Horror made in Austria – Regisseur Andreas Prochaska versucht sich in seinem neuen Projekt „Welcome Home Baby“ an einer österreichischen Version von „Rosemary’s Baby“. Der atmosphärische Genre-Film setzt auf eindrucksvolle Visuals, um darzustellen, wie ein Idyll zum Albtraum werden kann. Dabei schafft er es allerdings nicht, eine klare Position zur aufgegriffenen Thematik einzunehmen, wodurch die Geschichte letztendlich an Wirkung verliert.
Kritik von Natascha Jurácsik
Judith (Julia Franz Richter), eine junge Notärztin aus Berlin, erfährt vom Tod ihres leiblichen Vaters, nachdem sie plötzlich Erbin seines Hauses in einem kleinen Ort in Österreich geworden ist. Zusammen mit ihrem Mann Ryan (Reinout Scholten van Aschat) will sie dieses schnell verkaufen und ihr Leben in der Großstadt weiterführen, doch die kleine Gemeinde scheint mehr über ihre Familie zu wissen, als sie selbst. Und so begibt sich Judith auf die Suche nach Antworten.
„Welcome Home Baby“: Style over Substance
„Welcome Home Baby“ punktet zunächst mit einer sehr durchdachten Inszenierung. Sowohl die Set-Designs als auch die ästhetische Gestaltung ist vorsichtig zusammengesetzt und klar an die Optik des europäischen Folk-Horror-Genres angelehnt. Hierdurch ist jede Einstellung zwar visuell eindrucksvoll, verleiht dem Film allerdings gleichzeitig eine sehr plastische, etwas leblose Erscheinung. „Welcome Home Baby“ strotzt so zwar vor technischem Know-How, das man an jeglichen Filmschulen vermittelt bekommt, vernachlässigt dabei allerdings, die Handlung auf originelle Weise zu unterstreichen. Viele der so malerischen, atmosphärischen Szenen sind daher trotz gekonnter Ausführung mit Blick auf die Story eher sinnlos und wirken ‚leer‘.
Das hilft wiederum auch der Spannung nicht, denn diese wird durch die – im Namen des düsteren Tons – unnötig in die Länge gezogenen Momente immer wieder untergraben, bis sich das Publikum fragen muss, warum einen das Schicksal der Figuren überhaupt interessieren soll.
Schade, denn Potenzial wäre vorhanden: Der Generationenkonflikt im Zentrum der Geschichte, bei dem unterschiedliche Wertesysteme in Form einer ‚Stadt vs. Land‘-Problematik aufeinanderprallen, ist zwar ein bisschen fantasielos, bietet aber dennoch genügend Stoff für einen psychologischen Horror-Streifen, vor allem, wenn man den Fokus auf die Familienplanung aus einer weiblichen Perspektive setzt, wie Regisseur Prochaska es hier macht.
Mutloses Scheitern an der eigenen Prämisse
„Welcome Home Baby“ bietet auch hier interessante Ansätze, beispielsweise die Kooperation Ryans mit dem manipulativen Verhalten der Dorfbewohner, obwohl er eigentlich die ‚progressiveren‘ Ansichten seiner Frau teilt oder die Objektifizierung Judiths durch eine Schwangerschaft, da ihr Körper nicht mehr ihr gehört.

Doch obwohl Prochaska offensichtlich überzeugende Ideen zum behandelten Stoff hat, ist das Projekt viel zu vorsichtig. Besonders wenn man es mit ähnlichen Werken wie „Immaculate“ oder sogar dem wesentlich älteren Klassiker „Rosemary’s Baby“, der zweifellos eine große Inspiration war, vergleicht, fällt sehr schnell auf, dass der Regisseur sich viel zu wenig traut – denn eben die traditionellen Werte, die im Laufe der Handlung als bedrückend und rückläufig dargestellt werden, triumphieren am Ende.
Das Finale von „Welcome Home Baby“ ist kein feministischer Ausbruch aus vergangenen Normen, sondern eine wimmernde Resignation, die sich als kathartische Befreiung tarnt. Da die Aussage zum Schluss „Verflucht die Alten, aber macht es ihnen nach“ ist, scheitert der Film letztendlich kläglich an der eigenen Thematik.
Fazit
Trotz technischer Stärken kann es „Welcome Home Baby“ nicht mit vergleichbaren Werken des Genres aufnehmen. Mangelnde Kreativität und eine spürbare Angst vor klaren Aussagen nehmen diesem österreichischen Horror-Streifen jeglichen Wind aus den Segeln und lassen ihn anspruchslos auf offenem Wasser treiben.
Bewertung
(49/100)
„Welcome Home Baby“ startete am 2.10.2025 im Kino, war auch beim SLASH Filmfestival 2025 zu sehen und läuft aktuell bei der Diagonale in Graz (18.-23.3.2026).
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Bilder: (c) Lotus Filmproduktion / Senator Film / Petro Domenigg
