Film der Woche, Nr. 12 ist der Hitchcock-Klassiker „The 39 Steps“ aus dem Jahre 1935. Kritik von Valerian Happenhofer.

Alfred Hitchcock: Vom „Master of Suspense“ haben wohl die meisten filmaffinen Menschen schon zumindest gehört. Durch seine als Meisterwerke geltenden, großen Filme wie „Psycho“ (1960), „Der Unsichtbare Dritte“ (1959 orig. „North by Northwest“) und „Aus dem Reich der Toten“ (1958 orig. „Vertigo“), rechtfertigte Hitchcock seinen Ehrenplatz im globalen Filmgedächtnis. In zahlreichen Studien, Abhandlungen und Dokumentarfilmen, wurden seine Werke bereits ausreichend analysiert und besprochen. Doch abgesehen von seinen Klassikern hat der Regisseur viele weitere Werke geschaffen, die definitiv eine Sichtung wert sind. Dabei will ich mich in diesem Text, auf den Film „Die 39 Stufen“ (1935 orig. „The 39 Steps“) konzentrieren.

Kurzer Umriss des Inhalts:
Basierend auf der Buchvorlage von John Buchan erzählt der Film die Geschichte von Richard Hannay (Robert Donat) der nach einem unerwartet kurzen Besuch in einer „Music-Hall“ von einer ihm unbekannten Frau gefragt wird, ob sie denn mit ihm nach Hause kommen dürfe. In Hannays Wohnung angekommen, beginnt die Dame namens Anabelle Smith (Lucie Mannheim), sichtlich paranoid, Geheimnisse über eine Verschwörung zu offenbaren. Sie sei auf der Flucht von Männern und habe Wissen und brisante Geheimnisse. Der zunächst (verständlicherweise) skeptische Hannay will seinem Gast zunächst nicht glauben, bis sich in der Nacht seine Meinung durch einen tragischen Vorfall rapide ändert. Fortan muss der Protagonist seine Sicherheit auf der Suche nach der Wahrheit immer wieder in Frage gestellt sehen.

Kritik:
Zunächst gilt es anzumerken, dass der Film über 80 Jahre alt ist. Dies muss nicht zwingend etwas zu bedeuten haben, allerdings lassen sich an manchen Stellen Unterschiede zu heute gängigen Techniken feststellen. Dabei geht es nicht primär um die technische Limitierung der Kameras oder des Tons. Der Film ist in schwarz-weiß gedreht, was der Geschichte keinen Abbruch leistet. Es handelt sich hauptsächlich um den Einsatz von Schnitten oder den zu Grunde liegenden dramaturgischen Aufbau, der aus heutiger Sicht oft unüblich erscheinen mag.

Am deutlichsten zeigt sich das Alter des Films am Umgang mit seinen Protagonistinnen: Wie oft gesehen bei Hitchcock, dessen Obsessionen bezüglich beautiful blondes hinlänglich bekannt sind, werden Frauen unfreiwillig in prekäre Lagen verfrachtet. So werden auch in diesem Film die drei größeren Frauenfiguren sichtlich unrecht behandelt. Zwar rechtfertigt sich dieser Umgang durch die Moral der Handlung, dennoch erscheinen diese Szenen aus heutiger Sicht zumindest moralisch fragwürdig. Hitchcocks Eskapaden am Set mit seinen Hauptdarstellerinen sind allgemein mehr oder weniger bekannt, allerdings tröstet dies nicht darüber hinweg sich zu erinnern welche Geschlechterrollen in früheren Zeiten vorgeherrscht haben.

Abgesehen von genannten altersbedingten „Makeln“ hat die Geschichte rund um Hannay jedoch kaum an Spannungsfähigkeit eingebüßt: Durch die klare Ausgangssituation, die stark heruntergebrochene Geschichte (im Vergleich zur Buchvorlage) und die allgemeine paranoide Stimmung funktioniert der Film auch heute noch ausgezeichnet. Der Humor des Filmes mag im Laufe der Jahre dabei auch etwas an Pepp verloren haben, dennoch lässt sich der ein oder andere Schmunzler nicht vermeiden.

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Fazit:
„Die 39 Stufen“ ist ein guter Film, der trotz Verstaubtheit zu unterhalten weiß. Es ist kein Film, der völlig aus der Zeit gerissen scheint. Wer Hitchcocks große Werke mag, kann sich auch definitiv an dieser Arbeit erfreuen. Zwar liefert er hier kein brillantes filmisches Werk ab, aber ein solides Stück Abendunterhaltung. Für alle Neulinge auf dem Gebiet des Suspense-Kinos gibt es hier die Light-Version eines Hitchcock-Klassikers.

Wer nun Lust auf diesen Film bekommen hat, kann sich zusätzlich noch darüber freuen, dass es den kompletten Film im O-Ton sowie mit deutscher Synchronisation auf „youtube“ zu finden ist – und das vollkommel legal. Wir wünschen viel Spaß!

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