„The Beast in Me“, die neue Mini-Serie auf Netflix, macht so einiges anders als typische Streaming-Formate: Dialoglastig, kammerspielartig, ganz auf die Figuren fokussiert nimmt sich die 8-teilige Serie viel Zeit, ihre düstere, morbide Geschichte einer falschen Freundschaft zu erzählen. Getragen wird „The Best in Me“ von den überzeugenden Hauptdarstellern Claire Danes („Homeland“) und Matthew Rhys („The Americans“). Seit 13.11.2025 auf Netflix.

Serien-Kritik von Christian Klosz

In Nachbarschaft des Bösen

Agatha „Aggie“ Wiggs (Danes) hat für ihren Debütroman den Pulitzer-Preis gewonnen. Das liegt allerdings schon mehrere Jahre zurück, seither wartet die Welt auf den Nachfolger und sie auf Inspiration. Ihr neues Projekt über die bekannten (ehemaligen) US-Höchstrichter Ruth Bader Ginsberg und Anthony Scalia ist ins Stocken geraten, ihre Schreibblockade ist in erster Linie durch den tragischen Tod ihres 8-jährigen Sohns bedingt, der 4 Jahre zuvor einem Auto erfasst wurde. Der Vorfall war auch das Ende der Beziehung zu ihrer damaligen Partnerin und Ex-Frau Shelley.

Eines Tages bekommt Aggie mit, dass Nile Jarvis (Rhys), ein reicher wie bekannter Immobilien-Tycoon, eben in das gegenüberliegende Anwesen gezogen ist. Jarvis wird des Mordes an seiner Frau (früheren) Madison verdächtigt, man konnte ihm aber nie etwas nachweisen. Auf Long Island sucht er nun Ruhe vor dem ständigen Medienrummel um seine Person.

Die erste Begegnung zwischen Wiggs und Jarvis verläuft ruppig und endet in einem Streit: Er will durch den Wald einen Laufweg bauen, sie lehnt das strikt ab. Bei einem zweiten Versuch kommt man sich „näher“: Beim Lunch bietet sich Nile Aggie schamlos als Protagonist ihres neues Buches an, sie soll den „echten Nile Jarvis“ porträtieren und ihn reinwaschen. Sie wiederum erzählt vom Tod ihres Sohnes und der anhaltenden Wut auf den Todeslenker des Autos, Teddy Fenning. Aggie fühlt sich von Nile auf ungewöhnliche Art wahrgenommen und verstanden. Er wiederum schätzt an ihr die direkte, konfrontative Art.

Aus der Bekanntschaft wird so etwas wie eine seltsame Freundschaft: Zu Beginn ist Aggie wachsam und misstraut ihrem nebulösen Nachbarn. Mit der Zeit fasst sie aber immer mehr Vertrauen. Ist er, der „Böse“, nur Projektionsfläche für eigene Dämonen? Angetrieben von Angstlust, der eigenen kreativen Verzweiflung und dem Drang, wie Wahrheit zu finden unterbreitet Wiggs Jarvis tatsächlich das Angebot, eine Biografie über ihn zu schreiben. Eine Entscheidung, die sie später bereuen wird.

„The Beast in Me“ ist anders

Schriftstellerin mit Schreibblockade und persönlichem Trauma, ein Nachbar mit dubioser Vergangenheit und jede Menge Geheimnisse: „The Beast in Me“, die neue Netflix-Serie von Serienschöpfer Gabe Rotter, hat alle Zutaten für ein packendes Streamingerlebnis. Und tatsächlich enttäuscht das Format, seit langem wieder einmal ein Originalstoff, der nicht auf einem Buch, Podcast oder True Crime-Fall basiert, nicht.

the beast in me serie 2025
Der neue Nachbar – was führt er im Schilde?

Und: „The Beast in Me“ ist anders. Über weite Strecken fokussiert sich der Mystery-Thriller ganz auf seine beiden Protagonisten und Hauptdarsteller – Danes und Rhys – die ihre Sache auch wirklich ausgezeichnet machen. Es gibt zahlreiche lange Einstellungen, die die Gespräche zwischen den beiden einfangen, die Kamera auf ihre Gesichter gerichtet, auf ihre Mimik. Die Serie nimmt sich Zeit, ihre Figuren vorzustellen in sie einzutauchen.

Dieser Fokus auf Dialog, Figurenentwicklung ist wohltuend und hebt sich von vielen anderen aktuellen Formaten ab. Im Kern ist „The Beast in Me“ ein psychologischer Thriller, der die Faszination des Bösen ergründet, die Dämonen, die die Welt beherrschen aber auch die persönlichen Dämonen, die in uns allen wohnen. Und wie diese beiden Phänomene miteinander interagieren.

Fazit

So ist „The Beast in Me“ eine durchaus interessante Mini-Serie geworden, die in ihrer Machart vom üblichen Streaming-Content abweicht, auch etwas anspruchsvoller daherkommt, sich Zeit nimmt, sein charaktergetriebenes Drama zu entwickeln und durch ihre Darsteller glänzen kann. Vor allem Claire Danes sollte eine Emmy-Nominierung sicher sein.

Bewertung

Bewertung: 9 von 10.

(89/100)

„The Beast in Me“, Serie, 8 Episoden, seit 13.11.2025 auf Netflix.

(Stand: 21.11.2025)

„The Beast in Me“ – Trailer

Bilder: (c) Netflix