: Zumindest ein Teil des Programms und der Veranstaltungen sollte längst für alle virtuell zugänglich gemacht werden, andere Festivals (wie das DOKfest München, die Hofer Filmtage oder das Sundance Festival) machen damit seit Jahren gute Erfahrungen und leben eine inklusive, hybride Filmkultur. Die Berlinale hingegen will exklusiv und elitär bleiben und einen Teil der Gesellschaft ausschließen.

Die Preisträger der Berlinale 2026 lauten wie folgt:

Berlinale 2026 – Preisträger

Goldener Bär – Bester Film

  • „Gelbe Briefe“ (Original: Yellow Letters) – Regie: İlker Çatak
    Politisches Drama über ein Künstlerpaar in der Türkei, das wegen seiner politischen Überzeugungen Berufsverbot und Vertreibung erlebt. Der Film zeichnet ein eindringliches Bild davon, wie staatlicher Druck das persönliche und berufliche Leben zerstören kann, und wurde vom Jurypräsidenten Wim Wenders als „erschütternde Warnung vor wachsender Repression“ gelobt.

Silberne Bären & Weitere Hauptpreise

  • Großer Preis der Jury: „Kurtuluş“ – Regie: Emin Alper
    Episch angelegter Film über blutige Dorfgemeinschaftsfehden, der Gewalt und gesellschaftliche Dynamiken in einer türkischen Grenzregion schildert.
  • Preis der Jury: „Queen at Sea“ – Regie: Lance Hammer
    Intimes Drama über die emotionale Belastung durch Alzheimer und die Beziehung zwischen Tochter und Mutter
  • Bester Dokumentarfilm: If Pigeons Turned to Gold – Regie: Pepa Lubojacki
    Dokumentarfilm über kollektive Träume und urbane Metaphern, der für seine erzählerische Kraft gelobt wurde.
  • Bestes Spielfilmdebüt: Chronicles From the Siege – Regie: Abdallah Alkhatib
  • Beste Regie: Grant GeeEverybody Digs Bill Evans
    Künstlerischer Dokumentarfilm über den legendären Jazzmusiker Bill Evans
  • Beste Schauspielleistung (Hauptrolle): Sandra HüllerRose
  • Beste Nebenrolle: Anna Calder-Marshall & Tom CourtenayQueen at Sea
  • Bestes Drehbuch: Geneviève Dulude-de CellesNina Roza
  • Herausragende künstlerische Leistung: Anna Fitch & Banker WhiteYo (Love Is a Rebellious Bird)

„Jury Grid“: Kritiker-Bewertungen bei Screen Daily

Das US-Magazin Screen Daily veröffentlicht traditionell während der Berlinale einen „Jury Grid“, in dem Kritiker alle Wettbewerbsfilme bewerten (normalerweise auf einer Skala, etwa 0–4 Sterne).

  • Der bestbewertete Film ist „Rose“ von Markus Schleinzer, ein österreichisch-deutsche Co-Produktion mit einem Wert von 3,3
  • Auf Platz 2 landete „Flies“ von Fernando Eimbcke mit einem Wert von 3,1
  • Auf Platz 3 landete „Queen of See“ von Lance Hammer mit 2,9
  • Wettbewerbssieger „Yellow Letters“ bekam 2,6
  • Am Ende der liste findet sich „Nightborn“ von Hanna Bergholm und mit Rupert Grint mit einem unterirdischen Wert von 1,3. Kritik zu „Hatching“ von Hanna Bergholm

Kontroversen der Berlinale

  • Große Teile des Festivals waren von steter politischer (An-)Spannung geprägt, die sich um den Umgang mit „Gaza“ drehte: Auslöser der Kontroverse war Jury-Präsident Wim Wenders gewesen, der sinngemäß meinte, Film müsse sich nicht politisch positionieren, da Film und Politik zwei unterschiedliche Sphären seien. Es folgte ein Shitstorm gegen Wender, dessen Aussagen als „feig“ gedeutet wurden.
  • Vor dem Festival hatten rund 80 Filmschaffende einen offenen Brief veröffentlicht, der der Berlinale vorwarf, sich zu wenig politisch zu positionieren und zu „Israel-freundlich“ zu sein. Sogar von „Zensur“ war da die Rede, ein mehr als absurder Vorwurf, wie der weitere Verlauf des Festivals zeigen sollte. Die Festivalleitung wies diesen Vorwurf zurück und betonte ihre Rolle als neutraler Austauschort.
  • Zahlreiche Pressekonferenzen verkamen zu ritualisierten Gesinnungsprüfungen für die Künstler, die sich, so wollten es fragestellende Journalisten, zu Gaza „richtig“ positionieren und Israel verurteilen sollten. Die klügste Replik darauf kam von Ethan Hawke: Man sollte von betrunkenen, Jetlag-geplagten Künstlern nicht erwarten, sinnvolle Dinge zu komplexen politischen Themen zu sagen.
  • Für einen Eklat sorgte der Auftritt des ausgezeichneten Regisseurs Abdallah Alkhatib bei der Preisverleihung am Samstag, der bei seiner Dankesrede dem deutschen Staat „Mittäterschaft“ im Gaza-Konflikt attestierte („Partner eines Völkermords in Gaza durch Israel“) und auf die Bühne eine Palästinenser-Flagge ausbreitete. Der anwesende deutsche Bundesminister Carsten Schneider (SPD) verließ daraufhin aus Protest die Gala und nannte, neben vielen anderen Politikern aller Parteien, die Aussagen „inakzeptabel“.

(Christian Klosz)

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