Der Film „Nymph()maniac: Volume I”  bzw. der zweite Teil wurden hier bereits besprochen, ebenso wie „Melancholia“ (2011)  Nun ist es an der Zeit, den dritten Teil von Lars von Triers Skandal-Saga, auch bekannt unter „Depressions-Trilogie“, näher zu beleuchten: Den Film „Antichrist“ aus dem Jahr 2009.

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Während sich in „Melancholia“, dem Mittelteil der Trilogie, durchaus noch „Schönheit“ finden lässt, und „Nymphomaniac“, zumindest Teil 1, noch so etwas wie letzte Hoffnung verspricht, wirkt „Antichrist“ nur mehr „krank“. Mit einem anderen Adjektiv lässt sich der Film schwerlich beschreiben, auch wenn es plakativ klingt. Vielleicht zusätzlich noch: höchst verstörend, verwirrend, aberwitzig, irre, pervers, unverständlich.

Findet man für die zuvor genannten Filme des Dänen zumindest einige Gründe, warum man sich damit konfrontieren sollte, welchen „Mehrwert“ die Versenkung in den Film hätte, tut man sich bei „Antichrist“ dabei äußerst schwer. Zu unverständlich und nicht nachvollziehbar scheint die Absicht dahinter.

Der Beginn des Films ist noch eher nachvollziehbar: Die triste Ausgangslage – Während die Eltern (Willem Defoe und Charlotte Gainsbourg) im Bett über einander herfallen, fällt ihr kleiner Sohn im Schneetreiben aus dem Fenster, und stirbt. Zeitsprung: Die Mutter kommt mit dem Verlust nicht klar, und fällt in eine tiefe, tiefe und lähmende Depression. Ihr Mann, der Therapeut, versucht, wider besseres Wissen und gegen den Berufsethos verstoßend, sie selbst zu therapieren. Er befragt sie zu ihren Ängsten, versucht ihr klar zu machen, dass alles „nur Einbildung“ sei, verrennt sich aber selbst immer mehr in seinem durch Eitelkeit befeuerten Ehrgeiz, sie „heilen“ zu wollen. Sie unternehmen einen gemeinsamen Trip in den Wald, den Defoes Charakter als die „größte Angst“ seiner Frau ausgemacht hat. Heilung durch hemmungslose Konfrontation, lautet die Devise. Doch der Trip gerät immer mehr zum Alptraum, die Reise in den Wald wird zum Sinnbild für die Reise in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele.

Ohne nachvollziehbaren Grund verfällt die Frau vollkommen dem Wahnsinn, und versucht ihren Mann zu töten. Hier muss auch die Kritik am Film ansetzen: Ist in der ersten Hälfte des Films zumindest noch ansatzweise nachvollziehbar, warum die Protagonisten tun, was sie eben tun – auch wenn das alles nicht schön anzusehen ist – verliert die Handlung in der zweiten Hälfte jegliche Logik. Das ist das „Wesen des Wahns„, Handeln ohne nachvollziehbare Grundlage, mag man einwenden. Dann stellt sich aber die Frage, warum man sich das als Zuseher zu Gemüte führen sollte.

Von Trier, der selbst unter Depressionen litt und leidet, meinte dereinst, die Filme der entsprechenden „Depressions-Trilogie“ seien vor Allem Aufarbeitung und Verarbeitung seiner eigenen Erfahrungen. Das ist schön und recht, man darf aber von einem Film durchaus mehr erwarten, als Leinwand und Projektionsfläche gewesen zu sein, die für den Regisseur herhalten musste, um sich „auszukotzen“. Wo ist der Respekt vor dem Publikum, vor der Filmkunst? Ein Meisterwerk kann also „Antichrist“ nicht sein.

Der Film hat durchaus seine „schönen“ Szenen, und reißt gewisse interessante Aspekte an, ohne sie allerdings näher auszuführen. Dasselbe gilt für die christliche Symbolik, von der der Film durchdrungen ist. Die biblischen Andeutungen scheinen eher der Geschichte zu dienen, als wirklich wohl durchdachte Hintergründe zu bilden.

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Vor allem die letzten 20 Minuten des Films sind wirklich schwer erträglich, voller grausiger und grauenvoller Szenen, furchtbar „hässlich“, deren Schwäche vor Allem ihr plakativ abstoßender Charakter ist. Die Intention, warum ein Regisseur solche Bilder schaffen sollte oder wollte, ist nicht verständlich. Und warum man sie sich dann eben ansehen sollte, noch weniger.

FAZIT: Dieser Film kann, wegen der oben genannten Gründe, nicht guten Gewissens empfohlen werden. Zu „krank“, und zu hässlich, zu abartig, ist nicht nur das Dargestellte, sondern, um ehrlich zu sein, auch die reine Idee, solch einen Film zu drehen. Zu empfehlen ist er wohl nur für eingefleischte von Trier-Fans, Cineasten, die der Vollständigkeit halber diesen Film und ersten Teil der „Depression-Trilogie“ sehen möchten. Oder für Masochisten, denen es Freude bereitet, ihre Augen und Seelen zu quälen.

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ZUSATZ UND KOMMENTAR ZUR KRITIK:

Zusatz und Kommentar zur Kritik zu: „Antichrist“ von Lars von Trier

FÜR VON TRIER FANS – ZUM WEITERLESEN:

->-> KRITIK: „Nymph()maniac: Volume I” (director´s cut) – Lars von Trier; 2013

-> -> „Nymph()maniac: Volume II (director´s cut)“ – Lars von Trier; 2013

->-> „Melancholia“ (2011) – Lars von Trier

 

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