Kommentar von Cliff Brockerhoffhttps://www.instagram.com/man_of_steelbook/

Wenn man in filmtechnischer Hinsicht auf das Jahr 2017 zurückblickt, kann man ohne Zweifel konstatieren, dass es ein spannendes und gutes Jahr für Filmfans war. Superhelden standen so hoch im Kurs wie nie, Klassiker wie „Es“ oder „Blade Runner“ feierten ihr umjubeltes Comeback, und zum Jahresabschluss stand uns abermals ein neuer Teil der „Star Wars“ – Saga ins Haus. Aber auch Cineasten durften sich freuen. Daron Aronofsky brachte mit„mother!“ ein bizarres und doch so grandioses Meisterwerk auf die Leinwand, David Lowery ließ mit „A ghost story“ das Bildformat 4:3 neu aufleben, und auch der bissige (und leider viel zu unbeachtete) „The Killing of a sacred deer“ strotze nur so vor Abnormitäten und Kubrik’schen Bildern.

Ungeachtet der Tatsache, dass uns in Zeiten von immer präsenteren Streaming-Portalen demnächst wohl spürbare Einschnitte und Veränderungen bevorstehen: das Erlebnis Kino boomt. Einen großen Anteil daran haben natürlich die Filmfans, die in die Kinosäle strömen. Auf der anderen Seite sind es aber vor allem die Filmemacher, die mit ihrer Kreativität dafür sorgen, dass wir immer wieder aufs Neue begeistert auf die große Leinwand blicken. Aber sind Filmemacher und Filmfans tatsächlich so verschieden? Dieser Frage hat sich Indiewire gewidmet, und 42 etablierte und aufstrebende Regisseure zu ihren Highlights des Jahres 2017 befragt.


Einer davon ist Robert Eggers, der 2015 mit seinem Filmdebüt „The VVitch“ einen der besten Horrorfilme dieses Jahrtausends erschaffen hat. Der US-Amerikaner hat zwar laut eigener Aussage bei weitem nicht all die Filme schauen können, für die er sich interessiert hatte, kommt aber trotzdem auf zahlreiche Nennungen.

Eine davon ist der eingangs schon erwähnte „The Killing of a sacred deer“, der hierzulande nur in ausgewählten Kinos gezeigt wurde und eher als Geheimtipp gilt (ebenso wie der ebenfalls genannte Film „Raw“, der einige der krassesten Szenen des vergangenen Filmjahres beinhaltet). Mit dem vierfach oscarnominierten „Get out“ und dem frisch in Deutschland gestarteten „It comes at night“ schaffen es zwei weitere Filme auf seine Liste, die sich am ehesten der Kategorie „Horror“ zuordnen lassen. Verwunderlich ist dies nicht, gerade wenn man sich Eggers Erstlingswerk ins Gedächtnis ruft. Der Vollständigkeit halber sei aber gesagt, dass es durchaus auch andere Genres in seine Highlights geschafft haben, unter anderem der fantastische „Good Time“, Christopher Nolans (Anti)Kriegsepos „Dunkirk“, oder aber der große Oscar-Favorit „The Shape of water“.

Liste:

“Raw”
“The Killing of a Sacred Deer”
“Get Out”
“Good Time”
“The Square”
“The Florida Project”

„I loved the photography and tangible atmosphere of “The Beguiled” and “The Lost City of Z” (Z also had some great fake mustaches). The impeccable film craft in “Blade Runner 2049,” “Dunkirk,” and “The Shape of Water” was inspiring. The first jump scare in “It Comes at Night” was a favorite moment that gave me a nightmare, in fact. And the performances in “Call Me by Your Name” were beautiful.“


Letztgenannter wurde von keinem geringeren kreiert als Guillermo del Toro, der mit „Pans Labyrinth“ schon damals bewiesen hat, dass er in der Lage ist, eine fantastische Welt zu erschaffen, die den Zuschauer in den Bann zieht. Seine Filmografie insgesamt ist so abwechslungsreich wie seine Topliste des Jahres 2017.

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Auf Platz 1 thront „A ghost story“, die visualisierte Frage, was uns nach dem Tod erwartet. Es folgen das Coming of Age – Drama „Lady Bird“, Nolans Geschichte von Dünnkirchen und „Three Billboard outside Ebbing, Missouri“, dem hierzulande leider auch eher schwach gestarteten Meistwerk von Martin McDonagh. Auf den weiteren Plätzen finden sich abermals „Get out“ oder „Good Time“, aber auch eher unbekanntere Werke wie „Tigers are not afraid“ und „Ingrid goes west“. Del Toro beweist einmal mehr, dass er sich für vieles begeistern kann.

Liste:

10. “Brawl in Cell Block 99”
9. “Ingrid Goes West”
8. “Tigers Are Not Afraid”
7. “Good Time”
6. “The Meyerowitz Stories”
5. “Get Out”
4. “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”
3. “Dunkirk”
2. “Lady Bird”
1. “A Ghost Story”


Der Regisseur hinter „Baby Driver“, diesem Groovemonster, und einem der stilvollsten Filme des Jahres, ist Edgar Wright, der bisher eher mit abgedrehten Komödien wie „Hot Fuzz“ oder „Shaun of the dead“ eine gewisse Fangemeinde um sich scharren konnte. Auch auf seiner Liste finden sich mit „Lady Bird“, „Dunkirk“ und „Get out“ Filme, die uns auch schon auch schon bei Eggers und/oder Del Toro begegnet sind.

Zu seinen Nennungen gehört auch „mother!“, der wohl meist diskutierte Film des vergangenen Jahres. Nach seiner Top 10 führt er noch weitere zehn Filme auf, die wie er sagt ganz leicht mit den zehn anderen mithalten können.

Liste:

“Raw”
“Dunkirk”
“Phantom Thread”
“The Shape Of Water”
“mother!”
“Get Out”
“The Big Sick”
“Lady Bird”
“Call Me By Your Name”
“Logan Lucky”


Ein Mann, mit dem aktuell nahezu niemand mithalten kann, ist Denis Villeneuve. Der kanadische Visionär zählt seit „Enemy“ zur Topliga, und liefert aktuell ab wie kaum ein anderer. Sein neuestes Werk „Blade Runner 2049“ ist eine optische Attraktion, die dem Original von Ridley Scott um nichts nachsteht. Auch er zählt unter anderem „mother!“, „Dunkirk“ und „Three Billboards..“ zu seinen Favoriten, hat aber mit „Die Verführten“ und „Downsizing“ zwei Filme dabei, die hierzulande eher mittelprächtig aufgenommen wurden.

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Liste:

“Dunkirk”
“Those Who Make Revolution Halfway Only Dig Their Own Graves”
“The Square”
“Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”
“mother!”
“Downsizing”
“The Beguiled”
Neill Blomkamp’s Oats Studio Short films


Fazit: Zusammenfassend lässt sich eins nicht von der Hand weisen: Die Palette an Nennungen ist bunt gemischt. Nichtsdestotrotz kann man auch nicht abstreiten, dass sich ein paar Filme als klare Favoriten erweisen; sowohl bei den Kritikern, als auch bei den Machern. Und es gibt sogar einen Film, der alle weit hinter sich lässt. Mit 26 Nennungen ist „Get out“ der ungekrönte Sieger der Indiewire-Befragung. Aber auch sehr spezielle Vertreter haben durchaus Punkte bei den Filmemachern sammeln könnten.

Was allerdings ganz klar auffällt ist, dass die Filme, die die Kinokassen am lautesten haben klingeln lassen, überhaupt nicht auf den Listen auftauchen. „Fast and the Furios 8“, „Die Schöne und das Biest“ oder aber sämtliche Marvel/DC Streifen sucht man nahezu vergebens, womit wir wieder bei der eingangs gestellten Frage wären. Auch wenn Filmfans und Filmemacher die gleiche Leidenschaft teilen, scheint es in der Wahrnehmung doch Unterschiede zu geben. Worin diese begründet sind, lässt sich final wohl doch nur so beantworten: Geschmäcker sind, und bleiben einfach verschieden.

Den gesamten Artikel findet ihr hier: 42 Directors Pick Their Favorite Movies of 2017, Including Denis Villeneuve, Guillermo del Toro, and More

 

 

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