Pubertierende Vorstadtteenager unterwegs auf ihren Fahrrädern. Ein Jahrzehnt, das weit genug zurück liegt, um von den meisten Zuschauern mit nostalgischem Blick genossen zu werden. Hinzu kommt eine dunkle Wendung, die das Leben der Protagonisten in gefährliche Bahnen lenkt. Wer von dieser Art Geschichte nach zwei Staffeln „Stranger Things“ oder „It“ (2017) (2017) immer noch nicht genug hat, bekommt mit „Super Dark Times“ eine weitere Gelegenheit, sich gemeinsam mit seinem kindlichen Selbst auf ein mehr oder weniger schönes Abenteuer zu begeben.

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Die Geschichte der zunächst wenig sympathischen Teenager Zach (Owen Campbell) und Josh (Charlie Tahan) beginnt, angesiedelt in den 90ern, mit einer Unterhaltung darüber, welche ihrer Schulkolleginnen sie am anziehendsten finden. Hier zeichnet sich bereits der erste große Aspekt des Filmes ab. Der Plot ist durchzogen von sexuellen Untertönen. Mal in Form von obszönen Dialogen, mal durch einen Kugelschreiber. Dabei kommt es aber nie zu expliziten Szenen, die die „Unschuld der Kindheit“ stören würde. Diese Momente dienen ausschließlich dem Zweck, das durch Hormone verwirrte und auch komplexere Innenleben der Protagonisten zu untermalen.

Der zweite zentrale und „super darke“ Teil der Story beginnt damit, dass beim zunächst zerstörerisch-freudigen Spiel mit einem Samurai-Schwert ein Streit zwischen den Teenies ausbricht. Dabei kommt durch ein Versehen einer der Jugendlichen ums Leben. Wie die Verbliebenen versuchen, mit der Tat umzugehen und welche Konsequenzen das Alles für die Leben der Einzelnen hat, erzählt der Film auf stimmungsvolle, bewegende und nicht zu fordernde Weise – was in diesem Fall keine Kritik ist.

Bei einer Laufzeit von 100 Minuten, hat der Film kaum Längen. Die dichte Atmosphäre hilft dabei etwas, über so manche Overacting-Einlage hinweg zu täuschen. Vor allem Hauptdarsteller Owen Campbell hat es noch nicht ganz verstanden, mit zurückhaltender Mimik Emotionen zu übermitteln. Oft wirken seine Blicke karikaturhaft und fast schon lächerlich.  Charlie Tahan hingegen wirkt der Charakter Josh beinahe auf den Leib geschrieben. Man nimmt ihm seine Rolle als schüchterner Outsider definitiv ab. Auch Elizabeth Cappuchino als Allison macht ihre Rolle gut. Sie spielt eine selbstbewusste Schülerin, die weiß, was sie will. Durch ihre Beziehung zu Zach und Josh wird sie allerdings Teil der Misere.

Obwohl das Langfilmregiedebut von Kevin Phillips, dessen bis dato bekannteste Arbeit die an der Kamera bei „Forgetting Sarah Marshal“ (2008) ist, wirkt „Super Dark Times“ sehr stilsicher. Der Name des Films ist Programm: Die düstere Atmosphäre wird durch einheitliches dunkles Colorgrading stets aufrechterhalten. Die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander sind meistens nachvollziehbar, ohne dabei zu komplex zu werden. Lediglich dem Ende kann vorgeworfen werden, uninspiriert zu sein, da der Film eine gewisse Erwartungshaltung aufbaut, die er auf seine Art und Weise bricht. Wer sich am rohen, unverblümten Klimax nicht stört, wird einen runden Abschluss für diesen gelungenen Film erleben.

Fazit:
„Super Dark Times“ ist kein Film, der moralisierend oder belehrend sein will. Es werden weder komplexen Charakterstudien erstellt, noch will der Film irgendwelche Aussagen über Ort und Zeit treffen. Hier hätte man noch mehr Tiefe ausarbeiten können. Wer aber, wie bereits erwähnt, die Ästhetik von „Stranger Things“ oder „It“ (2017) mag, sich aber an der Kindlichkeit beider Filme stört, wird hier gut bedient werden. Kevin Phillips hat hier einen spannenden, brutalen, ernsthaften Film mit pubertären Humoreinlagen inszeniert. Für einen Thriller-Abend absolut geeignet.

Kritik von Valerian Happenhofer  /  thehappening93 (letterboxd-account)

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Hinweis: am 19.1. um 22.30 findet im Filmcasino in Wien ein „Special Screening“ von „Super Dark Times“ statt, der ja sonst bei uns bisher nicht im Kino zu sehen war. Weitere Infos findet ihr auf der Homepage vom Filmcasino.

weitere aktuelle Filme: „Downsizing“ (2017) – Alexander Payne

„Three Billboards outside Ebbing, Missouri“: Filmstart am 26.1.2018

 

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