Es ist schon einige Zeit her, als die Ära der Highschool-Teenie Komödien in den 90er und anfänglichen 00er-Jahren ihren Höhepunkt feierte und dabei Filme hervorbrachte, die mittlerweile Kultstatus genießen. Wenn sich Maya Hawke in Netflix neuster Eigenproduktion während ihrer Einführungsrunde auf dem Highschoolcampus als „Anhänger der 90er Teenie-Filme“ bezeichnet, dann lässt sich das gleiche wohl auch über Regisseurin und Co-Autorin Jennifer Kaytin Robinson sagen, die in ihrer zweiten Regiearbeit „Do Revenge“ gleich ein ganzes Potpourri an (ziemlich offensichtlichen) Referenzen und Easter Eggs abfeuert.

von Madeleine Eger

Zwischen „Clueless“, „10 Dinge die ich an dir hasse“, „Eiskalte Engel“ und „Girls Club – Vorsicht bissig“, basiert „Do Revenge“ im Kern lose auf dem Thrillerroman „Der Fremde im Zug“ von Patricia Highsmith, in dem zwei sich fremde Männer Pläne schmieden, um mit dem perfekten Mord davonzukommen. In der pastellfarbenen Bonbonästhetik von Rosehill High gibt es zwar keine Tote, Regisseurin Robinson manövriert ihre beiden Hauptdarstellerinnen Maya Hawke („Stranger Things“) und Camila Mendes („Riverdale“) aber dennoch mit einem eiskalten Rachekomplott durch eine Geschichte, in der nichts so ist wie es scheint.

Drea (Camila Mendes) hat etliche Jahre damit zugebracht eines der populärsten Mädchen von Rosehill High zu werden und den Platz will sie mit allen Mitteln verteidigen. Zumal sie auch mit dem beliebtesten Jungen der Schule zusammen ist und der Ruhm in der It-Girl Clique ihr Ticket zur Elite Uni Yale sein soll. Als sie zur Überbrückung der Sommerferien allerdings ein Sex-Video an ihren Freund Max (Austin Abrams) schickt und dieses den Weg an die Öffentlichkeit findet, stürzt ihre eigens erschaffene Welt in sich zusammen und für Drea steht nun alles auf dem Spiel. Da kommt ihr Neuling Eleanor (Maya Hawke) gerade recht, die tiefen Groll gegen eine Mitschülerin hegt. Nachdem sich beide bereits im Tenniscamp kennengelernt haben, entdecken die beiden Mädchen nun ihre Gemeinsamkeit: Sie wollen Rache an der Person, die ihr Leben zerstörte. Dabei tauschen die Zwei ihre Opfer und entspinnen einen morbiden Plan, der jedoch nicht ganz so verläuft wie erhofft ….

„Manchmal muss man vorgeben jemand anderes zu sein, um das zu erreichen, was man will“, meint Drea ziemlich selbstsicher, als sie gerade dabei ist, Eleanora das Makeover ihres Lebens zu verpassen. Drea ist wahrhaftig Meisterin darin, sich wie ein Chamäleon anzupassen, die Person zu sein, die andere von ihr erwarten und haben wollen. Und das, obwohl sie die sozialen und gesellschaftlichen Strukturen durchschaut, die sie in diese Rolle zwingen und denen sie sich mit ihrem Ziel vor Augen manchmal auch nur widerwillig unterwirft. So flechten Drehbuchautorin Celeste Ballard und Co-Autorin Robinson über ihre Figuren aktuelle Debatten ein, die an keiner Stelle wie Fremdkörper wirken, sondern zum Teil sogar tragenden Charakter entwickeln. Bissige Kommentare verstecken sich damit immer wieder in einem überspitzten Script, das in der ganz eigens erschaffenen Welt aus Mint- und Fliederfarben auch noch einen völlig aus dem Ruder laufenden Pilztrip, ein Reptil namens „Oscar Gewinnerin Oliva Coleman“ und einen amüsanten Gastauftritt von „Game of Thrones“ Star Sophie Turner parat hält.

Allerdings erreicht „Do Revenge“ dann etwa zur Halbzeit seinen Höhepunkt und kann dem Spektakel aus Rachegelüsten, hinterhältigem Schauspiel, Heuchelei und komisch überreizten Augenblicken nicht mehr viel hinzufügen. Und das obwohl der Film noch mehrere Haken schlägt und nicht nur einen großen Twist in der Hinterhand hält. „Do Revenge“ büßt während der unnötig langen Laufzeit trotz rockiger Pop-Hitlist merklich an Tempo und Komik ein, wenn es im zweiten

Teil dann fast ausschließlich um die Beobachtung der beiden Antiheldinnen geht und die ihren zweischneidigen Charakter zur Schau stellen dürfen. Zuweilen erinnert das psychologische Katz- und Mausspiel dabei sogar ein wenig an HBO’s Erfolgsserie „Euphoria“, in der sich einige der Teenager mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln in die Knie zwingen. Vor allem der ausufernde Racheakt um von Austin Abrams („Euphoria“) gespieltem Max nimmt ungeahnte Umwege und punktet mit cleveren gesellschaftskritischen Ideen. „Do Revenge“ bleibt aber trotzdem vergleichsweise in seichten Gewässern und setzt an der Stelle weniger auf harte Dramatik als vielmehr auf die Dynamik der Hauptcharaktere, bei denen man sich seiner vielleicht gehegten Sympathien nie sicher sein sollte. Denn dass sowohl Drea als auch Eleanora in ihrer Freundschaft mit falschen Karten spielen, lässt sich mit ein wenig Gespür für die Figuren und etwas aufmerksamen Verfolgen der Dialoge dann leider doch zu leicht erraten und nimmt dem Film den ein oder anderen dramaturgischen Überraschungsmoment. Man ist eben doch nur solange ein Geheimnis, bis man keines mehr ist. Was eigentlich als herausfordernder Nebensatz im Flirt an Eleanora gerichtet war, bewahrheitet sich bedauerlicherweise für „Do Revenge“. Robinsons bissige und überspitze Komödie geht am Ende einfach die Luft aus.

FAZIT

Eine Teeniekomödie, die sich klar an seinen Vorbildern aus den 90er-Jahren orientiert und neben Hommage an eben diese, eine in Pastellfarben gewickelte und von Pophits gesäumte doppelbödige Revengestory ist, es jedoch verpasst ihr schlagfertiges und gewitztes Kultpotenzial bis zum Schluss auszuspielen. Seit 16.9. auf Netflix.

RATING

Bewertung: 6 von 10.

(60/100)

Bild: (c) Netflix