Bennet Miller lässt sich zu den interessantesten Filmemachern der Gegenwart zählen: Obwohl er mit „Capote“, „Moneyball“ und 2014 „Foxcatcher“ in knapp 10 Jahren (und überhaupt) erst 3 veröffentlichte Werke zu Buche stehen hat, kann man jeden davon als „erweitertes Meisterwerk“ bezeichnen.

„Capote“ brachte 2005 P. S. Hoffmann den längst verdienten Oscar, und katapultierte Miller schon mit seinem ersten Langfilm in die oberster Riege der anspruchsvollen Hollywood-Filmemacher. In „Moneyball“ brilliert ein mit minimalistischem Schauspiel agierender Brad Pitt in einem der zweifelsohne besten Sport-Dramen aller Zeiten. In „Foxcatcher“ schließlich liefern alle drei (Haupt-)Darsteller, Mark Ruffalo, Channing Tatum und Steve Carell Meisterleistungen ab, während Miller abermals ein Meisterstück zurückgenommener und in ihrer Reduziertheit bestechender Regie abliefert.

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Der Film basiert auf „wahren Begebenheiten“: Sie erzählt die tragische Geschichte des Millionenerben John du Pont, der sich neben dem Briefmarkensammeln, der Ornithologie und Philanthropie dem Wrestling verschrieben hat, und seinem „Team Foxcatcher“, das am großen du Pont-Anwesen trainiert, und dem er Geld und Mittel zur Verfügung stellt, als großer Mentor dienen will. Im Laufe des Films wird vor Allem eines klar: Du Pont ist ein bizarrer, schwer gestörter Charakter, der zwar mitunter gute Absichten verfolgen mag, die sich aber in immer seltsamer werdendem Verhalten entäußern; (seine von ihm sowohl verehrte als auch gefürchtete Mutter, die ihm und seinem Faible für „niederen Sport“ keine Anerkennung zukommen lassen will, mag ihren Teil zu seinen schweren Neurosen beitragen.)

Mark und Dave Schultz (genial: Channing Tatum; großartig: Mark Ruffalo), Brüderpaar und zwei der erfolgreichsten US-Wrestler, werden, einer nach dem anderen, von du Pont überzeugt, mit „Team Foxcatcher“ zu trainieren.

Zuerst zieht nur der etwas einfältige Mark zu du Pont, und zwischen den beiden entwickelt sich eine mehr als seltsam anmutende Freundschaft, die zunehmend homoerotische Züge annimmt. Du Pont fehlt ein „wahrer Freund“, Schultz Vaterfigur und Mentor, und so haben beide etwas voneinander. Miller agiert in seiner Inszenierung sehr subtil, vieles wird in den langsamen, beinahe meditativ anmutenden Einstellungen nur angedeutet, weniges offen gezeigt. Verlieren die Figuren ihre Kontrolle, brechen ihre Emotionen dafür mit umso eruptiverer Gewalt hervor.

Dave (Ruffalo) kommt schließlich auch auf die Foxcatcher-Farm (teilweise wirkt es echt so, als hielte sich du Pont seine Wrestler wie seine Mutter ihre Pferde), um den schwelenden Konflikt zwischen du Pont und seinem Bruder Mark zu kalmieren, und um als Trainer die Vorbereitung auf die nächsten Wettkämpfe sicher zu stellen. Doch was zerbrochen ist, an Vertrauen, Zuneigung, Respekt und Liebe, lässt sich nicht mehr kitten…

Die beiden großen Stärken von „Foxcatcher“ sind Millers Regie, und seine Schauspielführung. Minimalistische Gesten, Bewegungen, einzig Körperhaltungen drücken ganze Charaktermerkmale der Figuren aus. Carell, Tatum und Ruffalo gebührt hier ebenso Lob, die (vermutlich sehr präzisen) Vorgaben des Regisseurs exakt ausgeführt zu haben. Das Resultat ist ein bizarrer, höchst verstörender Film, ein verkehrter „Citizen Kane“, der seinen Protagonisten nicht in Einsamkeit und Depression, sondern in schizophrenen Wahn schickt. Eine hypnotische psychologische Studie von Verrücktheit, geistigem Verfall, Ohnmacht, die wenig Hoffnung auf Hoffnung lässt.

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