„That’s Why the Lady Is a Champ“ startete am 3. September 2026 in unseren Kinos. Das Biopic von David Michôd erzählt die wahre Geschichte der Boxerin Christy Martin, die von Sydney Sweeney gespielt wird und in den 1990er-Jahren zum Star des Frauenboxens aufstieg. In den USA war der Film unter dem Titel „Christy“ ein Mega-Flop, das aber völlig zu Unrecht. Alles Weitere in unserer Kritik:
Von Christian Klosz
Zweifellos gehört Sydney Sweeney seit einigen Jahren zu den heißesten Aktien am Hollywood-Markt: Ihr für manche aufregendes Äußeres sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie auch ausgezeichnet schauspielern kann. Darüber, wie sie nun politisch einzuschätzen sei – eine in der durch Trump zerstörten US-Gesellschaft fast alles durchdringende Frage – herrscht Uneinigkeit und Verwirrung. Wohl auch deshalb, weil Sweeney selbst sich nicht aktiv politisch äußert. Die scheinbare Widersprüchlichkeit zwischen Talent, Aussehen und offensiver erotischer Selbstinszenierung setzt sich hier fort.
Sydney Sweeney Superstar
Von rechten Gruppierungen wird sie, weiß, blond, blauäugig, als neues, altes Weiblichkeitsideal vereinnahmt. Eine an sich harmlose Jeans-Kampagne von Teilen der Linken als „Beweis“ für ihre Nähe zum Trump-Konservativismus oder gar Rassismus geframed. Blöd nur, dass ein Blick auf ihre Filme, deren Inhalte und viele der von ihr gespielten Figuren ein gänzlich anderes Bild ergeben. Die Rollenwahl lässt sich wohl kaum gänzlich von einer Person trennen. Und mehr noch: Sweeney produziert viele ihrer Filme auch selbst (mit), die oft von progressiven, feministischen und emanzipatorischen Botschaften getragen sind.
So ist das auch bei „That’s why the lady is a champ“, das Biopic über die lesbische Boxerin Christy Martin (gespielt von Sweeney), das in den USA schlicht „Christy“ hieß und bei uns warum auch immer unter diesem Titel in die Kinos kommt. Ein möglicher Grund: In den USA war der Film ein riesiger Flop, ein neuer Name soll da vielleicht helfen.
Die Geschichte beginnt in West Virginia Ende der 1980er-Jahre: Christy, die damals noch Salters heißt, ist Anfang 20 und wächst in einer Kleinstadt in einer Arbeiterfamilie auf. Sie ist sportlich talentiert und spielt Basketball, eine echte Karriereperspektive ist das jedoch nicht. Dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt und eine „Affäre“ mit einer Bekannten hat, will vor allem ihre erzkonservative Mutter (Merritt Wever) nicht akzeptieren, ihre Tochter solle „ein normales Leben“ führen, was in ihrer Vorstellung heißt: einen Mann heiraten und am besten Hausfrau werden.
The Deal with the Devil
Als Christy eher durch Zufall ihr Talent fürs Boxen entdeckt, scheint das zunächst auch das Ticket aus der kleinstädtischen Enge zu sein: Sie habe nun „ihr Ding gefunden“, sagt sie. Schnell macht sie sich einen Namen und wird an den erfahrenen, aber mehr als doppelt so alten Trainer Jim Martin (Ben Foster) vermittelt. Der hat erst wenig Interesse, eine Frau zu trainieren, erkennt aber Talent in ihr.
Aus einer Arbeitsbeziehung wird schnell eine „Zwecksehe“, er vermittelt Kontakt und Kämpfe, sie gewinnt. Und auch Christys Familie ist froh, dass die Tochter nun doch noch „den rechten Weg“ gefunden hat, sprich: Mit einem Mann zusammenlebt. Christy Martin steigt zum ersten Star des Frauenboxens auf. Doch je größer der Erfolg, desto höher auch der Preis: Die Probleme zwischen Christy und Jim wachsen, Drogen kommen ins Spiel, er verhält sich gegenüber ihr zunehmend gewalttätig. Schließlich hat sie genug, will ihn verlassen. Doch das endet in einer Tragödie.

Sweeney kann auch unsexy
„That’s why the lady is a champ“ ist ein gelungener, sehenswerter Film. Trotzdem spielte er in den USA bei einem Budget von 15 Millionen nur 2 wieder ein. Es war dies nicht der erste Misserfolg dieser Art für Sweeney: Über die Gründe, warum die Schauspielerin in anspruchsvolleren „Indie-Produktionen“ offenbar niemand sehen will wird seither auch in Kritikerkreisen diskutiert. Der naheliegende Grund: Der Teil des Publikums, der sie aufgrund ihres Aussehens gerne sieht, geht nicht unbedingt für Arthouse-Produktionen ins Kino. Im Fall von „That’s why the lady…“ kommt hinzu, dass Sweeney hier ganz und gar nicht wie Sweeney aussieht: „Mut zur Hässlichkeit“ nannte man sowas früher einmal. Die Schauspielerin legte an Gewicht zu, ihr Habitus ist rau, burschikos, gar nicht weiblich oder „sexy“.
Dafür darf ihr Schauspieltalent umso mehr hervorragen: Denn Sweeney legt hier eine bemerkenswerte Leistung hin und trägt dieses Sportler-Biopic über weite Strecken auf ihren muskelbepackten Schultern. Ben Foster spielt ebenso überzeugend wie abstoßend ihren Counterpart, einen erbärmlichen Schwächling, der seine Minderwertigkeitskomplexe über die Erfolge seiner Frau zu kompensieren sucht, die ihn nicht liebt. Dramaturgisch folgt der Film recht konventionell den Stationen des Genres, weist aber immer wieder überdurchschnittliche Qualitäten auf: Regisseur David Michôd gibt seinen Figuren Raum, sich zu entfalten. Und auch den zentralen Szenen, insbesondere jenen im Boxring, die besonders gelungen gestaltet sind.
Fazit
„That’s Why the Lady Is a Champ“ zeigt Sydney Sweeney, eindeutig Star und Zentrum dieses Werks, erneut in einer Emanzipationsgeschichte, einer Suche nach der eigenen (sexuellen) Identität (die ihre Figur erst spät finden und sich selbst zugestehen sollte) und einer Abrechnung mit toxischen Männerfiguren. Ein überdurchschnittlich gut inszeniertes Sportler-Biopic mit Message – und einer mehr als überzeugenden Hauptdarstellerin.
Bewertung
(83/100)
Ab 3.9.2026 im Kino.
Sydney Sweeney oben ohne in „Euphoria“
Bilder: (c) Tobis Filmverleih
