Ron Howards („Apollo 13“, „Hillbilly Elegy“) dystopischer Zivilisations-Thriller „Eden“ ist seit kurzem im Heimkino als VOD verfügbar (u.a. bei Amazon oder Apple). „Eden“ ist hochaktuell und basiert auf der wahren Geschichte deutscher Auswanderer, die am Vorabend der nationalsozialistischen Machtübernahme auf die Galapagos-Inseln nahe Ecuador gingen, um dort eine „neue, bessere Gesellschaft“ zu gründen.
Kritik von Christian Klosz
Im Mittelpunkt stand dabei der Arzt Friedrich Ritter (gespielt von Jude Law), der sich um 1930 mit seiner Partnerin Dore (Vanessy Kirby) auf der Insel niederließ und als Hobby-Philosoph betätigte. Berechnend steckte er vorbeikommenden Schiffen Briefe und Artikel zu, die von seinem Vorhaben kündeten. Das lockte schnell weitere Aussteiger an, darunter die Familie Wittmer (Daniel Brühl, Sydney Sweeney). Und eine „Baronin“ aus Österreich (Ana de Armas). Spätestens mit ihrer Ankunft wandelte sich aber das ersehnte Paradies zum absoluten, von archaischen, animalischen Instinkten geprägten Alptraum. Der Garten Eden wurde zur Hölle auf Erden.
Der reale Hintergrund: Die „Galapagos-Affäre“
Die reale „Galapagos-Affäre“, die Vorbild für „Eden“ war, spielte sich zwischen März und November 1934 auf der Insel Floreana im Galapagos-Archipel ab. 1929 zog der deutsche Zahnarzt Friedrich Ritter mit seiner Partnerin Dore Strauch dorthin, um ein naturverbundenes Leben zu führen. Ritter wollte der modernen Zivilisation entfliehen und hatte sich sogar die Zähne ziehen lassen, um Krankheiten vorzubeugen.
1932 folgten die Familie Wittmer aus Köln – Heinz, Margret und ihr Sohn Harry – mit ähnlichen Träumen. Ersten Ärger im Paradies gab es 1933, als die selbsternannte österreichische Baronin Eloise Wagner de Bousquet mit ihren zwei Liebhabern, Robert Philippson und Rudolf Lorenz, eintraf. Die Baronin, die sich als „Kaiserin von Floreana“ bezeichnete, sorgte mit ihrem provokanten Verhalten für Konflikte und manipulierte die Berichte der anderen Siedler in der europäischen Presse.
Die Situation eskalierte, als im März 1934 die Baronin und Philippson spurlos verschwanden. Margret Wittmer behauptete, sie seien mit einem Schiff nach Tahiti abgereist, doch kein solches Schiff wurde dokumentiert. Dore Strauch berichtete von einem Schrei in der Nacht, was Spekulationen über einen Mord nährte. Weitere Todesfälle folgten, insgesamt starben drei Menschen, drei weitere verschwanden, und die Vorfälle blieben ungeklärt. Die ecuadorianischen Behörden zeigten wenig Interesse an einer gründlichen Untersuchung.
Die Galapagos-Affäre erregte weltweites Medieninteresse, unter anderem berichtete der Schriftsteller Georges Simenon 1935 für die Zeitung Paris-Soir darüber. Die Wittmers blieben als einzige auf Floreana, gründeten ein Hotel und lebten dort weiter.

„Eden“ – Kritik
Ron Howard erzählt gewohnt solide eine spannende, teils durchaus brutale Geschichte, die sich im Kern mit den Fragen befasst: Was ist Zivilisation? Was macht den Menschen aus? Wie entsteht das „Böse“? Howard-typisch geht es dabei nie allzu weit in die Tiefe, das Thema wird Mainstream-verdaulich verpackt und vermittelt, aber das ist kein Vorwurf: Immerhin traut sich der Regisseur, ein solch heißes, wieder aktuelles Thema zu adressieren.
Darstellerisch überzeugt Sydney Sweeney als auf den ersten Blick brave Hausfrau, die am Ende aber doch der wohl stabilste Charakter ist. Ana de Armas gelingt es mit ihrem Overacting immerhin, ihre „Baronin“ derart nervtötend und abstoßend darzustellen, dass man nicht anders kann, als die Figur zu hassen. Am schwächsten spielt Daniel Brühl als gekünstelt nervöser „Familienvater“, der geradezu karikaturesk wirkt.
Insgesamt ist „Eden“ ein sehenswerter Mainstream-Film der anspruchsvolleren Sorte, der tatsächlich auch inhaltlich etwas hergibt. Selten in der heutigen Zeit.
„Eden“ – Bewertung
(77/100)
Wo kann man „Eden“ sehen?
„Eden“ gibt es seit kurzem als Video-on-Demand bei diversen Anbietern wie Amazon oder Apple. Am 18.7.2025 erscheint der Film auf BluRay und DVD (Infos dazu).
„Eden“ – Trailer
Bild: (c) Leonine
Textbild: (c) Muggmag / Wikipedia auf Deutsch – Eigenes Werk, Copyrighted free use
