Brian de Palma galt lange Zeit als Meister des abseitigen Horrors, bis er sich in den 1980-ern vermehrt auch mehrheitstauglicheren Stoffen widmete. Diese Hinwendung zum Mainstream war ein ambivalentes Unterfangen, das einerseits zur Produktion zeitloser Klassiker („The Untouchables“; „Scarface“) führte, andererseits künstlerische und finanzielle Desaster hinterließ („Mission to Mars“; „Black Dahlia“). Als Konstante lässt sich ein Hang zur Provokation und zum (oft unbeabsichtigten) Skandal ausmachen.

„Teufelskreis Alpha“ (Originaltitel: „The Fury“) stammt aus De Palmas Anfangs-Phase, in der er oft Horror-Stoffe mit „übernatürlichen“ Themen mischte; so auch im Durchbruchsfilm „Carrie“ (1976), dem zeitlosen Horror-Klassiker, der diese schräge Mischung aus blutrotem Terror, Parapsychologie und satirischen Untertönen zum ersten mal einem größeren Publikum zugänglich machte.
„Teufelskreis Alpha“ ist zwar ernsthafter, vermischt aber erneut Schreckliches mit Übernatürlichem:

Peter Sandzas (Kirk Douglas) Sohn wurde mit übernatürlichen Fähigkeiten geboren. Es dauert nicht lange, bis eine Regierungsorganisation (vertreten durch John Casavettes) darauf aufmerksam wird, und dem Vater den Sohn wegnehmen will, der denken soll, sein Vater sei tot. Peter allerdings hat überlebt, und macht das Wiederfinden seines Sohnes zur Lebensaufgabe. Er erfährt, dass es ein Mädchen mit ähnlichen, übernatürlichen Fähigkeiten wie denen des Sohnes gibt, das ihm bei der Suche helfen kann. Doch das Wiedersehen läuft nicht wie erhofft…

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„Teufelskreis Alpha“ ist kein schlechter Film, doch erst in den letzten 20 Minuten läuft de Palma zu gewohnter Form auf: Erst da gelingt es ihm, sein überragendes visuell-kinematographisches Talent zur Geltung zu bringen, in einem perfekt komponierten Finale, das sich durchaus mit dem berühmten Ende aus „Carrie“ messen kann. Ansonsten nimmt sich der Regisseur über weite Teile des Filmes zurück, und überlässt auch den Darstellern viel Raum: Vor Allem die Darstellung von Amy Irving ist positiv hervorzuheben.

Für Neulinge, die mit dem Werk dieses Regisseurs wenig vertraut sind, seien einige Schlagworte genannt, sie seine Filme ausmachen: visuelle Perfektion, innovative Kameratechniken (sein innovativer Einsatz der „Split-Screen“-Technik ist legendär; die Einbruchs-Szene aus „Mission: Impossible“ kennt wohl jeder); extensive Kamerafahrten; voyeuristische Perspektive; exzessive und überzeichnete Gewaltdarstellungen; intellektuelle Zugänge; ironische Zwischentöne.
Oft wird De Palma auch als „Erbe“ Hitchcocks bezeichnet, der dessen Zugang weiterentwickelt und einer filmischen (Selbst-)Reflexion unterzogen hat.

„Teufelskreis Alpha“ ist also sicher für Horror-Fans empfehlenswert, die etwas über die Geschichte des Genres erfahren möchten, aber auch für Cinephile und Filmliebhaber, die sich gerne an technischer Virtuosität erfreuen.

Kritik von Christian Klosz

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