Mit „Caught Stealing“ bringt Darren Aronofsky seinen bereits neunten Film heraus und geht einen neuen Weg: Nach düsteren Dramen wie „Requiem for a Dream“ (2000), „The Wrestler“ (2008) oder zuletzt „The Whale“ (2022) überrascht Aronofsky hier mit einer brutalen und unberechenbaren Gangsterkomödie, die Austin Butler in Bestform zeigt. Der Film startete 2025 im Kino und ist seit kurzem auch auf Netflix zu sehen (Stand Januar 2026).
von Christian Oehmigen
Worum geht’s in „Caught Stealing“?
New York City, 1998. Hank Thompson (Austin Butler) ist Barkeeper in einer belebten Kneipe. Eigentlich sollte sein Leben anders verlaufen, doch eine aussichtsreiche Karriere beim Baseballteam der San Francisco Giants wurde durch einen Schicksalsschlag zunichte gemacht. Er verbringt seine Zeit mit seiner Freundin Yvonne (Zoe Kravitz) und seinem besten Kumpel und Nachbarn Russ (Matt Smith).
Hanks Leben nimmt eine 180-Grad-Wendung, als zwei russische Schläger Russ aufsuchen wollen, der aber kurzfristig nach London musste. Als Hank sich ihnen in den Weg stellt, wird er so heftig verprügelt, dass ihm eine Niere entfernt werden muss. Doch das ist erst der Anfang, schnell eskaliert das Ganze zu einem Überlebenskampf quer durch New Yorks Unterwelt.
Aronofsky kann auch Mainstream
„Caught Stealing“ basiert auf dem gleichnamigen Roman bzw. der Buchreihe von Charlie Huston, der auch das Drehbuch geschrieben hat. Mit seiner Adaption zeigt Darren Aronofsky, dass er durchaus auch Mainstream kann, auf seine Weise. Das Ergebnis ist Film für die Awards, sondern eine raue, schwarzhumorige Gangsterkomödie, die an Guy Ritchies Filme der 90er erinnert, aber deutlich brutaler.
„Caught Stealing“ ist am ehesten vergleichbar mit Martin Scorseses unterschätzter Komödie „After Hours“ (1985), in der ein normaler Büroangestellter von einer skurrilen Situation in die nächste gerät. (Der damalige Hauptdarsteller Griffin Dunne ist übrigens hier in einer Nebenrolle zu sehen.) Auch Hank taumelt von einer Katastrophe in die nächste, gefolgt von schwer vorhersehbaren Twists. Darin liegt das größte Problem von „Caught Stealing“: Der Film schwankt zu heftig zwischen schwarzem Humor und bitterem Ernst. Die Gewalt ist brutal, realistisch und schmerzhaft. Der Humor wirkt da oftmals deplatziert – und verfehlt damit seine Wirkung.
Einzige echte Ausnahmen sind Vincent D’Onofrio und Liev Schreiber als jüdisch-orthodoxes Gangsterduo Shmully und Lipa. In ihren Auftritten gelingt die Balance aus Comedy und Thrill. Die Szene mit den Matzeknödeln, serviert von Mutter Bubba (eine herrliche Carol Kane), ist eines der Highlights in „Caught Stealing“ und gibt dem Film eine gewisse Erdung.
Austin Butler strahlt
Was „Caught Stealing“ trotz aller Tonalitätswechsel zusammenhält, ist ganz klar Austin Butler. Er ist in nahezu jeder Szene zu sehen, trägt den Film auf seinen Schultern und schafft es, selbst dann noch Sympathie zu wecken, wenn sein Charakter fragwürdige Entscheidungen trifft. Butler zeigt mit dieser Tour de Force, dass er aktuell zu den Top-Schauspielern in Hollywood gehört und seine überzeugende Darbietung in „Elvis“ (2022) keine Eintagsfliege war.
Auch Zoe Kravitz hat starke Momente, obwohl ihre Rolle etwas unterentwickelt bleibt. Die Chemie zwischen ihr und Butler stimmt und so gibt es einige durchaus „prickelnde“ Szenen, die wir im (post)modernen Kino kaum noch zu sehen bekommen. Insgesamt spürt man die Spielfreude des gesamten Casts, der bis in die kleinsten Nebenrollen perfekt besetzt ist.
Fazit
„Caught Stealing“ ist kein Film für zarte Gemüter, sondern eine laute, adrenalingefüllte Tour de Force mit einem sensationellen Austin Butler. Wer sich auf die brutale Action, absurde Situationen und überraschenden Twists einlassen kann, wird durchaus seinen Spaß daran haben. Wer allerdings eine locker-leichte Gangsterkomödie erwartet, wird enttäuscht, denn Aronofsky bleibt Aronofsky. Auch wenn es diesmal Matzeknödel statt Methadon gibt.
Bewertung
(78/100)
„Caught Stealing“ – ab 28.8.2025 im Kino. Ab 28.1.2026 auf Netflix.
Bild: (c) 2024 CTMG, Inc
