Wo geht es hin mit Ridley Scott? In der Spätphase seiner Karriere scheint der Macher von Klassikern wie „Balde Runner“, „Alien“ oder „Gladiator“ hin- und hergerissen zu sein zwischen der Produktion großartiger Filme („Der Marsianer“, 2015) und eher enttäuschender Werke(„Alien: Covenant“).

Im Jahr 2006 fabrizierte der Brite einen für ihn äußerst ungewöhnlichen Film – von dem die meisten wohl gar nicht wissen, dass er von ihm ist: „Ein gutes Jahr“ mit Russel Crowe und Marion Cotillard in den Hauptrollen.

Ungewöhnlich weil: Nach außen gibt sich der Film den Anschein einer romantischen Liebeskomödie. Doch er ist nicht nur das: Vor allem in der ersten Hälfte ist er ein wunderbares, ansehnliches Portrait der Provence, der Landschaften, und der Menschen dort, die es verstehen, das Leben und die Liebe zu genießen.

Die Geschichte ist nicht sonderlich kreativ, aber trotzdem (großteils) gut umgesetzt: Max Skinner (Crowe) als arroganter Londoner Börsehai steht gerade im Büro seiner Finanzfirma, als er vom Tod seines Onkels Henry (großartig als alternder Lebemann: Albert Finney) erfährt. Bei ihm auf dessen Weingut in der Provence hatte der kleine Max seine Ferien in der Kindheit verbracht – und es sind sehr sehr gute Erinnerungen.

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Nach kurzer Trauerphase reist Max nach Frankreich, mit dem Ziel, das Anwesen so schnell wie möglich loszuwerden, und zu Geld zu machen. Doch dort begegnen ihm nicht nur schöne Weinberge, sondern auch (zuhauf) schöne Frauen.Und so komm alles anders als geplant…

Positiv hervorzuheben sind die wunderbaren Bilder Frankreichs, der augenzwinkernde Humor, die guten Darsteller, die sehr gut harmonieren, und auch die story hat Charme. Leider wird „die Bekehrung des Max Skinner“ im letzten Drittel etwas zu schnell und fahrig runtergenudelt, und verliert sich in leichten Klischees. Abgesehen davon aber bietet „Ein gutes Jahr“ wunderbar leichte Filmunterhaltung für laue Sommerabende. Ridley Scott ist ein wunderbar bebildertes Potrait seiner Wahlheimat gelungen, ein wahres Feel-Good-Movie, das Lust macht, sich im nächsten Flieger auf Richtung Provence zu machen.

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Damit verabschiedet sich „Film plus Kritik“ in die Sommerpause.

Wir sind ab September wieder zurück, mit einem ersten Gastbeitrag, einer (verspäteten) Kritik zu Christopher Nolans „Dunkirk“,  einem Schwerpunkt zum Kino der 90er, und einem interaktiven Feature „10 Tage – 10 Filme“.

Schönen und erholsamen Sommer wünscht Film Plus Kritik.

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