Nach mehr als einem Jahrzehnt von Gerüchten ist es nun endlich so weit: Tromas lukrativste Franchise bekommt ein brandneues Remake. „The Toxic Avenger“ landet nach anfänglichen Schwierigkeiten bezüglich der Distribution nun doch auch auf der großen Leinwand und lässt die Herzen von Genre-Fans höherschlagen. Macon Blair holt sich einen überraschend Star-besetzten Cast und versucht dem B-Movie-Vermächtnis des Originals aus den 1980ern gerecht zu werden. Doch gelingt das?

Kritik von Natascha Jurácsik

Als Winstons (Peter Dinklage) Leben als unterbezahlter Hausmeister beim zwielichtigen Konzern BTH und alleinerziehender Stiefvater eines Teenagers kaum noch schwieriger sein könnte, bekommt er auch noch eine fatale Diagnose. Beim Versuch, seinen Arbeitgeber zur Verantwortung zu ziehen, wird er stattdessen in ein Fass toxischen Abfalls gestoßen und wird schließlich zum neuen, unkonventionellen Helden von St. Roma Village – dem Toxic Avenger.

„The Toxic Avenger“ – Remake setzt auf trashigen Camp-Faktor

Was auf Anhieb klar wird, ist, dass Blair nicht vor einer B-Movie-Qualität zurückschreckt und versucht einen ‚seriösen‘ Film aus dem exzentrisches Ursprungsstoff zu machen. Der High-Profile-Cast scheint hierbei ganz auf seiner Wellenlänge zu sein und Stars wie Kevin Bacon, Peter Dinklage, Elijah Wood und Julia Davis lassen sich voll und ganz auf das trashige Camp des Projektes ein, wodurch es dem Publikum leicht fällt, dasselbe zu tun.

Visuell unterscheidet sich das Remake von „The Toxic Avenger“ erheblich vom Original, was in diesem Fall allerdings zu einer Stärke wird. Die Kombination aus detailreich zusammengesetzten Sets, die teils an düstere Neo-Noir-Filme wie „Sin City“ erinnern, und aus Nebelschwaden und dunstigen Gassen aufleuchtenden grellen Neonlichtern schaffen eine Atmosphäre, die sehr gut zu einem charmant kitschigen Genre-Streifen passt und gleichzeitig optisch wesentlich interessanter ist als das Vorbild.

Die praktischen Makeup-Effekte wurden jedoch glücklicherweise beibehalten: Toxies neues Design passt hervorragend zur neuen Ästhetik des Films und ist fantastisch umgesetzt, wodurch es auch mehreren Nahaufnahmen absolut standhält. Leider wurde bei einigen Kills dann doch etwas zu viel CGI eingesetzt, was die brutalen Gewaltszenen, für die das Original bekannt ist, etwas enttäuschend ausfallen lässt.

Kontinuitäten und Unterschiede

Ebenfalls sehr anders ist der Humor: Statt die zynischen, gemeinen Witze des ersten „Toxic Avenger“ im Namen der unzensierten Provokation zu wiederholen, entscheidet sich Blair hier für eine wesentlich durchdachtere Comedy, die mit ihren gezielten Pointen eher in Richtung Satire geht. Die Gags sind teils zwar ziemlich flach, funktionieren meistens aber durch ihren sarkastischen Ton ganz gut.

Zuschauer, die eventuell zu oft den Joe Rogan Podcast gehört haben, könnten meinen, dass das Remake zu ‚woke‘ geworden ist, doch diese Ansicht verfehlt einen wesentlichen Punkt: Die satirische Intention. Obwohl Toxie nach seinem Debut in manchen Kreisen zu einer Art antikapitalistisches Symbolbild wurde, dank seiner Geschichte als Hausmeister, der in unkontrollierten, toxischen Abfall fällt und zu einem Monster mutiert, ist das Original mehr oder weniger neutral, was sozio-politische Kommentare angeht.

Tatsächlich ist „The Toxic Avenger“ aus 1984 in seiner Darstellung von Kriminalität und Armut sogar recht konservativ, wobei Toxie zum Verteidiger einer bequemen, weißen Mittelschicht wird, statt zum Beschützer der Ausgebeuteten. Auch die gehässige Parodie verschiedener Minderheiten wie schwulen Männern oder Blinden lässt selbstverständlich einiges zu wünschen übrig.

the toxic avenger film 2025

Toxie, Held der Ausgegrenzten

Blairs „The Toxic Avenger“ folgt diesen Fußstapfen glücklicherweise nicht und macht Toxie zu dem, was er eigentlich schon immer sein sollte: ein Held der Ausgegrenzten und Feind der Mächtigen. Zwar fehlt es hierbei etwas an einer subtileren Thematisierung, die ein clevereres Skript geboten hätte, aber dennoch überzeugt die neue Richtung durch einen gezielter eingesetzten Humor und sympathischere Figuren.

Im Zentrum steht nicht mehr die sinnlose Gewalt zur unbewussten Verteidigung faschistischer Ideale und die Degradierung entmachteter Minderheiten, sondern eine brutale Abrechnung mit den Akteuren einer Hierarchie, die Unschuldige ausbeutet – kurz gesagt: Gerechtigkeit in Form von Selbstjustiz.

Auch wenn das Drehbuch amateurhaft ist und das Tempo des neuen „Toxic Avenger“ eindeutig von Schwächen geplagt wird, hat Blair den eigentlichen Kern der Titelfigur, beziehungsweise ihr Potenzial, durchaus erkannt und in eine Handlung eingebettet, die ihr gerechter wird als andere Varianten.

Fazit

Nostalgie vs. Neuerfindung: Obwohl das Original einen gewissen Charme besitzt, von dem sich eingefleischte Genre-Fans nur schwer losreißen können, darf man das Remake von „The Toxic Avenger“ nicht unterschätzen. Aus dem Schlamm fruchtloser Provokation mutiert der Titelheld zu einer satirisch-revolutionären Symbolfigur, die bestimmte Ideale ‚toxischer‘ Maskulinität dekonstruiert und die Gewalt endlich an Charaktere austeilt, die sie auch verdient haben.

Bewertung

Bewertung: 7 von 10.

(66/100)

„The Toxic Avenger“ läuft seit 25.9.2025 im Kino und war auch im Rahmen des Slash Filmfestival 2025 in Wien zu sehen. Am 22.1.2026 erscheint der Film auf Disc. Er ist auch als VOD verfügbar.

„The Toxic Avenger“ – Trailer

Bilder: (c) Capelight Pictures