Die Filme der Tage 1 (2) bis 5 lassen sich hier nachlesen.

Tag 6: DI 27.09.

· „Good Madam“, 18:00, Filmcasino

Seit Jordan Peeles „Get Out“ hat sich die Horrorwelt mehr und mehr den Perspektiven schwarzer Menschen geöffnet und Filme hervorgebracht, in denen Rassismus den wahren Schrecken darstellt. Regisseurin Jenna Cato Bass arbeitete für die Story von „Good Madam“ eng mit den Schauspielern zusammen, um eine Geschichte über Klassenverhältnisse in Kapstadt zu erzählen, die über die Abbildung einfacher Machtverhältnisse hinausgeht, wodurch sich die Figuren und ihre Welt durch und durch authentisch anfühlen. Trotz der interessanten Dynamiken und ominösen Atmosphäre schleppt sich die Handlung in der ersten Hälfte des Filmes etwas lethargisch dahin und wirklich spannend wird es erst im letzten Drittel. Dafür sind die schauspielerischen Leistungen aber einwandfrei und das Finale zutiefst schauderhaft.

Rating: 60/100

· „Triangle of Sadness“, 20:00, Filmcasino

SLASH-Besucher haben die Chance, den diesjährigen Cannes-Liebling und -Sieger selbst zu bewerten: Ruben Östlunds zweiter Palme d’Or-Gewinner ist ein Paradebeispiel einer gelungenen Charakterschilderung und macht sich als meisterhaft inszenierte Satire über die Reichen und Schönen auf subtile Art lustig. Der Fokus liegt hierbei eindeutig auf den Dialogen, denn wirklich viel passiert eigentlich nicht – doch der Spannung schadet dies nicht, da die spärliche Handlung dennoch unvorhersehbar bleibt und ab und zu von Momenten des Wahnsinns durchbrochen wird. Mit 147 Minuten ist „Triangle of Sadness“ allerdings definitiv zu lang; das erste Drittel ist zwar sehr unterhaltsam, aber nicht wirklich notwendig. Darüber, ob der Preis aus Frankreich verdient ist oder nicht, lässt sich vermutlich streiten – nicht aber über die höchst amüsante Darstellung der Figuren und ihre von schwarzem Humor getränkte Geschichte.

Rating: 73/100

Tag 7: MI 28.09.

· „Megalomaniac“, 23:00, Filmcasino

Im Programm beschrieben als einer der kontroverseren Filme des diesjährigen SLASH-Festivals, ist „Megalomaniac“ leider nicht so verstörend, wie er es gern wäre. Jegliche Schockmomente stammen von Bildern blutüberströmter Frauenkörper – nicht gerade ein bahnbrechender Provokationsversuch. Der eigentliche Kern der Geschichte, nämlich das psychologische Innenleben der beiden Hauptfiguren, wird leider nur angeschnitten und bleibt halb ausgearbeitet, da sämtliche Energie des Regisseurs wohl für die düstere Ästhetik aufgebraucht wurde. Diese ist zwar durchaus gelungen, reicht allerdings nicht, um das Interesse des Publikums fast zwei Stunden lang zu halten: So ähnlich sähe es wohl aus, wenn ein 17-jähriger Marilyn Manson-Fan ein Filmbudget bekommen würde.

Rating: 44/10

Tag 8: DO 29.09.

· „Holy Spider“, 20:30, Filmcasino

Regisseur Ali Abbasi ließ sich für seinen politisch geladenen Thriller vom wahren Fall des Serientäters Saeed Hanaei, der 2002 für den Mord an 16 Frauen hingerichtet wurde, inspirieren. Zar Amir-Ebrahimi glänzt in der Hauptrolle einer jungen Journalistin und dominiert jede Szene, in der sie zu sehen ist; doch auch ihr Kollege Mehdi Bajestani (Saeed) hält das Publikum mit seiner Darstellung des Hauptantagonisten im Bann und verleiht der Figur eine Tiefe, die für zahlreiche Gänsehautmomente sorgt. Als Thriller mit Fokus auf das Innenleben der Charaktere ist die Handlung zwischendurch zwar etwas träge, hält die Spannung jedoch durchgehend aufrecht, indem die Kamera unnachgiebig jedes unangenehme Detail der Geschichte einfängt. Allerdings ist der erste Akt etwas zu lang – die Laufzeit hätte man lieber in die Gerichtsverhandlung nach Verhaftung des Täters investieren sollen. Insgesamt ist „Holy Spider“ dank eines starken Drehbuchs, packender Bilder und fantastischer Schauspieler ein nuancierter und bewegender Film, der trotz deutlicher sozialer Aussage nicht zu politisiert wirkt. Auch für Nicht-Horror-Fans eine klare Empfehlung.

Rating: 71/100

· „Mater Superior“, 20:30, Metro

Marie Alice Wolfszahns Spielfilm-Debut feiert beim diesjährigen SLASH Filmfestival Prämiere: „Mater Superior“ ist ein langsamer, atmosphärischer Folk-Horrorfilm, dessen Stärke definitiv in seiner Ästhetik liegt. Visuell entführt er die Zuschauer durch stimmungsvolle Bilder und ein düsteres Set in die Welt der okkulten Nazi-Sekten – ein Motiv, das den meisten Genre-Kennern bekannt sein dürfte. Mit dem Subplot eines Familiendramas fügt Wolfszahn der Geschichte dennoch genügend Originalität hinzu, um Interesse zu wecken. Leider verbringt die Handlung zu viel Zeit mit dem ersten Akt und schenkt der Beziehung der Protagonistin zur erwähnten Sekte zu wenig Aufmerksamkeit, wodurch die 71 Minuten Laufzeit gleichzeitig zu lang und zu kurz wirken. Das Finale offenbart allerdings Potenzial, auch wenn es mangelhaft ausgearbeitet ist. Man verzeiht sogar die etwas hölzerne Performance von Schauspielerin Isabella Händler (Sigrun).

Rating: 53/100

Tag 9: FR 30.09.

„Nacht der 100 Messer“:

· „V/H/S/94“, 23:00, Filmcasino

Die „V/H/S“-Reihe erfreut sich mittlerweile eines Kult-Status in der Horrorszene und ist besonders bei Fans des Found-Footage-Subgenres beliebt. Fünf neue Kurzfilme werden mit einer Rahmenhandlung, die diesmal leider nicht ganz so unheimlich ist, wie ihre Vorgänger, im 90er-Digitalkamera-Stil vorgestellt. Drei davon sind tatsächlich ziemlich gut, der Rest zwar etwas schwächer, vermiesen aber dennoch das Erlebnis nicht. Die Effekte sind weitgehend gelungen, die Geschichten abwechslungsreich und kreativ – es ist tatsächlich der übergreifende Main-Plot, der als Schwachpunkt hervorsticht. Fans der Reihe sollten sich davon allerdings nicht beirren lassen.

Rating: 61/100

· „The Price We Pay“, 23:00, Filmcasino

Regisseur Ryûhei Kitamura schafft in „The Price We Pay” eine farbenfrohe Vision von Gewalt, die mit Neonlichtern und viel Blut eine wahre Augenweide ist. Umso bedauernswerter ist es, dass Drehbuchautor Christopher Jolley dieser Qualität nicht gerecht werden konnte: Der Story fehlt Originalität, die Figuren sind eindimensional und der Dialog so fürchterlich, dass sogar Schauspieler Alex Hirschs („Into The Wild“) Leistung schwach wirkt. Dafür sorgen die übertriebenen B-Movie-Effekte und der Soundtrack für viel Stimmung und Spaß. Wer eine Leidenschaft für Exploitation-Cinema im 80er-Jahre-Stil hat, kann sich diesen Film getrost ansehen – solange die Erwartungen nicht zu hoch ausfallen.

Rating: 54/100

· „Deep Fear“, 23:00, Filmcasino

Die mysteriösen Katakomben unterhalb von Paris scheinen das perfekte Setting für einen Horrorfilm zu sein – dennoch gibt es bisher relativ wenige Filme, die sich an diesen Ort heranwagen. „Deep Fear“ begibt sich in die Tiefen der Stadt und löst Gefühle der Beklemmung und Klaustrophobie aus. Vom Cast gut gespielt, mit sehr gelungenen Effekten und so manchen furchteinflößenden Momenten glänzt der Film (trotz einem eher unoriginellen Plottwist) als wahrer Horror-Geheimtipp für Filmeabende, an denen man sich an den Sitznachbarn klammern möchte. Auch wenn der Hauptantagonist zwischendurch wirkt wie ein Universal-Monster aus den 20er und 30ern.

Rating: 66/100

· „Pussycake“, 23:00, Filmcasino

Von Regisseur Pablo Parés beschrieben als Mischung aus „Jem and the Holograms“ und „The Predator“ wurde „Pussycake“ vor der Pandemie mit einem recht niedrigen Budget gedreht und darf nun auch von SLASH-Besuchern gesehen werden. Trotz der finanziellen Einschränkungen hat sich Parés sehr viel vorgenommen – leider zu viel. Die Handlung hat eindeutig zu viele Elemente und Abzweigungen, die nur mäßig zusammenpassen und dem Film einen halbfertigen Ton geben. Hätte sich der Regisseur besser auf die Plot-Entwicklung konzentriert, würde zum Finale hin zumindest weniger Verwirrung herrschen. Und auch der Dialog lässt eindeutig zu wünschen übrig. Die Effekte und Visuals sind allerdings absolut gelungen und eindeutig das Highlight dieses Werks.

Rating: 52/100

Tag 10: SA 01.10.

· „You Won’t Be Alone“, 20:30, Filmcasino

Visuell ruft dieser Folk-Horror-Beitrag Erinnerungen an Robert Eggers‘ „The VVitch“ wach und kann ihm optisch sogar fast das Wasser reichen. Die Geschichte ist originell und als beinahe philosophische Charakterschilderung höchst interessant und gelungen von den Schauspielern verkörpert. Allerdings war die Entscheidung, den gesamten Film von einem Voice-Over der Protagonistin begleiten zu lassen, ziemlich riskant: Bei fast zwei Stunden Spielzeit mit minimaler, langsamer Handlung und einem durchgehenden Monolog der Hauptfigur, in dem sie sich mit dem Menschsein selbst auseinandersetzt, fragt man sich trotz stimmungsvoller Ästhetik, ob Regisseur Goran Stolevski nicht lieber ein Buch hätte schreiben sollen. So hapert es leider doch an Spannung, wodurch man schon echter Slow-Burn bzw. Folklore-Fan sein muss, um sich zwischendurch nicht zu langweilen.

Rating: 60/100

Bilder: (c) Slash außer: „Triangle of Sadness“ (c) Panda Film / Alamode Film