In den 80ern und 90ern hatten sie Hochkonjunktur, die leicht anrüchigen Erotik-Thriller, die nicht davor zurückschreckten, explizit zu werden und ihre Darsteller und Darstellerinnen mit ihren optischen Reizen spielen ließen („Basic Instinct“!). In den letzten Jahren wurde das Genre feministisch hinterfragt, die Vorzeichen wurden umgekehrt („female gaze“ in „Babygirl“). „The Housemaid“ verbindet nun beides: Erotik-Thrill und feministische Rachestory. Ab 15.1.2026 im Kino.
Kritik von Christian Klosz
Millie (Sydney Sweeney) lebt eine „prekäre Existenz“: Ihr verschmutztes Auto ist synonym mit ihrem Wohn- und Schlafort, verzweifelt sucht sie nach einem Job, der auch zu ihren Bewährungsauflagen gehört, denn die junge Frau hat gerade 10 Jahre Knast hinter sich, und das für keine Kleinigkeit.
„The Housemaid“: Ist hier alles, wie es scheint?
Eher aus Verzweiflung denn aus echter Hoffnung (oder Qualifikation) bewirbt sie sich als „Housemaid“ bei der reichen Old Money-Familie Winchester, die in einer noblen Vorstadtvilla residiert. Zu ihrer Überraschung bekommt Millie einen Rückruf von Nina Winchester (Amanda Seyfried): Millie hat den Job, der gut zahlt und noch dazu auch ein kleines Gästezimmer für sie inkludiert. Alles perfekt, möchte man denken.

Doch bereits kurz nach Antritt des Jobs offenbart Nina eine andere Seite: Sie verhält sich erratisch, aggressiv, wirft mit Sachen um sich, geht Millie an, beschuldigt sie aller möglicher Verfehlungen. Ihr Gatte Andrew (Brandon Sklenar) wirkt wie der Fels in der Brandung, kümmert sich liebevoll um seine „verrückte Frau“, ein wahrer Göttergatte – und noch dazu extrem gutaussehend. Es dauert nicht lange, bis Millies Fantasien Realität werden und sie und Andrew eine Affäre beginnen. Als sie erkennt, dass hier nicht alles ist, wie es scheint, ist es bereits zu spät….
Ein grundsolider Mid-Budget-Streifen
„The Housemaid“ ist das, was man früher einen typischen Mid-Budget-Streifen nannte: Mainstream-Kino, ein clever konstruierter, solide umgesetzter Genrefilm, ein Thriller, der in erster Linie Unterhaltung bietet, aber trotzdem genügend Inhalt und psychologische Tiefe mitbringt. Die Art Film, wie sie heute nur noch zu selten gemacht wird. Umso erfreulicher, dass das in „The Housemaid“ nicht nur auf dem Papier funktioniert, sondern auch als fertiges Produkt.

In bisherigen Besprechungen – „The Housemaid“ startete in den USA bereits im Dezember 2025 – wurde vor allem die Over Acting-Performance von Amanda Seyfried gelobt. Das wahre Highlight des Films ist aber Sydney Sweeney, und nicht nur wegen ihrer Ausstrahlung und der Halbnackt-Szenen gemeinsam mit ihrem Co-Star Sklenar: Sie spielt ihre Figur glaubwürdig, lange Zeit bemerkenswert subtil und zurückgenommen und macht sie sympathisch. Bis das Drehbuch sie zum brutalen (feministischen) Racheengel werden lässt, was sie aber auch überzeugend meistert.
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Natürlich ist hier nicht alles edles Porzellan, das glänzt: Der Plot von „The Housemaid“ bietet wenig komplett Neues, Erotik-/Rache-Thriller dieser Art gibt es bereits genügend. Und der Übergang vom 2. zum 3. Akt, als der zentrale Twist eröffnet wird, ist nicht gänzlich gelungen.
Fazit
Trotz seiner kleinen Schwächen ist „The Housemaid“ am Ende aber ein sehenswerter Film geworden, der trotz über 2 Stunden Laufzeit nicht zu lang wirkt, gut gemacht und gespielt ist und durchwegs unterhält. Teil 2 ist bereits in Planung.
Bewertung
(70/100)
„The Housemaid – Wenn sie wüsste“ – ab 15.1.2026 im Kino
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Bilder: (c) Lionsgate
