Das Horrorgenre ist reich an „Coming Of Age”-Stories über die Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens; nun versucht sich auch Hannah Bergholm mit „Hatching“ an diesem Motiv und steuert ihm etwas „Body Horror“ bei. Das Ergebnis ist ein Film, dessen Konzept das Werk selbst etwas übertrifft. Neugierige finden diesen Horrorstreifen jetzt auf Blu-Ray, DVD oder VOD.

von Natascha Jurácsik

Tinja und ihre Familie wirken nach außen hin perfekt – doch der Schein trügt und schon bald wird klar, dass sich hinter der Fassade aus falschem Lächeln und Pastelltönen mehr Dunkelheit verbirgt, als man zunächst glaubt. Als es Tinja schwerer und schwerer fällt, dem Druck ihrer Mutter stand zu halten, findet sie ein seltsames Vogelei, das sie bei sich im Zimmer aufbewahrt. Mit der Zeit wird es immer größer, bis schließlich ein Geschöpf durch die Schale bricht, das Tinjas Leben für immer verändern wird.

Dieses Wesen ist in der Tat auch das klare Highlight des Films: Praktische Effekte, eine mechanische Puppe und viel Liebe zum Detail erwecken das Monster zum Leben, das an die Creature-Features der 1980er Jahre erinnert, wie zum Beispiel „Gremlins“ oder „Critters“. Auch nachdem es langsam eine menschlichere Gestalt annimmt und von Schauspielern ersetzt wird, verliert das Makeup keineswegs an Qualität. Tatsächlich kann der restliche Look des Filmes aber nicht mit dieser zentralen Figur mithalten.

Optisch sind die Szenen mit dem Ei und später dem geschlüpften „Vogel“ sehr interessant und zeigen, dass Regisseurin Hanna Bergholm eine klare Vorstellung von der Beziehung zwischen Tinja und ihrem Schützling hat und diese auch gekonnt mit der Kamera einfängt. Leider beschränkt sich dies auf Momente mit den beiden Hauptfiguren, denn das restliche Set wirkt wie von einem Grundschultheaterstück übernommen: sehr rudimentär, oberflächlich und unkreativ. Visuell hätte sich Bergholm mehr an den Horrorfilmen der 80er orientieren sollen, an denen sich „Hatching“ offensichtlich orientiert; oder sie hätte eine düstere Atmosphäre aufbauen können, um den Ton des Filmes bildlich zu festigen. Sobald das Monster nicht mehr auf der Leinwand ist, sieht das Ganze aus wie eine verlorene Folge von „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“. Der auffallend schlechte Soundtrack trägt ebenfalls nichts zur Unterstreichung der Stimmung bei, wodurch dem Streifen“Hatching“ allgemein ein eigener Stil fehlt, der zur Story passen würde.

Die Idee hinter der Geschichte ist allerdings recht stark und lenkt die Handlung, ohne das Ziel vor den Augen zu verlieren. Zwar ist der erste Akt schwach und die Charaktere etwas zweidimensional, so tauchen doch nach der ersten Dreiviertelstunde Tiefen in den Beziehungen der Figuren auf, die das Hauptkonzept gut unterstreichen, auch wenn sie zwischendurch auf recht wackligen Beinen stehen. Vor allem die Parallelen zwischen Tinja und ihrer Mutter und Tinja und dem Geschöpf haben viel Potential und hätten ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient. Allerdings ist der Plot etwas zu schematisch und nimmt gleichzeitig einige Wendungen, die aus heiterem Himmel fallen, wodurch das Werk zu eklektisch und recht amateurhaft wirkt, trotz eindeutiger Originalität.

Fazit

„Hatching“ ist eine Mischung aus kreativer Vision und halbherziger Umsetzung – ein Film, der in einzelnen Momenten sowohl mit Bild als auch Narrativ überzeugt, letztendlich jedoch weder mit Stil noch mit den Charakteren begeistern kann. So schwebt Bergholms neuester Beitrag zwischen „Art House Horror“ im Sinne von A24 und einfachem B-Movie mit wenig Budget: Zu schlecht für das eine und zu gut für das andere. Hätte die Regisseurin die Atmosphäre stärker zur Geltung gebracht, wäre das Endprodukt nicht nur interessanter, sondern hätte sogar Potential gehabt, zum Kult-Klassiker aufzusteigen. So werden vermutlich nur einige Genre-Fans das Werk zu sehen bekommen, was zumindest aufgrund der gelungenen Effekte schade ist. Seit Ende September auf DVD / BluRay /VOD.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

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Bilder: (c) capelight pictures