Selbst nach dem kritischen Misserfolg von „The Nun“ 2018 verliert Hollywood nicht das Interesse an Horrorfilmen im Kloster-Setting. Diesmal versucht sich Regisseur Michael Mohan mit „Immaculate“ an dem Thema, nach einem Drehbuch von Andrew Lobel – zwei noch relativ frische Gesichter in der Filmbranche. Bekannter hingegen ist Hauptdarstellerin Sydney Sweeney („Wo die Lüge hinfällt“), die sich nach „Euphoria“ als Scream Queen inszeniert. Also ein Team, das eher schwer einzuschätzen ist – und doch einen echten Horror-Geheimtipp auf die Leinwand zaubert, mit dem Potenzial zum Kult-Klassiker zu werden.

Von Natascha Jurácsik

Schwester Cecilia (Sydney Sweeney) beschließt, der Einladung von Vater Sal Tedeschi (Álvaro Morte) zu folgen und sich einem abgelegenen Kloster in Italien anzuschließen, nachdem ihre eigene Gemeinde in den Vereinigten Staaten sich auflöst. Trotz aller Mühen, sich schnell einzufinden, wird die junge Nonne das Gefühl nicht los, dass in ihrem neuen Konvent etwas nicht stimmt – als sie schließlich im Mittelpunkt eines angeblichen Wunders steht, wird ihr nach und nach klar, dass dieses alles andere als von Gott gesandt ist.

Als erstes fallen an „Immaculate“ die Visuals auf: Eine herrliche Kulisse, die gekonnt in Szene gesetzt wird, um den Aspekte von Schönheit und unheilvollen Geheimnissen zu verbinden und eine stimmungsvolle Optik zu zaubern. Die Kameraführung versucht sich hierbei nicht sinnlos in den Vordergrund zu drängen und überlässt die Wirkung der Atmosphäre Großteils dem beeindruckenden Setting; langsam gleitende Aufnahmen der Szenerie, schleichende Zooms und intime Nachaufnahmen der in Angst oder Wahnsinn verzogenen Gesichter ergeben einen wirkungsvollen Effekt, durch den man die Augen nicht vom Geschehen abwenden kann. Sorgfältig zusammengestellte Details bezüglich Licht und Perspektive lassen zahlreiche Einstellungen wie barocke Gemälde aussehen und steigern die Vertiefung in die Handlung.

Ebenfalls auffallend gelungen an „Immaculate“ ist die Musik: Komponist Will Bates kombiniert dissonante Streicheinlagen mit lamentierenden, kirchlichen Chorgesängen und greift somit sowohl die visuelle Stimmung als auch die Spannung der Handlung hervorragend auf und trägt diese weiter, bis jeder heisere Ton das Publikum noch nervöser werden lässt.

Das Drehbuch ist trotz einzelner Schwächen ein sehr gutes Beispiel dafür, dass auch „Mainstream-Horror“ so einiges leisten kann. Das Tempo ist zwar recht langsam und dürfte für manche Zuschauer zu schleppend sein, doch wirklich träge oder gar langweilig wird es nie – im Gegenteil weiß „Immaculate“ genau, an welchen Stellen er die Aufmerksamkeit des Publikums durch Schreckmomente wieder einfangen muss. Die schleichende Spannung endet schließlich in einem verstörenden Finale, das so manchen auch nach den Credits noch begleiten wird.

Allerdings kommen vor allem in zweiten Akt dann doch etwas zu viele einfach konzipierte Jumpscares vor, auch wenn diese sehr viel kreativer und effektiver umgesetzt sind als bei Filmen wie „The Nun“. Hier hätte man mit diesem Gimmick trotzdem etwas spärlicher umgehen können und die Spannung auf andere Weise steigern sollen. Umso gelungener ist dafür der Handlungsaufbau und die Story selbst, die durch mehrere, anfangs clever eingefügte Komponenten zum Schluss ein gelungen konzipiertes Gesamtbild ergibt, aber vermutlich durch ihr starkes Statement die Geister scheiden wird. Dennoch ist zu bemerken, dass sowohl Regisseur, als auch Autor mit dem Konzept von „set up and pay off“ offensichtlich umgehen können.

Doch auch vor der Kamera wird in „Immaculate“ bemerkenswert gute Arbeit geleistet: Sydney Sweeney scheint perfekt für ihre Rolle zu sein und verleiht ihr eine Komplexität, die weiblichen Figuren häufig fehlt. Ihr Umgang mit der Entwicklung von Schwester Cecilia im Laufe des Filmes beruht auf einer realistischen Steigerung intensiver Gefühle wie Angst, Paranoia und Wut, die von der jungen Schauspielerin eindrücklich vermittelt werden, ohne melodramatisch zu wirken. Ihre Kollegen stehen ihr in diesem Sinne in nichts nach und fallen ebenso durch ihr Können positiv auf, auch wenn ihnen Sweeney eindeutig die Show stiehlt.

Fazit

Eine kreative Geschichte mit gelungener Inszenierung – „Immaculate“ beweist, dass auch bereits öfter behandelte Themen im Horrorgenre mit dem richtigen Team einen unterhaltsamen Film ergeben können. Trotz kleinerer Mängel ist Mohans Werk technisch einwandfrei und dürfte für rege Diskussion unter Horrorfans führen. Eine klare Empfehlung – allein schon wegen Sydney Sweeneys Performance.

Wertung

Bewertung: 8 von 10.

(78/100)

Seit letzter Woche im Kino.

Bild: Capelight Pictures