Was sich bei der Bekanntgabe der AFI-Awards  schon ankündigte, setzte sich gestern mit der Verkündung der Nominierungen für die Golden Globes 2018 fort: Dass uns eine etwas seltsame Award-Saison ins Haus stehen könnte.

komplette Liste der Nominierten: Golden-Globe-Nominierungen

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Dass der „durchschnittliche Kinofan“ von Globe- oder Oscar-Listen oft wenig angetan ist, ist nichts Neues: Viele vermissen jedes Jahr ihre „Lieblingsfilme“ unter den Nominierten, oder mokieren sich über gelistete Filme, die „keiner kennt“. Meist ist es aber so, dass die Jury eine Auswahl findet, die kleineres Independent-Kino ebenso berücksichtigt wie gut gemachte Mainstream-Filme.

Dieses Jahr hätte davon eine Vielzahl geboten: „Logan“ wurde als bester Film des Wolverine-Franchise gefeiert, „Wonder Woman“ überzeugte Kritiker wie Publikum, „Blade Runner 2049“ wurde als würdige Fortsetzung des Klassikers genannt, und „Planet of the Apes: Survival“ beendete eindrucksvoll eine der besten Film-Trilogien der letzten Jahre. Dazu konnte man mit „mother!“ endlich wieder einen zwar verstörenden, aber starken Film von Darren Aronofsky sehen, und Kathryn Bigelow legte mit „Detroit“ ein intensives Rassismus-Drama vor. All diese Filme finden sich nicht unter den Nominierten.

Die Liste ist sehr independent-lastig, und vor Allem für europäische Filmfans schwer nachvollziehbar, oder gar zu beurteilen: Denn viele der Filme sind bei uns noch nicht zu sehen, oder haben den Filmstart erst im Februar oder März 2018. Einer der wenigen Filme, die schon zu beurteilen sind, ist „Get Out!“, der clevere Thriller, der Sozialkritik mit Horrorelementen verbindet. Sicher kein schlechter Film, doch was stellt ihn über „mother!“, „Detroit“ oder „Wonder Woman“? Zudem wurde er seltsamerweise in der Kategorie „Beste Komödie“ nominiert.

Die Hollywood Foreign Press wird sich noch weitere Kritik ob der diesjährigen Liste gefallen lassen müssen. Sie scheint in ihrem Blick auf das Filmjahr seltsam beschränkt und unausgewogen, und man wird sehen, ob sich die „Oscar Academy“ auch dieses Jahr an die Vorgaben des „kleinen Bruders“ hält.

von Christian Klosz