Vier Jahre mussten sich Fans der US-amerikanischen Drama-Serie „Euphoria“ auf eine dritte und mutmaßlich abschließende Staffel gedulden. Schöpfer Sam Levinson kündigte dafür an, dass sie auf 70mm gedreht ist – für eine Serie äußerst ungewöhnlich – und viele Neubesetzungen in petto hat. Zendaya („Das Drama“) schlüpft erneut in die Hauptrolle. Am 13. April 2026 wurde die 1. Episode von „Euphoria“ Staffel 3 auf WOW / Sky und HBO Max veröffentlicht. Euphorie auf die weiteren wöchentlich erscheinenden Folgen verspürt man nach ihrer Sichtung allerdings kaum noch.

Serien-Kritik von Jonas Schilberg

Nach einer kurzen Zusammenfassung der ersten beiden Staffeln erklärt Rue (Zendaya) bedeutungsvoll im Voice-Over, viele hätten sie gefragt, was sie nach ihrer Highschool-Zeit gemacht habe, womit der (noch) neugierige Zuschauer adressiert werden soll. Jene Rue, die wir in der Serie als drogenabhängigen, aber auch empathischen Teenager kennengelernt hatten, mitten in diesem Gefüge verschiedenster entwickelter Charaktere in ihrer Adoleszenz schwebend. „Nichts Gutes!“, antwortet sie prompt auf ihre implizierte Frage.

„Euphoria“ – Staffel 3: Wo ist die Stimmung geblieben?

Nicht besonders gut – für einzelne Figuren – hatte auch die zweite Staffel geendet, sodass man ihrer Fortsetzung besonders gespannt entgegenblickte. Fezco (Angus Cloud), Drogendealer, der sich aus der Szene eigentlich für Lexi (Maude Apatow) befreien wollte, landete in einer blutigen Schießerei mit der Polizei. Der Schauspieler ist 2023 mit nur 25 Jahren verstorben, sodass sich zeigen wird, wie damit verfahren wird. Auch dies wohl ein Grund für die lange Wartezeit.

Wenn man „Euphoria“ in einem Wort zusammenfassen möchte, wäre es wohl: Rauschhaft. Der Schnitt und die Kameraarbeit sind so dynamisch, dass die Serie immersiv wird. Hinzu wird auf der narrativen Ebene Rausch verschiedener Art behandelt – Drogen, Sex, Besessenheit. Gewissermaßen sind diese Themen aber auch eng mit jenem Highschool-Milieu verwoben, das in Staffel 3 explizit verlassen wird. Zendaya, die dieses Jahr 30 wird, hätte kaum noch eine Teenagerin darstellen können. Die große Frage war also, wie man die Substanz der Serie erhält, sie aber gleichzeitig in ein neues, erwachseneres Gewand kleidet.

Sydney Sweeney als Onlyfans-Model, Jacob Elordi als Betonklotz

Folge 1 der 3. Staffel liefert eine ernüchternde Antwort. In jener knappen Stunde wird uns Rue als Drogenkurierin und Uber-Fahrerin vorgestellt. Will man damit ihre altbekannten Eigenschaften mit denen einer erwachseneren Frau verschmelzen? Nun ja, es wirkt doch etwas unglücklich. Noch unglücklicher allerdings gelingen andere Figurenzeichnungen: Cassie (Sydney Sweeney) robbt auf dem Bett in Hundekleidung herum und möchte OnlyFans betreiben; der Gegenwartskommentar wirkt eher artifiziell und übergestülpt.

Dem Misogynie-Vorwurf, der „Euphoria“ mitunter anhaftet, kommt ein solches Porträtieren nebenher nur entgegen. Cassies mittlerweile Verlobter Nate wird derweil von Jacob Elordi zu hölzern verkörpert. Elordi scheint ohnehin nur noch als wandlungsunfähiger Betonklotz Filmsets zu betreten – siehe etwa seine jüngste Darbietung in „Wuthering Heights“.

Euphoria Staffel 3
Zendaya in „Euphoria“

Zendaya überzeugt zwar durchaus, ihre Drehbuchautoren jedoch mitnichten. Ging es in Staffel 1 und 2 stets um Formen des Eskapismus, soll das neue Medium jener Realitätsflucht ausgerechnet Religion sein. Das wirkt nicht nur seltsam anachronistisch, die Macher scheinen ihre eigene Serie nicht mehr zu verstehen. So agierten Drogen und Liebe ja stets als Ventil, waren Eskapismus dezidiert als Ekstase. Mit der Bibel als Hörbuch lassen sich ebensolche ekstatischen Erfahrungen weder inszenieren, noch kohärent in Rues Charakter einbetten. Im Ergebnis fühlt sich „Euphoria“, Staffel 3 – zumindest in Folge 1 – schlicht nicht mehr wie „Euphoria“ an. Dabei macht die Episode sicher einen wertigen Eindruck. Doch die gewohnte und geschätzte Stimmung ist verloren gegangen.

Fazit

Als Auftakt nach vier Jahren Warten überzeugt das Comeback von „Euphoria“ Staffel 3 nicht. Schauspiel und Inszenierung erreichen zwar weiterhin größtenteils hohe Qualität, offenbar aber haben die Macher verlernt, was ihre Serie auszeichnete: Lebhaftigkeit, Rausch, interessante Charaktere. Entwickelt sich die Staffel so, wie es nach der ersten Episode den Anschein erweckt, wird wohl auch „Euphoria“ einen Platz in der Reihe jener Serien einnehmen, die unwillentlich beweisen, dass es manche Fortsetzungen nicht braucht.

Bewertung

Bewertung: 5 von 10.

(53/100)

„Euphoria“ Staffel 3 ist seit 13.4.2026 sowohl auf HBO Max als auch auf Sky/WOW zu sehen. Diese Kritik bezieht sich auf die 1. Folge.

Auch von Sam Levinson:

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„Malcolm & Marie“ | Film-Kritik

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Bilder: (c) HBO Inc.