Bei manchen Filmen oder Regisseuren ist es schwer nachzuvollziehen, warum sie bei Publikum und Kritik durchfallen, oder verrissen werden. In manchen Fällen mangelt es einfach an der Qualität, in anderen ist der Fall komplizierter: vor Allem dann, wenn die Werke und Absichten der Filmemacher missverstanden werden. Neben Paul Verhoeven ist Brian de Palma ein Kandidat für diese Kategorie, vor Allem sein Film „Fegefeuer der Eitelkeiten“ wurde von der US-Kritik ordentlich unter seinem Wert geschlagen. Und das vollkommen zu Unrecht.

Die Kontroversität illustriert auch die Tatsache, dass der auf Tom Wolfes satirischem Epos basierende Film in den USA und Europa vollkommen konträr rezipiert wurde. Während Kritiker hier dem Film durchaus wohlwollend begegneten, ihn als geistreiche Gesellschaftssatire der US-Society mit Witz und Humor erkannten, wurde er im Produktionsland gar mehrfach für die „Goldenen Himbeere“ für besonders schlechte Leistungen nominiert.

Neben de Palmas meist unbeabsichtigter Neigung zum Skandal mag das vor allem am zynischen Witz, an der beißenden Ironie, am Fehlen jeglicher political correctness liegen, die „The Bonfire of the Vanities“ auszeichnen. Er unterwandert gängige Kategorien des US-Mainstreamfilms, bricht simple Schwarz-Weiß-Darstellungen, und mokiert sich über alle Klassen, Milieus. Nun kurz zum Inhalt:

Der Protagonist wider willen ist hier Sherman McCoy, pfiffiger Börsenhändler mit viel Geld und ohne Charakter, gespielt von Tom Hanks, der unabsichtlich in einen Autounfall in der Bronx verwickelt wird. Der von seinem Auto Angefahrene liegt im Koma, weil es sich um einen Bewohner eines schwarzen Armenviertels handelt, kümmert das zuerst niemanden. Bis auf Abe Weiss, Bezirksstaatsanwalt mit Bürgermeisterambitionen, der den Fall für sich instrumentalisiert: Eine ordentlich orchestrierte Hexenjagd auf WASP McCoy, so die perfide Überlegung, kann ihm genügend Stimmen von Schwarzen und anderen Minderheiten einbringen.

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In diesem Film bekommt jeder sein „Fett weg“, und das macht ihn so sehenswert: Nicht nur der in seiner Einfältigkeit abgehobene McCoy, der am Ende doch triumphieren wird, nein, ebenso seine affektierte Gattin, ganz upper class bitch, seine Geliebte, die durchtriebene Südstaatenschönheit, der zwielichtige schwarze Prediger, der bei seinem Einsatz für die Unterprivilegierten vor Allem eigene Interessen verfolgt, und, nicht zuletzt, der jüdische Anwalt, Vertreter des „liberalen Amerikas“, der Ethnien gezielt gegeneinander ausspielt, um Bürgermeister zu werden. Vermutlich liegt darin auch der große Misserfolg, v.A. in den USA, begründet: Amerikanische Kinogänger wollen unterhalten werden, den Spiegel bekommt man selten gerne vorgehalten, noch dazu wenn er derart bitterböse und dunkel funkelt. Im Kern geht es in „Fegefeuer der Eitelkeiten“ um eine humorvolle Abrechnung mit menschlichen Schwächen, um den Verlust von Anstand und Moral, um die Verkommenheit der Gesellschaft, in der sich jeder selbst der nächste ist: An Aktualität also kaum zu überbieten.  Bewertung: 8 von 10 *