Nicholas Stoller („Bros„) präsentiert mit „Ihr seid herzlich eingeladen“ eine bekömmliche, wenn auch wenig anspruchsvolle Familienkomödie. In den Hauptrollen überzeugen Will Ferrell und Reese Witherspoon. Seit 30.1. auf Amazon Prime Video.

von Christian Klosz

Jenni ist ein „Papakind“, selbst im College-Alter noch: Der tragische, frühe Tod der Mutter hat sie mit Vater Jim (Will Ferrell) umso enger zusammengeschweißt, die beiden bilden eine unzertennliche Einheit. Dachte zumindest Jim, denn nach Jennis Rückkehr vom College steht plötzlich auch ihr Freund Oliver im Haus. Dem nicht genug: Die beiden wollen heiraten. Nach einem ersten Ausraster von Jim, der seine Jenni nicht teilen will, freundet er sich langsam mit der Idee an. Und bucht schließlich für das Liebespaar eine noble Event-Location am See für den nächsten Juni.

Alles scheint angerichtet für die perfekte Hochzeit, doch am Hochzeitswochenende taucht die TV-Produzentin Margot (Reese Witherspoon) mit ihrer gesamten Entourage, einem Südstaaten-Clan mit zu viel Geld, auf der Hochzeitsinsel auf. Sie hatte die Location für ihre jüngere Schwester reserviert, bei der Buchung gab es einen Fehler – und beide Familien sind für das selbe Wochenende eingetragen. Zwei Hochzeiten sind ein Problemfall: Denn die Location kann jeweils nur eine Feier beherbergen. Nach langem Hin- und Her einigen sich Jim und Margot schließlich auf einen Kompromiss: Das Wochenende wird geteilt, beide Feiern finden statt. Doch das Chaos ist vorprogrammiert.

Mit „Ihr seid herzlich eingeladen“ legt Nicholas Stoller, verantwortlich für Drehbuch und Regie, eine solide, aber wenig anspruchsvolle Komödie vor, die familiäre Konflikte und die Schwierigkeiten, loszulassen in den Mittelpunkt stellt. Der Film hat das Herz am rechten Fleck und offenbart bei aller Bekömmlichkeit und Blödelei durchaus emotionale Tiefe, es geht um Werte wie Zusammenhalt, Ehrlichkeit – und eben den Wert von „Familie“. Getragen wird er von Will Ferrell, der eine typische Will Ferrell-Rolle spielt, den exzentrischen Durchschnittstypen, dessen Neurosen ihn gleichermaßen liebenswert wie anstrengend machen. Und von Reese Witherspoon als Erfolgsfrau, die alles auf die Reihe kriegt, außer Familie.

Dass die beiden Hauptdarsteller ausgezeichnet harmonieren, ist eine Hauptgrund, warum „Ihr seid herzlich eingeladen“ nicht in sich zusammenfällt. Denn das Werk offenbart eklatante Drehbuch-Schwächen: Nicht nur einmal erscheinen Sequenzen unnötig, strange, deplatziert zu kurz oder zu lang. Und manchmal wirkt all das sehr chaotisch zusammengewürfelt. Als Anker dienen der Humor, der meist funktioniert (zumindest wenn man auf Ferrell-Humor steht). Und die Musik. „Island in the Stream“ fungiert quasi als „musikalisches Motto“ des Films, das die partielle Schwammigkeit des Drehbuchs etwas kompensieren kann.

Fazit

„Ihr seid herzlich eingeladen“ erfüllt seine Aufgabe, ohne zu glänzen: Leichte Unterhaltung und Zerstreuung, eine Mischung aus Boulevard-Komödie und Musical, die man zwar schnell wieder vergessen haben wird, die aber trotzdem keine Zeitverschwendung ist. Wer intellektuelle Stimulierung und Anspruch erwartet, ist hier falsch. Wer einen belanglosen Feel-Good-Film sucht genau richtig.

Bewertung

Bewertung: 6 von 10.

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